Der alte grüne Deutz-Traktor tuckert über das Feld, dahinter sitzen zwei Helfer auf einer Planzmaschine und platzieren Selleriepflanzen in die Erde. Eigentlich ein ganz normales Bild. Doch diese Pflanzaktion ist anders. Denn die beiden Helfer auf der Maschine sind keine Bauern. Und auch keine Angestellten von Landwirt Daniel Nickel, dem der Acker und der Traktor gehören. Sie sind Ernteteiler im Verein „Solawi Füllhorn“, der sich gerade in Gründung befindet.
Die beiden Landwirte Gerhard Willner aus Dutendorf bei Vestenbergsgreuth und Daniel Nickel aus Schornweisach im Nachbarlandkreis NEA arbeiten mit der „Solawi Füllhorn“ zusammen. 13 Ernteteiler sind auch schon mit dabei und freuen sich auf die erste Solawi-Saison 2024. Im Mittelpunkt der gemeinschaftlichen Arbeit stehen Milchprodukte wie Jogurt, Käse und Frischmilch sowie Gemüse von Kartoffeln und Gelben Rüben über Zwiebeln, Lauch, Gurken und Kohl bis zu Brokkoli und Paprika. Aber auch Fleisch und Wurst, zum Beispiel Rindersalami mit und ohne Knoblauch.
Die Produkte werden über das Jahr hinweg verteilt
Die Idee hinter dem Projekt: Weg von der Kommerzialisierung in der Landwirtschaft und hin zu mehr Miteinander. Willner führt zusammen mit seiner Frau Anna Schurova einen Biohof mit 35 Milchkühen in Dutendorf. Die Milch der Kühe wird noch vor Ort zu Jogurt, Grillkäse und Frischkäse verarbeitet. Auch Rindersalami und andere Wurstsorten sind im Angebot. Nickel dagegen hat sich in Schornweisach auf Biogemüse spezialisiert, das er auf rund 35 Hektar anbaut. Daneben gehören 45 Schafe zum Nickel-Hof.
Der neue Verein „Solawi Füllhorn“ bringt beide Landwirte zusammen, deren Sortiment sich ergänzt. Und die im Verein organisierten Ernteteiler, im Moment 13 Personen. Die Ernteteiler verpflichten sich, über das Jahr hinweg die Produkte der Landwirte abzunehmen. Dafür werden verschiedene Pakete mit unterschiedlichem Inhalt gepackt, die von den Ernteteilern an den Höfen abgeholt werden können. Das Ergebnis: „Die Betriebe haben Planungssicherheit und wir verteilen über das Jahr hinweg, was die Höfe erwirtschaften“, erklärt Maoui Uhlmann vom Solawi-Verein.
Die Betriebe seien so unabhängiger vom Markt – insbesondere von der Lebensmittelindustrie und den Supermarktketten, so Uhlmann weiter. Auch das Risiko zum Beispiel für Ernteausfälle werde auf mehrere Schultern verteilt. So könne es passieren, dass bestimmte Produkte zum Beispiel wegen Frostschäden im Frühjahr oder Trockenheit im Sommer ausfallen. Umgekehrt „gibt es aber immer Phasen, da ist so viel da, dass man gar nicht mehr weiß, was man noch damit anfangen soll.“
Wer mitarbeiten will, kann das machen
Solche Überschüsse könnten dann beispielsweise eingekocht werden, um sie haltbar zu machen und im Winter zu verteilen, wenn wenig frisch geerntet werden kann. Hinter dem Projekt Solawi steckt laut Uhlmann eine Gesamtkalkulation: Die Höfe berechnen vorab, was die Produktion der geplanten Mengen über das kommende Jahr kosten wird. In einer Bieterrunde übernehmen die Ernteteiler diese Kosten. Je nach den eigenen Möglichkeiten könnten die Ernteteiler auch einen größeren Teil des Gesamtetats übernehmen, damit andere Menschen, die nicht so finanzstark sind, ebenfalls an dem Projekt teilnehmen können.
Es gibt noch eine Besonderheit des Solawi-Projekts: Wer auf den Höfen mitarbeiten will, kann das machen. Zum Beispiel zusammen mit den Landwirten säen, pflanzen, gießen, ernten oder beim Konserveneinkochen helfen. So wie jetzt auf einem Acker bei Schornweisach, wo die ersten Selleriepflanzen der Saison 2024 in die Erde gesetzt wurden. Für die erste Saison plant Uhlmann mit 30 Ernteteilern. Je nach Interesse könnten es im Laufe der Zeit aber auch noch mehr werden: „Es gibt Solawis mit 500 bis 600 Mitgliedern.“
Trennung zwischen Erzeugern und Verbrauchern fällt weg
Uhlmann spricht von einer „weltweit wachsenden Bewegung“, die jetzt auch in der Region Fuß gefasst hat. Vorteil für die Verbraucher, die sich in der Solawi zusammenfinden: Sie bekommen regelmäßig frische Lebensmittel aus der unmittelbaren Umgebung. Und jeder weiß, wo die Lebensmittel herkommen, wie sie hergestellt worden sind und was drin ist.
Wer mitgearbeitet hat, kann stolz auf das eigene Werk sein. Und streng genommen fällt in einer Solawi sogar die Trennung zwischen Erzeugern und Verbrauchern weg, weil die Ernteteiler ja in der Landwirtschaft mitwirken können. Wer mitmachen möchte, kann sich informieren unter www.solidarische-landwirtschaft.org/solawis-finden/karte/#/initiatives/271.
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