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Zankapfel in Herzogenaurach
Kritik an StUB: Adidas will gegen Großprojekt kämpfen
Björn Guldens Kritik am Streckenverlauf der StUB durch den Adidas Campus ist bekannt. Statt Lösungen zu finden, berichtete die Süddeutsche Zeitung jüngst über einen fehlgeschlagenen Schlichtungsversuch mit den StUB-Beteilitgen und Adidas bei Markus Söder.
Mit dem geplanten Verlauf der StUB will er sich nicht zufriedengeben: Bjørn Gulden will „mit allen Mitteln“ dagegen kämpfen. // Foto: dpa/ Daniel Löb
Herzogenaurach – Bei der Hauptversammlung im Mai schießt Adidas-CEO gegen die Stadt-Umland-Bahn. Nun erklärt das Unternehmen, welche Probleme es mit dem Großprojekt gibt.

26 Kilometer, 31 Haltestellen und 635 Millionen Euro Investitionskosten: Die Stadt-Umland-Bahn, kurz StUB, ist ein Projekt, das seinesgleichen sucht. Nach Jahrzehnten der Planung soll die Straßenbahn, die Nürnberg, Erlangen und Herzogenaurach verbinden, und zahlreiche Arbeitgeber anbinden soll, ab 2031 sukzessive in Betrieb genommen werden. 

Doch während die Vorbereitungen für das Bauprojekt laufen, meldet sich einer ebendieser Arbeitgeber zu Wort. Schon im vergangenen Jahr war über eine mögliche negative Haltung von Adidas zum Verkehrsprojekt spekuliert worden, denn anders als der direkte Konkurrent Puma oder auch Weltkonzerne wie Schaeffler und Siemens hatte der Sportartikelriese vor dem Erlanger Bürgerentscheid im Juni 2024 weder für die StUB geworben, noch im Nachgang positiv auf das Ergebnis reagiert.

Stadt-Umland-Bahn: Adidas gegen Strecke in Herzogenaurach

Spätestens seit der Hauptversammlung von Adidas im Mai dürfte die Haltung des Unternehmens nun klar sein. Man werde sich „mit allen Mitteln“ gegen den geplanten Verlauf der StUB wehren, ließ CEO Bjørn Gulden die Aktionäre bei dieser Gelegenheit wissen. „Wenn sie unseren Campus zerstören, nur um eine Minute zu sparen, dann weiß ich nicht, was los ist“, so Gulden.

Adidas
Das Unternehmen sei nicht gegen die StUB, betont Adidas. Doch die Trasse quer durch den Campus in Herzogenaurach will der Sportartikelhersteller nicht dulden. // Anna-Lena Reif

„Wir sind nicht gegen die StUB“, stellt Christian Dzieia, Projektverantwortlicher bei Adidas, bei einem Gespräch mit fraenkischertag.de klar. „Für uns ist es entscheidend, dass es eine nachhaltige und zuverlässige Anbindung an den ÖPNV gibt. Daran haben wir ein ureigenes Interesse. Denn fast die Hälfte unserer Mitarbeiter kommt aus Nürnberg.“ Deswegen betreibe das Unternehmen seit 2015 eigene Busse, die pro Jahr rund 80.000 Mitarbeiter befördern. 

StUB soll Adidas-Campus queren

Das Problem sei allein die Streckenführung, die auf rund 300 Metern einmal quer durch den Adidas-Campus verlaufen soll. „Für uns ist der Campus eine innerstädtische Situation, er ist wie eine Fußgängerzone. Da kann man nicht mit 70 km/h durchfahren – da kann man überhaupt nicht durchfahren. Das hat auch was damit zu tun, wie wir unsere Mitarbeiter schützen können“, führt Dzieia aus. Und tatsächlich: Ein Blick aus dem Fenster zeigt Fußgänger und Radfahrer, Mitarbeiter auf Padelplätzen – aber keine Autos. 

Eine Straßenbahn, die den Campus teile, sei für das Unternehmen nicht tragbar. Dabei gehe es neben den Mitarbeitern auch um die Privatsphäre der prominenten Gäste, die den Campus oft und gerne besuchen. „Wir durften hier in den letzten Jahren viele Partner aus aller Welt begrüßen, die natürlich zu schätzen wissen, was wir hier mit diesem Campus bieten können. Es ist etwas Besonderes, so einen Ort gibt es auf der Welt nicht nochmal. Davon profitiert nicht nur Adidas, sondern auch die Stadt Herzogenaurach“, so Dzieia.

Adidas: Gäste wie DFB-Elf schätzen Privatsphäre

Dass genau in diesem Moment einmal mehr ein öffentliches Training der DFB-Elf auf dem Gelände stattfinde, liege auch daran, dass diese dank des geschlossenen Areals so leicht umsetzbar seien. Müssten Gäste befürchten, aus einem fahrenden Zug heraus fotografiert zu werden, würde die Attraktivität des Campus ein Stück weit verloren gehen, fürchtet das Unternehmen. „Bei den Gästen, die unseren einzigartigen Campus schätzen, geht es bei weitem auch nicht nur um die plakative Prominenz. Wir haben hier beispielsweise auch die deutsche Mannschaft der Special Olympics oder immer wieder unseren lokalen Partner Lebenshilfe zu Gast sowie die Schiedsrichterinnen, die sich für die Europameisterschaft vorbereiten“, betont Dzieia.

Adidas StUB-Trasse
Ungefähr entlang der Straße zwischen dem Fußball- und dem Padelplatz soll die StUB-Trasse zwischen dem Nord- und dem Süd-Campus von Adidas verlaufen. // Anna-Lena Reif

Dass die Pläne für die StUB und deren Verlauf mehrere Jahre alt sind, ist für Adidas kein Argument, sondern das Problem. Denn die neuen Gebäude im Süden des Adidas-Areals seien eine Notwendigkeit gewesen, um das Unternehmen für die kommenden Jahrzehnte aufzustellen. „Wir haben uns damals in diesem Bereich entwickelt in der Erwartung und der Hoffnung, dass man eine Lösung finden kann, die auch für uns verträglich ist, wenn diese Bahn kommt. Denn die Planung der damaligen Trasse basiert auf einer komplett anderen Nutzungsplanung“, so Dzieia. 

Alternativ-Strecke soll Adidas südlich umfahren

Weil das Unternehmen sich mit den Plänen nicht zufriedengeben will, wurde sogar ein externer Verkehrsexperte mit der Berechnung einer Alternativ-Strecke beauftragt. Diese würde nicht durch den Campus, sondern ein Stück weiter südlich um die beiden Gebäude Arena und Halftime herum verlaufen. „Wir glauben, diese Umfahrung ist nicht nur eine Alternative, sondern eine wirkliche Verbesserung der Streckenführung“, betont Dzieia. Immerhin wäre das Problem auf dem Campus gelöst, aber auch das Wohngebiet wäre besser angebunden, genau wie das eigene Outlet. 

Dagegen spricht laut dem Zweckverband vor allem die zusätzliche Fahrtzeit, die die längere Strecke mit sich bringen würde. Hin und zurück würde es sich hierbei um rund 2,5 Minuten handeln, was entweder den geplanten Takt von zehn Minuten verhindern oder aber den Einsatz weiterer Züge nötig machen würde. Doch diese Planung können die Adidas-Vertreter ohnehin nicht nachvollziehen. „Wir wissen heute noch nicht genau, was die StUB kosten wird, wir wissen nicht genau, wie lang die Fahrtzeiten sind, aber man rechnet auf die Nachkommastelle die Fahrgastzahlen aus, die entfallen, wenn sie nicht alle zehn Minuten fährt. Da würden wir uns wünschen, dass man pragmatischer an die Sache rangeht und überlegt, wie man eine Lösung findet, die für alle verträglich ist und die alle gemeinsam unterstützen“, so Dzieia. 

So könnte die Südroute bei Adidas aussehen: Die gelbe Linie zeigt die geplante StUB-Trasse, die Grüne Linie den von Adidas bevorzugten Alternativ-Verlauf. Südlich der gelben Linie befinden sich die beiden Gebäude Arena (Headquarter) und Halftime.
Die gelbe Linie zeigt die geplante StUB-Trasse, die grüne Linie den von Adidas bevorzugten Alternativ-Verlauf. Südlich der gelben Linie befinden sich die beiden Gebäude Arena (Headquarter) und Halftime. // Foto: FT-Archiv/ Adidas

Bürgermeister Hacker: Trasse durch Adidas beste Option

German Hacker, Bürgermeister von Herzogenaurach und Vorsitzender des Zweckverbandes StUB, findet die Situation „bedauerlich“. Ändern werde sich an der geplanten Streckenführung aber wohl nichts mehr, betont er. Er wolle „kein Öl ins Feuer gießen“ und habe Verständnis für manche Punkte. „Aber die Situation ist fachlich ganz klar“, erklärt er. Auch im Bereich von Adidas handle es sich um einen „idealen Ost-West-Verlauf“. Und immerhin hätte das Unternehmen die beiden südlichen Gebäude dort gebaut, wo sie heute stehen, weil immer klar gewesen sei, wo die StUB entstehen würde. 

Die Trasse verlaufe außerdem auf rein städtischem Grund, der in Form eines rund 70 Meter breiten Streifens zwischen dem Nord- und dem Süd-Campus von Adidas liege. Vor über zehn Jahren habe die Stadt Adidas eine Nutzung der Fläche vertraglich zugesichert, solange die StUB noch nicht gebaut werde. Und auch wenn die StUB einmal fährt, könne Adidas rechts und links der Trasse das Gelände nach eigenen Vorstellungen gestalten.

Insgesamt habe es seit Beginn der Planungen für die StUB über 1000 Streckenvorschläge gegeben und auch der Vorschlag von Adidas sei genau geprüft worden, betont Hacker. Doch 2,5 Minuten mehr Fahrtzeit seien für solch ein Schienenverkehrsmittel enorm viel. Immerhin seien rund 25.000 Bürgerinnen und Bürger sowie weitere 18.000 Arbeitsplätze bei anderen Firmen von einer längeren Fahrtzeit betroffen. Die zusätzlichen Kosten für den Bau und den Betrieb des sogenannten „Südbogens“ verortet Hacker im höheren sechsstelligen Bereich – jährlich. 

Appell an Adidas: Strecke mitgestalten

Zwar könne Hacker verstehen, dass die Privatsphäre der Gäste gewahrt werden soll und dass auch die Mitarbeiter zwischen den beiden Campus-Hälften wechseln müssten. „Aber das Problem mit den Fußgängern und Fahrradfahrern lässt sich lösen, zum Beispiel mit Brücken“, sagt er. Dem Sichtproblem könne man mit Bäumen und Büschen entgegenwirken, wie beispielsweise auf dem Homeground. 

Von Adidas wünscht Hacker sich nun vor allem Zusammenarbeit. Er appelliert an das Unternehmen, die „weiteren Planungen positiv zu begleiten“ und sich in die Gestaltung der Wegesysteme zwischen Nord- und Süd-Campus sowie der Haltestelle einzubringen, damit „sich Adidas mit seinen völlig berechtigten Interessen in einer entsprechend schön gestalteten Form auch wiederfindet“. 

 

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