Vor rund einem Monat am Dienstag, 10. September, erschütterte ein Großbrand die oberfränkische Stadt Wunsiedel und sorgte weit über Franken hinaus für Schlagzeilen: Mitten in der Nacht stand im Wunsiedler Ortsteil Holenbrunn eine Fabrik für elektrische Bauteile lichterloh in Flammen. Hunderte Einsatzkräfte kämpften viele Stunden gegen Rauch und Feuer, der Landkreis Wunsiedel rief den Katastrophenfall aus. Laut Medienberichten gerieten in der Fabrik mehrere Tonnen Kunstharz in Brand, weite Teile des Betriebs wurden völlig zerstört.
Die unweit des Brandorts vorbeiführende Bahnstrecke Marktredwitz-Hof wurde zeitweise gesperrt, ein Kindergarten in der Nähe musste vorübergehend schließen. Ein Großbrand mit verheerenden Folgen, der auch in der Region Forchheim-Erlangen-Höchstadt aufhorchen lässt. Denn auch hier gibt es große Industriebetriebe, die mitunter leicht brennbare Materialien verarbeiten.
Größere Mengen Papier, Kunststoffgranulat und getrocknete Kräuter
Das gilt zum Beispiel für die Firma Wellpappe Forchheim, deren Fabrik in Forchheim genau zwischen der Bundesstraße 470 und der Bahnstrecke Fürth-Bamberg liegt. Dort lagern größere Mengen Papier und Pappe, die naturgemäß leicht brennen. Oder für die Firma Martin Bauer in Vestenbergsgreuth, wo getrocknete Tees und Kräuter verarbeitet werden. In einem vergleichbaren Betrieb - der Firma KräuterMix in Abtswind im unterfränkischen Landkreis Kitzingen - hat es erst im Juli schlimm gebrannt. Bei der Forchheimer Folienfabrik Loparex wiederum sind tonnenweise Kunststoffgranulat und fertigproduzierte Kunststofffolien vorhanden.
Die Süßwarenfabrik Piasten liegt in Forchheim genau wie die Wellpappenwerke direkt an der Bahnstrecke Fürth-Bamberg, so dass ein größeres Feuer dort sicherlich auch Auswirkungen auf den Bahnverkehr haben dürfte. Allein durch die beträchtliche räumliche Ausdehnung ihrer Gebäude könnte ein Großbrand bei den Unternehmen Schaeffler, Puma oder Adidas in Herzogenaurach eine immense Herausforderung für die Feuerwehr darstellen.
Zwei Betriebe in Forchheim verfügen über eigene Feuerwehren
Ebenfalls zu den größeren Betrieben in der Region gehören der Schreibwarenhersteller Schwan-Stabilo in Heroldsberg, die Werkzeugfabrik Kennametal in Ebermannstadt sowie die medizintechnischen Werke von Siemens-Healthineers, die elektrotechnischen Fabriken der Firma Waasner sowie die ausgedehnten Logistikhallen von Simon Hegele in Forchheim. Die Simon-Hegele-Hallen liegen in direkter Nachbarschaft zur Autobahn 73, so dass bei einem Großfeuer dort eventuell aus Sicherheitsgründen die Autobahn gesperrt werden müsste.
Wir haben die erwähnten großen Unternehmen sowie die Katastrophenschutzbehörden in den Landkreisen Forchheim und Erlangen-Höchstadt deswegen gefragt: Wie gut ist man in der Region auf einen Großbrand wie in Wunsiedel vorbereitet?
Dazu äußerte sich für den Landkreis Forchheim Mario Saß vom Amt für Öffentliche Sicherheit und Ordnung in der Kreisverwaltung. Aus seiner Antwort geht hervor, dass in Forchheim die Firmen Loparex und Siemens-Healthineers den innerbetrieblichen Brandschutz durch die Vorhaltung einer Werk- beziehungsweise einer Betriebsfeuerwehr sicherstellen. So sind nicht nur Feuerwehrleute und Einsatzmittel im Notfall schnell direkt vor Ort: Da Werk- und Betriebsfeuerwehren in der Regel aus der Belegschaft rekrutiert werden, kennen sich die Einsatzkräfte auf ihrem jeweiligen Betriebsgelände außerdem gut aus.
Fall wie in Wunsiedel „in dieser Form nicht planbar“
„Die zuständigen Feuerwehren stehen im engen Austausch mit den Unternehmen und vertiefen ihre Ortskenntnis durch Begehungen und gemeinsame Absprachen“, so Saß weiter. Die besonderen Gefahrenschwerpunkte der jeweiligen Unternehmen seien identifiziert und durch Feuerwehrpläne und Feuerwehreinsatzpläne dokumentiert. Der vorbeugende Brandschutz innerhalb der Betriebe etwa durch entsprechende bauliche Maßnahmen oder automatische Brandmeldeanlagen solle die Brandentstehung und -ausbreitung verhindern.
Das klingt nach einer wohldurchdachten Vorsorge, dennoch schränkt Mario Saß selbst ein, dass ein derart großes Feuer wie in Wunsiedel „ein Ausnahmefall“ sei, „der sicherlich in dieser Form nicht planbar ist“. Sicherlich hätten "mehrere Faktoren dazu beigetragen, dass es zu einem derartigen Schadensausmaß gekommen ist. Eine derartige Ausbreitung ist nicht planbar und muss mit den Grundstrukuren der Gefahrenabwehr und der besonderen Katastrophenschutzplanung des Landkreises und der Hilfsorganisation abarbeitbar sein."
Enger Kontakt mit der Forchheimer Feuerwehr
„Siemens Healthineers legt höchsten Wert auf die Sicherheit seiner Mitarbeiter und den Schutz seiner Anlagen. Daher sind wir stolz darauf, über eine eigene Betriebsfeuerwehr am Standort Forchheim zu verfügen“, erklärt Heiko Jahr als Pressesprecher von Siemens Healthineers. Das Team der Betriebsfeuerwehr umfasse 32 Einsatzkräfte und gewährleiste nicht nur den Schutz des eigenen Betriebs, sondern trage auch zur Sicherheit der Umgebung bei.
Ausbildungs- und Übungsdienste finden laut Jahr alle zwei Wochen statt und man pflege einen engen Kontakt mit der Feuerwehr der Stadt Forchheim. Ausgestattet sei die Betriebsfeuerwehr von Siemens Healthineers mit einem Mannschaftstransportfahrzeug (MTF), einem Hilfeleistungs-Löschgruppenfahrzeug (HLF) und einem Gerätewagen Logistik (GW-L).
Auf die Frage, wie sich der Landkreis Erlangen-Höchstadt auf Großschadensereignisse in großen Betrieben vorbereitet hat, antwortet Stephanie Mack, Pressesprecherin des Landratsamts, folgendermaßen: „Zunächst ist festzuhalten, dass der vorbeugende Brandschutz in der Verantwortung des jeweiligen Eigentümers liegt“. Da sich die Anforderungen je nach Größe und Art des Betriebs unterscheiden würden, sei eine pauschale Aussage dazu nicht möglich.
Schaeffler und Martin Bauer halten eigene Feuerwehren vor
Laut Mack haben aber immerhin zwei Betriebe im Landkreis Erlangen-Höchstadt mit eigenen Feuerwehren vorgesorgt, nämlich Schaeffler am Standort Herzogenaurach mit einer Werkfeuerwehr und Martin Bauer in Vestenbergsgreuth mit einer Betriebsfeuerwehr. „Grundsätzlich arbeiten wir als untere Katastrophenschutzbehörde vertrauensvoll mit den örtlichen Gewerbebetrieben und den örtlichen Feuerwehren zusammen“, so Mack weiter.
Nähere Details zur Werkfeuerwehr von Schaeffler in Herzogenaurach verrät Unternehmens-Pressesprecher Christian Bald: „Schaeffler verfügt am Standort Herzogenaurach über eine eigene, staatlich anerkannte, Werkfeuerwehr. Die Wehr besteht aus insgesamt 60 Frauen und Männern, die alle regulär am Standort arbeiten und im Fall der Alarmierung vom Arbeitsplatz zur Feuerwache eilen, um dann auszurücken.“ Sechs dieser Einsatzkräfte seien außerdem ausgebildete Höhenretter.
Der Fuhrpark der Schaeffler-Werkfeuerwehr umfasse neun Fahrzeuge, erklärt Bald. An allen Schaeffler-Standorten gebe es darüber hinaus einen Gefahrenabwehr- und Notfallplan, der auf alle standortspezifischen Gegebenheiten und mögliche Szenarien eingehe. Die dazugehörigen Alarmpläne seien auch für externe Einsatzkräfte zugänglich und bei der Integrierten Leitstelle (ILS) Nürnberg hinterlegt.
Schon mehrmals Wasser-Entnahme aus der Aurach geübt
Außerdem gebe es am Standort Herzogenaurach ein Notfall- und Krisenmanagement, das regelmäßig in Übungen verschiedene Szenarien durchspiele, um koordiniert auf den Ernstfall vorbereitet zu sein. Und auch gemeinsame Übungen etwa zusammen mit der Feuerwehr Herzogenaurach fänden regelmäßig statt. So habe man „schon mehrmals die Wasser-Entnahme aus der Aurach geprobt, damit im Ernstfall ausreichend Löschwasser zur Verfügung steht“.
Wir haben auch die Firmen Puma und Adidas in Herzogenaurach; Martin Bauer in Vestenbergsgreuth; Schwan-Stabilo in Heroldsberg; Piasten, Loparex, Wellpappe Forchheim, Waasner und Simon Hegele in Forchheim sowie Kennametal in Ebermannstadt um eine Auskunft zu ihren Vorkehrungen gegen Großbrände gebeten, jedoch ohne Ergebnis.
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