Es ist Halbzeit bei Adidas. Im Wettbewerb der Sportartikelhersteller liefert das Unternehmen aus Herzogenaurach in seiner ersten Jahreshälfte spannendere Ergebnisse als gewisse Spiele der Fußballweltmeisterschaft. Dass das größte FIFA-Turnier aller Zeiten sich für die Marke mit den drei Streifen mehr als rechnen würde, hatte der Adidas-CEO Bjørn Gulden schon vor Wochen bekannt gegeben. „Für uns ist das ein Geschäft zwischen einer und 1,5 Milliarden Euro“, hatte er verblüffend sachlich während der WM bei einer Presseveranstaltung in New York kundgetan, wie die Deutsche Presse-Agentur berichtete.
Nach den Worten des CEO hat Adidas nun konkrete Geschäftszahlen für das zweite Quartal und die erste Jahreshälfte 2026 vorgelegt. Die WM der Superlative hat dem Sportartikelhersteller nach eigenen Angaben Rekordumsätze beschert.
Adidas: Umsatzrekorde durch Weltmeisterschaft
Wie das Unternehmen am Donnerstag, 30. Juli, bekannt gegeben hat, führe das währungsbereinigte Umsatzwachstum von 14 Prozent zu einem „Rekordumsatz“ in Höhe von 6,7 Millionen Euro (2025: 5,9 Millionen Euro) für das zweite Quartal 2026. „Die Zahlen sind höher als zu Zeiten von Reebok und Yeezy. Es sind die höchsten Zahlen, die wir jemals hatten“, sagte der Geschäftsführer während der Bilanzpressekonferenz auf Englisch. Für das jüngste Quartal nennt Adidas ein Wachstum von 39 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. Das ergab sich laut eigenen Angaben hauptsächlich durch die Segmente Fußball und „Running“.
Quartalszahlen von Adidas: Größtes Wachstum bei Fußball und Laufsport
Der Ausschlag dafür könnte in zwei besonders medienwirksamen Ereignissen liegen: Adidas war mit dem WM-Ball und als Ausstatter der meisten Mannschaften die wohl sichtbarste Marke der Fußball-WM. Nicht zu vergessen: Wenige Wochen zuvor brach der Kenianer Sabastian Sawe (1:59:30 Stunden) beim London Marathon am 26. April die Zwei-Stunden-Marke. Dabei hatte er eigens dafür von Adidas entwickelte Laufschuhe an.
Was bringen die Sportrekorde auf der Weltbühne dem Unternehmen unterm Strich? Die Bruttomarge im zweiten Quartal verbessert sich um 0,8 Prozentpunkte auf 52,5 Prozent, wie das Unternehmen angibt. Der Blick auf das operative Betriebsergebnis dämpft die Euphorie allerdings etwas. Das ist laut Adidas um 5 Prozent auf 574 Millionen Euro (2025: 546 Millionen Euro) gewachsen. Trotz der um 212 Millionen höheren Marketinginvestitionen für WM-Kampagnen und Aktivierungen, wie Adidas betont. Der Gewinn aus fortgeführten Geschäftsbereichen gibt der Sportgigant mit 398 Millionen Euro an, was einer Steigerung von 6 Prozent entspricht.
So lief das erste Halbjahr bei Adidas in Herzogenaurach
Als wichtige Entwicklungen im ersten Halbjahr 2026 führt Adidas ein währungsbereinigtes Umsatzwachstum von 14 Prozent an, was einem „Rekordumsatz“ in Höhe von 13,3 Milliarden Euro (2025: 12,1 Milliarden Euro) entspricht. Das Betriebsergebnis im ersten Halbjahr beziffert Adidas auf 1.279 Millionen Euro (2025: 1.156 Millionen Euro). Diesen Anstieg um 11 Prozent spiegelt eine operative Marge von 9,6 Prozent wider.
„Die Marke ist nach der Weltmeisterschaft heißer als zuvor“, sagt Gulden nach der Vorstellung der Ergebnisse. Wo Adidas seine Erfolge betont, erkennt man bei den deutschen Finanzpublikationen eine andere Lesart über die neu veröffentlichten Zahlen. „Adidas-Aktienkurs bricht trotz WM-Erfolgen ein“, heißt es zum Beispiel beim Wirtschaftsmagazin Handelsblatt.
Neue Personalie in Herzogenaurach: CFO Harm Ohlmeyer geht
Auch das passiert bei einer Halbzeit. Neben dem Blick auf das Zwischenergebnis kündigte das Unternehmen eine Art Spielerwechsel im Adidas-Team an. Gemeint ist damit das Ausscheiden des Finanzvorstands Harm Ohlmeyer zum 1. September diesen Jahres. Nach 30 Jahren bei Adidas und fast zehn Jahren in der Funktion als CFO habe Ohlmeyer den Aufsichtsrat über seine Entscheidung informiert, seinen Vertrag nicht weiter zu verlängern.
Während der Pressekonferenz kündigte Gulden dessen Nachfolgerin Birgit Kretschmer an. Kretschmer ist Aufsichtsratsmitglied bei den Gesellschaften Ceconomy und Mister Spex. Für den Sportartikelhersteller ist sie eine alte Bekannte. Nach Jahren als Finanzvorständin beim Modehaus C&A wird sie nun als CFO zu Adidas nach Herzogenaurach zurückkehren.
Diese Umsätze erwartet Adidas für das Jahr 2026
Gulden erklärte im Weiteren, dass Adidas auch nach dem Ende der WM in der zweiten Jahreshälfte weitere Gewinne durch Fußballartikel erwarte. Zum aktuellen Zeitpunkt ließe sich das noch nicht genau beziffern. Anders als zuvor, bewertete der CEO den Effekt der Fußballweltmeisterschaft für Adidas nun höher – in einem Bereich von 1,6 bis 1,8 Milliarden Euro.
Trotz der vorgestellten Zahlen gibt sich der Herzogenauracher Sportartikelhersteller nach wie vor zurückhaltend, wenn es um den Ausblick auf das Gesamtjahr 2026 geht. „Das haben wir schon immer so gemacht“, sagte der CEO. Die Prognose wurde nur leicht angehoben: Für die Jahresbilanz erwartet Adidas demnach eine Umsatzsteigerung zwischen 9 und 10 Prozent. Damit weicht man nur geringfügig von dem zuvor prognostizierten Anstieg im hohen einstelligen Prozentbereich ab. Beim Betriebsergebnis für dieses Jahr werden rund 2,3 Milliarden Euro erwartet.















