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Höchstadt
Hoch hinaus: Die Feuerwehr-Drehleiter im Porträt
Der Leiterpark der Höchstadter Drehleiter kann auch nach unten abgeknickt werden. Das erhöht ihre Flexibilität im Einsatzfall.
Der Leiterpark der Drehleiter in Höchstadt kann auch nach unten abgeknickt werden. Das erhöht ihre Flexibilität im Einsatzfall. // Martin Regner
Höchstadt a. d. Aisch – Bei Weitem nicht jede Feuerwehr darf sich über eine Drehleiter im Fuhrpark freuen. Meist sind es nur die größeren Kommunen, die sich ein so teueres Fahrzeug leisten können.

Sie gehören zu den imposantesten und gleichzeitig teuersten Feuerwehrfahrzeugen, die es gibt: Drehleitern. Als ihr Erfinder gilt der Ulmer Unternehmer Conrad Dietrich Magirus, der 1866 eine bis heute nach ihm benannte Fabrik für Feuerwehrgeräte gründete.

Die Drehleiter der Feuerwehr in Höchstadt ist demgegenüber richtig jung: Sie ging 2021 in den Dienst und stellt einen Gesamtwert von 776.700 Euro dar. In Bayern gibt es nach Angaben des Bayerischen Innenministeriums rund 450 Drehleitern.

Die Basis des Höchstadter Exemplars bildet ein Fahrgestell der Marke Mercedes-Benz, auf dem der Hersteller Rosenbauer den Aufbau mit dem Leiterpark erstellte. Dieser ist voll ausgefahren rund 32 Meter lang.

Die Nennrettungshöhe bei einer Ausladung von 12 Metern beträgt 23 Meter. Daher kommt auch die Bezeichnung des Leitertyps: DL 23-12.

Platz für fünf Feuerwehrleute

Das obere Ende der Leiter ist nach unten abknickbar, etwa um die straßenabgewandte Seite eines Dachs erreichen zu können. Insgesamt ist auch die ganze Leiter bis zu sieben Meter nach unten ausfahrbar, um tiefliegende Bereiche zu erreichen.

An der Leiterspitze ist ein Rettungskorb angebracht. Darin finden bis zu fünf Feuerwehrleute Platz, wie Rudolf Löhnert von der Feuerwehr Höchstadt erklärt.

An den Korb kann ein fernbedienbarer Wasserwerfer angebaut werden, der von unten mit Wasser versorgt wird. Das ermöglicht, zielgerichtet Löschwasser zu verspritzen, ohne dass jemand oben im Korb steht.

Allerdings kann man mit der Drehleiter allein kein Feuer löschen: Es wird mindestens noch ein zweites Fahrzeug für die Wasserversorgung benötigt. Dabei greift man üblicherweise auf Löschgruppen- oder Tanklöschfahrzeuge zurück, die mit einer Wasserpumpe ausgestattet sind.

Suche nach Vermissten

In den Geräteräumen verladen sind außerdem zwei Atemschutzgeräte, mit denen es möglich ist, zum Löschen oder zur Suche nach vermissten Personen verrauchte Bereiche zu betreten. In einer grauen Kiste sind mehrere Flaschen Mineralwasser an Bord.

Denn die Atemschutzgeräteträger kommen unter ihrer dicken Schutzkleidung oft stark ins Schwitzen und brauchen nach dem Einsatz schnell Flüssigkeitsnachschub. Zur Sicherung der Standfestigkeit im Einsatz befinden sich vier hydraulische Stützen am Fahrgestell.

In den Gerätekästen liegen Holzbohlen, die etwa bei unebenem oder losem Untergrund zur Verteilung der Last unter die Stützen gelegt werden können. Die diversen Leiterbewegungen werden digital gesteuert, hierfür steht ein Bedienstand am unteren Ende der Leiter zur Verfügung.

Ein strombetriebener Lüfter gehört ebenfalls zur Beladung. Damit können verrauchte Räume durchgelüftet werden.

Teil der Sonderausstattung

Auch zwei Kettensägen sind an Bord samt der zu deren Betrieb nötigen Schutzkleidung, bestehend aus Helm, Visier und Schnittschutzhose, sowie Werkzeug, Ersatzketten, Kanister mit Kraftstoff und mit Sägekettenöl. Der Monitor gehört zur Sonderausstattung der Höchstadter Drehleiter.

Er wird am Leiterkorb montiert und kann vom Boden aus ferngesteuert werden. Sowohl seine Ausrichtung als auch der Wasserdruck an der Düse sind von unten aus einstellbar.

Der Monitor wird über eine am Leiterpark installierte Leitung mit Löschwasser versorgt. Eine Kamera zeigt dem Maschinisten am Boden, wo gerade hingespritzt wird.

Der Monitor
Der Monitor // Martin Regner

Bei Dunkelheit leuchtet eine Lampe die Einsatzstelle aus. „Das schaut ein bisschen aus wie bei Nr. 5 lebt“, scherzt Rudolf Löhnert.

Die Kosten für den Monitor belaufen sich auf rund 20.000 Euro. Ein Feuerwehrauto ohne Schläuche ist fast undenkbar.

Und so sind auch an Bord der Drehleiter solche verladen. Diese sind allerdings etwas länger als normal, nämlich 35 Meter, damit mit einem Schlauch die gesamte Leiterlänge von 32 Metern überwunden werden kann.

Der Feuerwehrschlauch
Der Feuerwehrschlauch // Martin Regner

Übliche 30-Meter-Schläuche würden dafür nicht ausreichen. Eine 35-Meter-Rolle kostet rund 230 Euro.

Der schwenkbare Rettungskorb befindet sich an der Leiterspitze. Mit ihm können Feuerwehrleute in bis zu 23 Metern Höhe Brände bekämpfen, herabhängende Äste von sturmbeschädigten Bäume abschneiden oder Menschen retten, die in oberen Etagen von brennenden Gebäuden an Fenstern oder auf Balkonen stehen.

Der Rettungskorb
Der Rettungskorb // Martin Regner

Installiert sind Wasserdüsen, mit denen der Korb vor Brandhitze geschützt werden kann, und Scheinwerfer zur Ausleuchtung von Einsatzstellen. Der Wert des Rettungskorbs: 12.470 Euro.

Die Schleifkorbtrage kostet rund 3140 Euro und dient zur Rettung verletzter Personen. Man kann die Trage über Seile an der Leiter anhängen, etwa um sie zu einem Verletzten in einem Schacht hinunterlassen und wieder herausziehen zu können.

Die Schleifkorbtrage
Die Schleifkorbtrage // Martin Regner

Verladen ist sie in den Geräteräumen hinter dem Fahrerhaus. Ebenfalls zur Ausstattung des Drehleiterfahrzeugs gehört ein Stromerzeuger mit einer Leistung von 14 Kilowatt.

Der Stromerzeuger
Der Stromerzeuger // Martin Regner

Dieser liefert wahlweise 400 oder 230 Volt und versorgt neben den Scheinwerfern am Korb auch dort installierte Steckdosen mit Strom. Damit lassen sich dann oben im Korb Geräte wie etwa eine elektrische Kettensäge betreiben. Das Aggregat kostet rund 7980 Euro.

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