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Trotz sterbender Innenstadt
Neuorientierung bei Ringfoto Müller: Familiengeschäft bleibt
Foto Müller
Zwar zieht Stefan Müller gemeinsam mit seiner Partnerin nach Oberbayern. Die Gründe für die Neuorientierung liegen aber viel tiefer: Zu viel sei in den letzten Jahren in der Innenstadt versäumt worden. // Anna-Lena Reif
Herzogenaurach – Der letzte Vorhang fällt für Stefan Müller in Herzogenaurach, er lässt das Familiengeschäft Ringfoto Müller hinter sich. Weiter geht es dort aber trotzdem – mit einer anderen Inhaberin.

Den meisten Herzogenaurachern dürfte der Fotofachhandel Ringfoto Müller in der Hauptstraße ein Begriff sein, laden doch die Ständer mit bunten Karten für jeden Anlass und Kisten mit Bilderrahmen vor der Tür Passanten immer wieder zum Stehenbleiben und Schmökern ein. 

Seit 44 Jahren existiert das Geschäft, durchgehend war es in der Hand der Familie Müller. Für Stefan Müller ist hier an diesem Standort nun Schluss. Der 13. September ist für ihn der letzte Tag in seinem Laden. Wenn er über den Entschluss spricht, ihn hinter sich zu lassen, sieht man ihm an, dass die Entscheidung keine leichtfertige war. Gleichzeitig schwingt aber auch ein Stück Erleichterung in seinen Aussagen mit. 

Neuanfang in Oberbayern

Statt in Herzogenaurach soll es für ihn und seine Partnerin nun in Weilheim in Oberbayern weitergehen. Weil dort ein Kollege in den Ruhestand geht, sieht Müller seine Chance, noch einmal neu anzufangen: in einer lebendigen Stadt mit toller Lage – und vor allem einer stabilen Einzelhandelsstruktur, wie er sagt. Gerade diese fehle nämlich in Herzogenaurach. „Der wirkliche Grund ist schon, dass wir auch überlegt haben, wie es hier weitergehen kann. Die Stadt ist halt einfach sehr ruhig geworden“, so Müller. 

Foto Müller
Seit über 40 Jahren ist das Fotogeschäft in Familienbesitz. Nun wechselt der Stab von Stefan Müller zu seiner Schwester, Christina Stöcker. // Anna-Lena Reif

Während es in Herzogenaurach momentan drei Fotostudios gibt – Ringfoto Müller, das „Fotostudio am Schloß“, das Müllers Schwester Christina Stöcker betreibt, sowie den Traditionsbetrieb „Foto Atelier Durmann“ – hat Stefan Müller in seiner neuen Wahlheimat keine Konkurrenz. „Da gibt es eigentlich bis Garmisch keinen anderen Fotofachhandel“, erzählt er. Vom neuen Wohnort erwartet er auch eine bessere Lebensqualität: „Man lebt da, wo andere Urlaub machen. Der Ammersee und der Starnberger See sind vor der Haustür“, schwärmt er. „Und man hat da Kultur, Theater, eine blühende Gastronomie mit vielen Kneipen.“ Noch etwas, das Herzogenaurach seiner Meinung nach fehlt.

Innenstadt im Wandel: Immer mehr Leerstand schreckt Kunden ab

Über die Jahre, in denen er sein Fotostudio betrieben hat, hat er auch erlebt, wie sich die Innenstadt in Herzogenaurach verändert hat. Die Stadt sei immer weiter beruhigt worden – vielleicht sogar zu sehr. Immer mehr Parkplätze seien verschwunden und hätten den Menschen die Möglichkeit genommen, schnell und einfach zum Einkaufen zu kommen. Mehr und mehr Läden hätten geschlossen, aus Einzelhandel seien Immobilienbüros geworden, immer mehr Leerstand plage die Stadt.

Dabei habe Herzogenaurach eigentlich eine hohe Kaufkraft, ist Müller überzeugt. „Wir haben mehrere Global Player vor Ort“, so Müller. „Aber in der Innenstadt denkt man, man wäre in einem Dorf von 500 Leuten.“ Dabei sei es auch den großen Firmen wichtig, eine intakte Innenstadt zu haben – für ihre Mitarbeiter. Dennoch fehle es an stationärem Einzelhandel, aber auch an Gastronomie. Schon länger gebe es kaum noch Möglichkeiten, wo man richtig essen gehen oder nach dem Stadtbummel gemütlich einen Kaffee trinken könne. Schuh- oder Bekleidungsgeschäfte sucht man vergebens. „Und das hat zum Teil schon was damit zu tun, wie man Politik macht“, kritisiert Müller. „Nahversorgung ist ein Thema, denke ich. Was macht man denn, wenn man vor Ort nichts mehr bekommt? Soll der Opa mit seinem Rollator dann in die Stadt-Umland-Bahn steigen, wenn sie denn kommt, und nach Nürnberg fahren, um eine Batterie für sein Hörgerät zu kaufen?“ 

Ringfoto Müller bleibt bestehen

„Auch ein Geschäft aufrechtzuerhalten mit solchen Öffnungszeiten, dass man von 9.30 bis 18 Uhr vor Ort ist, wenn eben kein Kunde mehr kommt – das macht nicht viel Sinn“, stimmt seine Schwester, Christina Stöcker, zu.  Vor allem, wenn man auch noch Mitarbeiter bezahlen müsse. Die Entwicklung in der Stadt zu beobachten, stimme sie traurig, so Stöcker. „Man fragt sich schon des Öfteren, wie lang man das eigentlich noch mitmachen kann.“ Wenn Müller Herzogenaurach hinter sich lässt, wird Stöcker die Räumlichkeiten von Ringfoto Müller übernehmen. Es soll weiterhin ein Studio geben, auch der Batterieservice soll bestehen bleiben, ebenso wie das Angebot an Karten und Bilderrahmen. Nur das Kameraequipment wird sie nicht mehr im Sortiment haben. Ihr eigenes Studio am Schloß wird es dann nicht mehr geben. 

Herzogenaurach Fotograf
Für sie geht es in Herzogenaurach weiter: Julia Durmann (links) und Christina Stöcker haben mit dem Umzug von Stefan Müller zwar einen „Konkurrenten“ weniger, dennoch bereitet die Entwicklung in der Innenstadt ihnen Sorgen. // Anna-Lena Reif

Neben dem schwindenden Kundenstrom sehen die Geschwister noch ein weiteres Problem: das E-Passfoto. Ab kommenden Mai sollen Passfotos für Ausweise und Co. nur noch durch bestimmte Stellen gemacht werden können. Entweder durch zertifizierte Fotografen, wie Müller, Durmann und Stöcker, oder an Fotoautomaten der Stadt. Auch in Herzogenaurach sollen dann zwei Passbildsysteme in der Stadtverwaltung zur Verfügung stehen. „Das war für mich eigentlich schon der letzte Tropfen“, gibt Müller zu. 

Neues System bringt Fotografen weiter in Bedrängnis

Für die Berufsfotografen stelle das System eine Konkurrenz dar, denn die Bilder vom Automaten sind deutlich günstiger, als die aus dem Studio. „Aber natürlich ist die Qualität bei uns besser, wir haben das gelernt“, gibt Stöcker zu bedenken. Außerdem gebe es Situationen, wo ein Automat nicht weiterhelfe, zum Beispiel bei Babys, die man im Liegen fotografieren müsse. Über kurz oder lang hätte dieses System aber wohl mindestens eines der drei Studios in der Stadt die Existenz gekostet, sind Müller, Stöcker und auch Julia Durmann überzeugt. 

Für Müller startet in Weilheim daher bald ein neues Kapitel mit zwei Räumlichkeiten, einem Studio und einem Fotofachhandel. Seine Kunden in Herzogenaurach können aber auch weiterhin auf ihn zählen: Der Onlineshop bleibe bestehen und auch für Kundenanfragen stehe Müller weiterhin zur Verfügung. 

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