Der einstmals ausgerottete Fischotter ist zurück in Franken. Und nicht alle macht das glücklich. Für die traditionsreiche Teichwirtschaft im Aischgrund und den beliebten Karpfen könnte es bald um nicht mehr und nicht weniger gehen als um das blanke Überleben.
In Oberfranken und in der Oberpfalz frisst der Fischotter, der sich gerade von Osten aus wieder flächendeckend in Bayern ausbreitet, mitunter schon ganze Teichgebiete leer, wie Alexander Krappmann erklärt. Krappmann ist von Beruf Otterberater bei der Landesanstalt für Landwirtschaft (LfL) und dort zuständig für Mittelfranken. Im Aischgrund gebe es im Moment höchstens punktuelle Schäden, aber das werde sich in den nächsten ein bis zwei Jahren gravierend ändern, wie der Experte prognostiziert.
Tierschützer sind schockiert
Denn der Fischotter breitet sich entlang der Wasserläufe von Bächen und Flüssen aus. Entlang der Aisch ist sein Vorkommen schon nachgewiesen. Wenn sich das Tier weiter in der Region zwischen Erlangen, Bamberg und Neustadt verbreitet, befürchtet Krappmanns Kollege Martin Oberle, bei der LfL in Höchstadt zuständig für das Fachgebiet Karpfenteichwirtschaft, das Schlimmste: „Wir haben große Sorge. Der Otter ist einer der schlimmsten Fischräuber und würde die Teichwirtschaft hier zum Erliegen bringen.“
Oberle und Krappmann sehen keine Alternative zur Entnahme der Otter aus dem Ökosystem durch deren gezielten Abschuss. Denn die einzige Alternative zum Schutz des Karpfens, das Einzäunen der Teiche, sei wirtschaftlich nicht darstellbar und würde „das Landschaftsbild zerstören“, so Krappmann.
Über Jahrhunderte gewachsen
Völlig anders sieht das die „Aktion Fischotterschutz e. V.“, die in Hankensbüttel in der Nähe von Hannover sitzt. Die Organisation geht gerade gerichtlich gegen eine vom Freistaat Bayern kürzlich erlassene Ausnahmegenehmigung zum Abschuss von Fischottern in der Oberpfalz und in Niederbayern vor.
Die Tierschützer zeigen sich auf ihrer Internetseite schockiert über diese Erlaubnis zum Töten von Ottern und schreiben dazu: „Eine größere Population von Fischottern in einer Region bedeutet keinen größeren Schaden an einem spezifischen Teich.“ Das Töten eines unter strengem Naturschutz stehenden Tiers sei ungerechtfertigt und keine Lösung.
Eine Meinung, die man beim LfL nicht nachvollziehen kann: „Diese Leute kennen unsere heimische Teichwirtschaft nicht und auch nicht, was hier über Jahrhunderte gewachsen ist“, sagt Martin Oberle. Die Teichwirtschaft sei der Garant für den Natur- und Artenschutz vor Ort. Gegen den Abschuss der Otter vorzugehen und damit den Bestand der Teichwirtschaft zu gefährden, sei deswegen unverantwortlich. Alexander Krappmann sieht das ganz genauso: „Der Mehrwert von bewirtschafteten Teichgebieten für den Umweltschutz überwiegt den des Otters bei Weitem.“ Außerdem sei der Abschuss an strenge Vorgaben gebunden.
Angefressene Fische dokumentieren
Den Fischzüchtern im Aischgrund rät Martin Oberle dazu, ein Teichbuch zu führen und genau zu dokumentieren, mit wie vielen Karpfen ein Weiher besetzt wird und wie viele hinterher abgefischt werden können. Dann könne man bei Verlusten durch den Otter nachweisen, um welche Größenordnung es sich dabei handelt und wie groß der Schaden ist.
Auch Kot- oder Trittspuren von Ottern sollten fotografisch festgehalten werden, genau wie angefressene Fische, die an Ufern oder auf Wegen gefunden werden, so Oberle weiter. Das sei von Bedeutung für die Beantragung von staatlichen Entschädigungszahlungen. Darüber hinaus könne man gegen die Otterinvasion nur wenig tun, meint Alexander Krappmann: „Der Teichwirt ist dem Otter machtlos ausgeliefert.“
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