„Die Photovoltaikleistung, die wir die letzten 20 Jahre in Summe hatten, haben wir jetzt in einem Jahr zugebaut“, sagt Ludwig Wahl stolz. Diese Leistung begeistert nicht nur den Röttenbacher Bürgermeister. Sie hat der Gemeinde auch den ersten Platz im „Wattbewerb Erlangen-Höchstadt“ eingebracht.
Neun Gemeinden aus dem Landkreis hatten sich 2021 zum Wettbewerb angemeldet, mit dem Ziel, ihre Leistung von Photovoltaik-Anlagen im Segment bis 100 Kilowatt-Peak zu verdoppeln. „Die Resonanz war in dieser Runde mit neun von 25 Gemeinden etwas gering“, sagt Stefan Jessenberger, Vorsitzender des Vereins Energiewende ER(H)langen. Das habe unter anderem an den Zweifeln gelegen, was die Verdopplung angeht: „Manche waren der Meinung, dass das unmöglich sei und wenn, dann würde sich das ewig ziehen. Aber wir haben bewiesen, dass es in einem relativ überschaubaren Zeitraum möglich ist.“
Teilnehmende Gemeinden haben deutlich höhere Zubau-Rate
Zum Jahreswechsel hatten dann gleich drei Gemeinden das Ziel erreicht: Röttenbach mit einem Zubau von 129 Prozent, Buckenhof mit 118 Prozent und Uttenreuth mit 116 Prozent. Insgesamt lag die durchschnittliche Zubau-Rate der teilnehmenden Kommunen bei 84 Prozent, während der Durchschnitt des Landkreises nur bei 56 Prozent lag.
„Bei uns in der Gemeinde hat Klimaschutz eine zentrale Rolle“, sagt Ludwig Wahl. „Und zum Klimaschutz gehört nun mal auch die Energiewende.“ Überzeugungsarbeit habe er bei den Bürgern in der Kommune kaum leisten müssen. „Wir haben ein Förderprogramm auf die Beine gestellt. Bei Photovoltaikanlagen gab es 50 Euro pro Kilowatt-Peak und bei Stromspeichern 50 Euro pro Kilowattstunde Stromspeicher.“
Da aufgrund des Ukrainekrieges der Strompreis in die Höhe geschnellt ist, hätten viele Bürger dieses Angebot genutzt, um Photovoltaikanlagen zu bauen. 100.000 Euro hat die Gemeinde Röttenbach bisher an Fördergeldern ausgezahlt - allein für die Photovoltaikanlagen. „Wir haben dann unabhängig vom Wettbewerb noch ein Förderprogramm für den Heizungsaustausch aufgesetzt“, erklärt der Bürgermeister.
Gute Aktion brachte Aufmerksamkeit für das Thema
Auch Frederic Ruth, Bürgermeister von Uttenreuth, zeigt sich begeistert von dem Wettbewerb. „Wenn ich aus dem Fenster schaue, sehe ich in Uttenreuth noch unendliche viele Dächer, wo eine Anlage super drauf passen würde“, sagt er. Viele Leute seien zwar generell daran interessiert, oft sei man aber eben mit dem Leben beschäftigt. „Wenn man es dann schafft, Leute mit einer guten Aktion dazu zu bringen, darüber nachzudenken, ist das super.“
Mit so einer Resonanz habe Ruth aber nicht gerechnet. Auch hier habe ein Förderprogramm der Gemeinde manchen Bürgern bei der Entscheidung geholfen. 130 Photovoltaikanlagen hatte die Gemeinde vor dem Wettbewerb. Zum Stichtag waren es nun 299.
„Es ist eine ganz einfache Entscheidung gewesen, an dem Wettbewerb teilzunehmen“, sagt die Buckenhofer Bürgermeisterin Astrid Kaiser. Die Liegenschaften der Gemeinde seien zwar schon lange gut mit Photovoltaikanlagen ausgestattet gewesen – bei den Einfamilienhäusern habe es aber noch an Bewegung gefehlt. „Der Wattbewerb hatte da eine gewisse Außenwirkung und hat einen ersten Anschub gegeben. Er kam 2021 als die neue Regierung gerade im Amt war und noch keiner so genau wusste, wo die Reise hingehen würde, auch genau zum richtigen Zeitpunkt“, ist Kaiser sich sicher. Vor allem die Unterstützung und Beratung des Energiewendevereins für Bürger und Bürgermeister sei wichtig gewesen, um das Projekt umzusetzen.
Anmeldung für zweite Runde läuft
Mit der Siegerehrung am vergangenen Dienstag startete auch die Anmeldephase für die zweite Runde. Die Einladung an die Kommunen soll zeitnah erfolgen. Jessenberger zeigt sich zuversichtlich, dass es dieses Mal mehr Resonanz geben wird. „Die erste Runde haben wir 2021 gestartet, das war vor der Energiekrise und dem Ukrainekrieg unter einer alten Regierung. Vielleicht sieht die Welt jetzt ganz anders aus", sagt er.
Zumindest die Siegergemeinde Röttenbach will auch dieses Mal wieder am Start sein. „Wir glauben, dass es nach wie vor Potenzial gibt“, sagt Bürgermeister Wahl. Schon jetzt hätten weitere Bürger Interesse bekundet - und man könne stark davon ausgehen, dass es erneut eine Förderung geben wird.
Und auch Uttenreuth und Buckenhof werden wieder ins Rennen gehen. „Das Projekt wurde bei uns so gut angenommen, dass wir die Flut an Förderanträgen zeitweise nicht mehr bearbeiten konnten, wir hatten dann einen Rückstau von mehreren Wochen“, berichtet Kaiser. Auch ausgelastete Firmen und Lieferengpässe hätten den ein oder anderen Interessenten vielleicht abgeschreckt, gibt Frederic Ruth zu bedenken. „Das alles hat sich jetzt einigermaßen beruhigt“, sagt Kaiser. „Man kann also erwarten, dass da nochmal ein ordentlicher Schwung kommt."












