In entspannter Atmosphäre an einem Schreibtisch arbeiten, der weder der eigene noch der des Arbeitgebers ist, der aber rund um die Uhr zur Verfügung steht. Dabei Leute aus völlig anderen Branchen kennenlernen, Kontakte und Netzwerke knüpfen, Meetings in eigenen Versammlungsräumen halten. Das alles und noch viel mehr soll bald in den Räumen des ehemaligen Geschäfts Rehäußer in der Kellerstraße in Höchstadt möglich sein.
Kathrin und Peter Younes planen ein Angebot nach Höchstadt zu holen, das es in Großstädten schon länger gibt. Realisieren wollen sie es unter dem Begriff „Coworking“ in dem Haus, das der Familie von Kathrin gehört. Die in Höchstadt aufgewachsene Innenarchitektin, bundesweit als Ausstatterin am Theater unterwegs, und der international tätige Lichtdesigner Peter Younes, der eine eigene Firma hat und auch bei der Beleuchtung der Bayreuther Festspiele eine leitende Rolle spielt, möchten einen Raum schaffen, in dem sich Menschen vernetzen, kreativ austauschen, Wissen teilen und projektbezogen zusammenarbeiten. Höchstadts Stadtmarketing-Manager Thomas Oppelt ist von dieser Idee angetan und sieht darin „ein Leuchtturmprojekt für Höchstadt und den Aischgrund“.
After-Work in der Kellerstraße in Höchstadt
Um das Projekt vorzustellen, hatte er dieser Tage zum ersten Höchstadter „After-Work Netzwerk-Event“ in die Räume an der Kellerstraße geladen. Eine ganze Reihe kreativer Menschen aus der Region und auch einige Stadträte waren der Einladung gefolgt. „After-Work-Event“ lässt sich in etwa übersetzen mit „Treffen nach dem Feierabend“. Diese Veranstaltungen sollen künftig in verschiedenen Firmen stattfinden und allen Interessierten Möglichkeiten bieten, sich zu informieren und auszutauschen.
Wie beim „Coworking“ in der Kellerstraße in lockerer Party-Atmosphäre. Peter Younes erklärte den Gästen bei Häppchen und Drinks, er habe schon öfter solche „Spaces“ (Räume) in anderen Städten genutzt, weil er unterwegs nicht im Hotel arbeiten wollte. Außendienstler auf der Durchreise seien ebenso angesprochen wie Menschen im Homeoffice, die dabei aber nicht in den eigenen vier Wänden sitzen möchten. Die Räume im Coworking sollen für alle zugänglich und nutzbar sein, auch für Vereine.
Co-Working für Start-Up in Höchstadt
Digitale Arbeitsplätze, komplett ausgestattet mit 3D-Drucker, Fräse und Lasercutter, erwarten eine „lebendige Community“. Selbständige, Pendler, Projektteams, Kreative, digitale Nomaden will das Ehepaar Younes ebenso locken wie Leute, die für ihr „Start-Up“, ihr Unternehmen in Gründung, einen ersten Raum suchen. Es soll Schließfächer geben und sogar die Möglichkeit, Geschäftsadressen in die Kellerstraße zu legen. Für die Nutzer sind die Coworking-Räume natürlich nicht umsonst.
Peter Younes geht von gestaffelten Nutzungsgebühren aus, die bei 20 Euro pro Tag für einen Arbeitsplatz mit einfacher Ausstattung beginnen. Bis Angebot und Räume aber soweit sind, wie sie sich die Initiatoren vorstellen, sind Investitionen von 200.000 Euro geplant. Weil es sich dabei um eine innovative Idee für den Aischgrund handelt, haben sie bereits einen Förderantrag bei der LAG gestellt. Wie eine Vertreterin des Vereins, der über die Verteilung von EU-Zuschüssen entscheidet, und dessen Vorstandsmitglied Bürgermeister Gerald Brehm (JL) vor Ort anklingen ließen, habe das Coworking-Projekt in der Kellerstraße gute Chancen, bezuschusst zu werden.
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