Es ist der 2. Januar. Ein 18-jähriger Fahranfänger ist auf winterlichen Straßen unterwegs. Zwischen Pommersfelden und Etzelskirchen verliert er die Kontrolle über sein Fahrzeug und kracht in einen entgegenkommenden Wagen – vermutlich wegen überhöhter Geschwindigkeit, wie die Polizei später mitteilt. Der Unfallfahrer und auch die Fahrerin des anderen Autos müssen schwer verletzt ins Krankenhaus gebracht werden.
In den sozialen Medien sorgt die Meldung für viel Aufruhr. „Null Mitleid....selbst schuld wenn man unerfahren meint man könne fahren wie wenn man 30 Jahre Erfahrung hat“, schreibt ein Nutzer. „Leider leiden einige an Selbstüberschätzung“ kommentiert eine andere Nutzerin. Schnell geht die Debatte über den eigentlichen Unfall hinaus: Sind junge Fahrer zu risikofreudig und zu schnell unterwegs?
Unfallgefahr bei Senioren und jungen Erwachsenen
Viele Kommentatoren sind sich einig: Man sollte lieber hier ansetzen, als beispielsweise über Fahrtauglichkeitstests für Senioren zu diskutieren. „Aber die Ü-60 zum Fahrtest schicken....“, „ich bin 74 und fahre seit über 40 Jahren unfallfrei“ heißt es unter anderem in den Kommentaren. Welche von beiden Gruppen jetzt mehr Risiken für den Straßenverkehr darstellt – junge Fahranfänger oder Senioren – darüber herrscht in der Diskussion Uneinigkeit.
Die Daten des Statistischen Bundesamtes können bei dieser Frage Licht ins Dunkel bringen. „Sind ältere Autofahrerinnen oder -fahrer in einen Unfall mit Personenschaden verwickelt, so tragen sie häufiger die Hauptschuld daran als jüngere“, heißt es dort in einer Pressemitteilung. Im Jahr 2023 waren Fahrer, die 65 Jahre oder älter waren, in mehr als zwei Dritteln der Fälle (68,1 Prozent) die Hauptunfallverursacher.
Senioren häufiger Hauptunfallverursacher
Bei der Altersgruppe 75+ waren es sogar noch mehr: In knapp 77 Prozent der Fälle wurde ihnen die Hauptschuld an einem Unfall zugewiesen. „Das ist mit Abstand der höchste Wert aller Altersgruppen“, heißt es seitens des Statistischen Bundesamtes. Neben den älteren Fahrern würden aber auch die jungen überproportional viele Unfälle verursachen. Autofahrer zwischen 18 und 25 Jahren waren laut Statistik in 66,1 Prozent der Fälle hauptverantwortlich für einen Unfall.
Auch beim Blick auf die Zahlen für Mittelfranken schneidet die Altersgruppe der Senioren etwas schlechter ab. In knapp 65 Prozent aller Unfälle, an denen Senioren ab 65 Jahren beteiligt waren, waren diese auch die Hauptunfallverursacher. Das geht aus der Straßenverkehrs- und Unfallstatistik Mittelfranken 2023 hervor.
Bei den jungen Erwachsenen waren es nur rund 54 Prozent. Auch der Anteil am Gesamtunfallgeschehen ist bei den Senioren etwas größer als bei den jungen Erwachsenen.
Junge Fahrer häufiger zu schnell unterwegs
Warum Senioren häufiger die Hauptunfallverursacher sind, dazu liegen laut Polizei keine empirischen Studien vor. Aspekte wie die körperliche Verfassung, beispielsweise nachlassendes Seh- und Hörvermögen und schlechtere Reaktionsfähigkeit könnten bei Senioren eine Rolle spielen. Jungen Fahrern werde hingegen eher Selbstüberschätzung, erhöhte Geschwindigkeit oder fehlende Erfahrung zum Verhängnis. Das spiegelt sich auch in der Statistik zu den Unfallursachen wider:
Die häufigsten Unfallursachen bei jungen Erwachsenen waren 2023 laut dem Polizeipräsidium Mittelfranken:
- Ungenügender Sicherheitsabstand
- Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren
- Nicht angepasste Geschwindigkeit
Bei den Senioren sieht es ähnlich aus. Hier ist zu schnelles Fahren allerdings nicht unter den häufigsten Unfallursachen:
- Ungenügender Sicherheitsabstand
- Fehler beim Abbiegen, Wenden, Rückwärtsfahren, Ein- und Anfahren
- Nichtbeachtung der Vorfahrt/Vorrang
Fahrschule kann für Risiken sensibilisieren
Auch Fahrlehrerin Heike Striegel von der gleichnamigen Fahrschule in Höchstadt macht immer mal wieder Erfahrungen mit Anfängern, die gerne flotter unterwegs sind. „Es gibt schon welche, wo man schon weiß, die stellen sich nur für die Fahrstunden um und dann sind die sie eher die schnelleren“, erzählt Striegel. Die meisten könne man aber in die richtige Richtung bewegen, indem man unter anderem über Risiken aufkläre. Aus ihrer Sicht ist hier die Art der Ausbildung entscheidend. Wenn man Fahrschüler schon bei den Übungsstunden dazu animiere, schneller zu fahren, sei das eher kontraproduktiv. „Schneller werden die von ganz allein“, erklärt die Fahrlehrerin.
Auch Fahrer, die ihren Führerschein schon viele Jahrzehnte in der Tasche haben, finden hin und wieder den Weg zu Heike Striegel. Die Fahrschule bietet Auffrischungsfahrstunden und auch Fahrsicherheitsseminare für Senioren an. Dort könne jeder seine Kenntnisse in Theorie und Praxis auf die Probe stellen und sich gegebenenfalls eine Einschätzung zur eigenen Fahrtauglichkeit holen. Ein Angebot, das laut Striegel gut angenommen wird.
Abschließend lässt sich sagen, dass sowohl Senioren als auch junge Fahrer nicht ohne Grund beide in der polizeilichen Statistik als Risikogruppen gelistet werden. Beide Gruppen spielen im Unfallgeschehen – wenn auch zum Teil aus unterschiedlichen Gründen und mit leicht unterschiedlichen Prozentsätzen – eine hervorgehobene Rolle.













