Die Stadt-Umland-Bahn (Stub) soll den Weg von Erlangen nach Herzogenaurach durchs Regnitztal über die Wohrmühlbrücke nehmen. Das ist Ergebnis einer detaillierten Untersuchung, die der Zweckverband Stadt-Umland-Bahn in Auftrag gegeben hat. Diese Trasse habe weitaus mehr Vorteile als die Strecke über den Büchenbacher Damm, die in einer technischen Machbarkeitsstudie als Alternative betrachtet worden ist, heißt es.
Eigenanteil Herzogenaurach: 22 statt 16 Millionen Euro
Gleichzeitig berichtet der Stub-Zweckverband von deutlich gestiegenen Kosten. Der Eigenanteil der Stadt Herzogenaurach beispielsweise erhöht sich damit von 16 auf 22 Millionen Euro. Was für Herzogenaurachs Bürgermeister German Hacker „in einem überschaubaren Bereich“ liegt. Die Summe müsse in einem Zeitraum von elf Jahren erbracht werden, sagt er im Gespräch mit dem FT.
Die Mehrkosten seien, so Hacker, zu einem großen Teil reine Inflationssteigerung. Das betreffe jede Maßnahme im Moment. Man dürfe dabei nicht vergessen, dass neben den Kosten ja auch die 90-prozentige Förderung steigt. Über 500 Millionen Euro an Fördermitteln fließen laut Hacker somit in die Region.
Reaktionen aus Herzogenaurach
In der Aurachstadt wird die Trassenführung über die Wöhrmühlbrücke begrüßt. Bürgermeister Hacker verweist darauf, dass die Stub mit dieser Variante auf direktem Weg durch Büchenbach rollt, wo auch Herzogenauracher Firmen einen Standort haben. Er macht keinen Hehl daraus, dass er es begrüße, dass diese Variante vom Zweckverband mit deutlicher Klarheit favorisiert werde. Über die Brücke könnten überdies auch Busse fahren. Bei der Damm-Lösung würde nur jede zweite Fahrt auf schnellstem Weg direkt nach Herzogenaurach fahren, weil die andere Fahrt eine Schleife einlegen würde.
Drei Varianten untersucht
Bei der technischen Machbarkeitsprüfung wurden drei Varianten zur Führung der Stub auf dem Büchenbacher Damm geprüft, heißt es in einer Pressemitteilung. Zunächst eine Führung neben der Straße in Form einer Dammverbreiterung, weiterhin über ein separates Bauwerk unmittelbar neben dem Damm und schließlich eine Führung auf der Straße. Hier flösse die Bahn teilweise im Verkehr mit. Grundsätzlich, so berichtet die Geschäftsleiterin des Zweckverbandes, Mandy Guttzeit, konnten für viele Herausforderungen technische Lösungen erarbeitet werden. Diese wären jedoch teilweise mit enormen Risiken behaftet, welche die Planungs- und Bauzeit sowie die Kosten betreffen.
Autobahnabsenkung käme teuer
Ein Beispiel: Für die Unterquerung der Autobahn müsste die Fahrbahn um rund 40 Zentimeter abgesenkt werden – sehr teuer. Außerdem müssten die vier Verkehrsknotenpunkte vor dem Büchenbacher Damm umgebaut werden, um lange Staus zu verhindern.
Auch ein direkter Vergleich der beiden Alternativen, der die Parameter Umwelt, Verkehr, Wirtschaftlichkeit, Zeit und Sonstige Belange berücksichtigt, habe gezeigt, dass kaum Argumente für den Büchenbacher Damm sprechen. Aufgrund der massiven verkehrlichen Vorteile der Wöhrmühlquerung, der technischen Risiken des Büchenbacher Damms und der massiven Kosten-Unsicherheiten empfiehlt der Zweckverband, die Führung über die Wöhrmühlquerung beizubehalten. „Wir können nicht guten Gewissens empfehlen, die Variante Büchenbacher Damm weiter zu verfolgen. Im schlechtesten Fall würde dies das Gesamtprojekt um viele Jahre verzögern und gleichzeitig deutlich weniger Nutzen mit sich bringen“, resümiert Mandy Guttzeit.
Nutzen-Kosten-Indikator liegt bei 2,0
Dass die Stadt-Umland-Bahn über die Wöhrmühlbrücke auch weiterhin eine lohnende Investition sei, zeigen laut Pressemitteilung die neuen Berechnungen im Rahmen der Standardisierten Bewertung. Demnach liege der Nutzen-Kosten-Indikator nun bei 2,0, womit das vorläufige Ergebnis der im Frühjahr vorgestellten Testrechnungen bestätigt worden sei. Das bedeute: Der Nutzen der Stub übersteigt die Kosten bei Weitem – trotz Preissteigerungen. Kommentar German Hacker: Brilliant.
Kostensteigerungen
Die Kosten für das Gesamtprojekt wurden auf Basis des aktuellen Planungsstandes zum Preisstand 2022 neu geschätzt. Ergebnis: Die Bahn wird deutlich teurer. Demnach belaufen sich die Investitionskosten auf rund 635 Millionen Euro (ehemals 372 Millionen Euro), die Planungskosten liegen bei 95 Millionen Euro (ehemals 56 Millionen Euro). Hier sei zu berücksichtigen, dass ein Großteil der Kostensteigerung auf Inflationseffekte zurückzuführen ist.
Mit den gestiegenen Kosten erhöhen sich auch die Eigenanteile der beteiligten Städte. Im Fall der Stadt Erlangen auf 82 Millionen Euro (ehemals 61 Millionen Euro) bei der Stadt Nürnberg auf 27 Millionen Euro (ehemals 21 Millionen Euro) und bei der Stadt Herzogenaurach auf 22 Millionen Euro (ehemals 16 Millionen Euro). Trotz der Kostensteigerungen liegen die Eigenanteile, wie weiterhin mitgeteilt wird, dank der zwischenzeitlich verbesserten Förderbedingungen unter den bei Projektbeginn veranschlagten Eigenanteilen.
Die Münchener S-Bahn ist noch viel teurer
Herzogenaurachs Bürgermeister Hacker wollte sich im FT-Gespräch angesichts der gestiegenen Kosten eine Nebenbemerkung nicht verkneifen. Und blickte auf die Kosten der zweiten S-Bahn-Stammstrecke bei München. Die liegen bei 7500 Millionen Euro, sagt Hacker. Und sie werde mit Sicherheit trotzdem gebaut.
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