Wenn es brennt, ist jeder froh, wenn die Feuerwehr schnell kommt. Doch auf dem Weg vom Herzogenauracher Feuerwehrhaus in der Industriestraße zum Einsatzort lauern oft ungeahnte Hindernisse, die die Anfahrt der Retter in der Not deutlich verzögern können. So wie etwa bei einem Einsatz vor rund drei Wochen, als am westlichen Stadtrand ein Haus brannte: Weil in einer Wohnstraße ein geparktes Auto im Weg stand, kam die Drehleiter der Herzogenauracher Feuerwehr nicht mehr durch.
Feuerwehrkommandant Rainer Weber erinnert sich an diesen Einsatz noch gut: Um das brennende Haus zu erreichen, hätte die Drehleiter damals in die Dohnwaldstraße einbiegen müssen. Die ist ohnehin schon schmal, aber ein geparktes Auto im inneren Eck der Kurve nahm zusätzlich Platz weg und verhinderte so die Weiterfahrt der Drehleiter. Schließlich ist so ein Leiterfahrzeug rund 10 Meter lang und 2,5 Meter breit. Vorne über dem Fahrerhaus stehen noch einmal rund 1,5 Meter Leiterspitze und Rettungskorb über.
„Der Korb, der vorne über das Fahrzeug hinaus ragt, macht das Rangieren mit der Drehleiter schwierig. Zum Beispiel, wenn Laternen oder Verkehrsschilder am Straßenrand stehen oder Äste von Bäumen in den Straßenraum ragen“, erklärt Kommandant Weber. Besonders bei Kurvenfahrten besteht dann das Risiko, dass der Korb an so einem Hindernis hängen bleibt. Deswegen muss der Fahrer einer Drehleiter immer mehr Rangierraum einplanen.
Jede Sekunde der Verzögerung vergrößert das Leid
Grund genug für eine kleine Testfahrt im Stadtgebiet zusammen mit dem Fränkischen Tag: Wo wird es eng für das große Einsatzfahrzeug der Feuerwehr? Und was bedeutet es, wenn die Retter auf ihrem Weg erst hin und her rangieren oder gar zurücksetzen und einen Umweg nehmen müssen, für diejenigen, die in Not geraten sind und sehnlichst auf Hilfe warten?
Für Menschen, die ein brennendes Haus nicht mehr verlassen können, zum Beispiel weil das Treppenhaus schon verqualmt ist, „fühlt sich eine Minute an wie Stunden“, sagt Rainer Weber. Jede Sekunde, die der Feuerwehr auf ihrer Anfahrt verloren geht, vergrößert also das Leid der Betroffenen und die Gefahr, in der sie sich befinden. Schließlich kann sich auch das Feuer weiter ausbreiten, solange die Feuerwehr noch nicht vor Ort ist und mit dem Löschen begonnen hat.
Falls die Feuerwehrfahrzeuge an einem Hindernis gar nicht mehr vorbeikommen, müssen die mit ihrer Schutzkleidung und ihrem Atemschutzgerät ohnehin schon kiloschwer beladenen Feuerwehrleute dann auch noch ihre weitere Ausrüstung wie etwa Steckleitern oder Schlauchkörbe zu Fuß an die Einsatzstelle tragen, wie Weber erklärt. Das gelte auch dann, falls die Geräteräume der Feuerwehrfahrzeuge in engen Situationen zwischen geparkten Autos, Hecken oder Gartenmauern nicht mehr zugänglich wären und deswegen die Einsatzfahrzeuge weiter entfernt vom Brandort abgestellt werden müssten, als eigentlich notwendig.
Die Drehleiter benötigt im Vergleich zu einem Tanklösch- oder Löschgruppenfahrzeug nicht nur bei der Anfahrt, sondern auch beim Abstellen an der Einsatzstelle mehr Fläche. Denn sie muss seitlich abgestützt werden, damit sie nicht umkippt, wenn die Leiter ausgefahren wird. Die hydraulischen Stützen brauchen pro Fahrzeugseite rund 1,75 Meter zusätzlichen Platz. Falls dieser fehlt, kann die Drehleiter nicht eingesetzt werden.
Im Slalom durch geparkte Autos auf beiden Straßenseiten
Bei der Testfahrt mit dem Drehleiterfahrzeug durch Herzogenaurach an einem sonnigen Samstagvormittag im Dezember ist die besagte Kurve in der Dohnwaldstraße zum Glück nicht zugeparkt. Für das Titelfoto dieses Artikels haben wir die Situation mit dem Hindernis in der Kurve zur Veranschaulichung nachgestellt. Doch schon wenig später zeigt sich die erste echte Problemlage: In der Adalbert-Stifter-Straße standen geparkte Autos nicht in einer Reihe auf einer Straßenseite, sondern abwechselnd auf beiden Seiten.
Deswegen konnte der Kommandant am Steuer des Leiterfahrzeugs nicht einfach zügig durchfahren, sondern musste auf Schritttempo abbremsen und die Strecke quasi im Slalom absolvieren. „Jetzt am hellen Tag geht das ja noch“, meint Rainer Weber. Aber nachts und bei Dunkelheit werde auch das Abschätzen der Abstände und Durchfahrtsbreiten zwischen den geparkten Autos schwieriger. Deswegen hat der Kommandant einen Appell an die Autofahrer: Auch in breiten Wohnstraßen nur entlang einer Straßenseite parken – und die andere Seite frei lassen.
Zwischen einem Kleintransporter und einer Hecke wurde es eng
Szenenwechsel, die Testfahrt mit der Drehleiter ist inzwischen in der Goethestraße angelangt. Mittendrin stand plötzlich ein Kleintransporter auf einer geriffelten Sperrfläche. Der Platz reichte gerade eben so, damit die Drehleiter zwischen dem in die Straße ragenden Außenspiegel des Kleintransporters und der Gartenhecke auf der anderen Straßenseite durchkam. Falls in so einer Situation der Feuerwehrmann auf dem Beifahrersitz aussteigen muss, um den Fahrer beim Rangieren durch die Engstelle einzuweisen, „dann verlieren wir noch mehr kostbare Zeit“, erläutert der Kommandant.
Alles vorbei ist dann wenig später beim Versuch, von der Niederndorfer Schulstraße nach rechts in die Lohhofer Straße abzubiegen: Hier verhinderten zur Verkehrsberuhigung aufgestellte Pfosten in der Schulstraße ein weiteres Ausholen mit dem Drehleiterfahrzeug vor der Kurve. Der Platz, der dann noch zwischen einem in der Lohhofer Straße abgestellten Coupé und einem Verteilerkasten auf dem gegenüberliegenden Gehweg blieb, reichte nicht, um noch um die Kurve zu kommen. „Versenkt“, kommentiert Rainer Weber diese vertrackte Lage trocken.
Falls das im Einsatzfall passiert wäre, hätte er mit der Drehleiter erst in die Gegenrichtung der Lohhofer Straße abbiegen, auf der vielbefahrenen Niederndorfer Hauptstraße wenden und dann erneut in die Lohhofer Straße einfahren müssen. Falls so eine alternative Abbiegemöglichkeit nicht besteht, weil sich zum Beispiel erst mitten in einer schmalen Straße zeigt, dass es nicht mehr weiter geht, muss der Fahrer längere Strecken rückwärts rangieren, bis sich eine Möglichkeit ergibt, anders abzubiegen.
Im bisherigen Jahr 2024 rückte die Feuerwehr Herzogenaurach schon zu über 250 Einsätzen aus, wie ihr Kommandant resümiert. Und bei etwa einem Drittel aller Einsatzfahrten komme es zu solchen Verzögerungen aufgrund beengter Platzverhältnisse auf den Straßen. Besonders problematisch seien die Wochenenden und die Abend- und Nachtstunden, so Weber. Denn dann stünden mehr Autos in den Straßen, weil die Leute daheim seien.
Aus genau dem selben Grund ergebe sich oft auch noch ein weiteres Problem im Einsatzfall: Die Zugänglichkeit von Unterflurhydranten. Diese befinden sich unter einem ovalen Metalldeckel unter der Straße oder unter dem Gehweg. Und wenn darüber ein geparktes Auto steht, ist der Hydrant für die Feuerwehr nicht mehr benutzbar. „Dann muss ich den nächsten Hydranten nehmen, der 50 Meter weiter liegt, und hoffen, dass da dann kein Auto drauf steht“, so Weber. Was erhöhten Aufwand für die Einsatzkräfte mit sich bringe, etwa zum Verlegen längerer Schlauchleitungen.
Die Bitte von Rainer Weber lautet deswegen, bei der Wahl eines Parkplatzes die Hinweisschilder auf Unterflurhydranten am Straßenrand zu beachten. Diese sind annähernd quadratisch mit einer weißen Grundfläche und einem roten Rand. Darauf verzeichnet ist der Abstand des Hydranten vom Schild in Metern, so dass ein potenzieller Parkplatz am Straßenrand leicht darauf überprüft werden kann, ob sich darunter ein Hydrant im Boden befindet. Das Zuparken von Hydranten ist im Übrigen auch verboten.
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