Luis Kirch, 19 Jahre alt, hat sich bereits einen Namen gemacht: Er schloss seine Ausbildung zum Fischwirt als Jahrgangsbester im süddeutschen Bereich ab. Dazu gehört Bayern, Baden-Württemberg und die Schweiz. Doch für diesen Erfolg war nicht nur sein persönliches Engagement entscheidend. In Mühlhausen im Landkreis Erlangen-Höchstadt bei Fisch Jakob, wo er seine Ausbildung absolviert hat, zählt nicht nur die individuelle Leistung, sondern auch der Teamgeist.
Ausbildung zum Fischwirt als Jahrgangsbester abgeschlossen
Hier arbeitet man Hand in Hand, ob beim Abfischen der Weiher, der Fischzucht oder der Erfüllung von Kundenaufträgen. „Wir sind ein kleines Team, und jeder unterstützt den anderen“, erklärt Kirch. „Genau das hat mir geholfen, mein Bestes zu geben.“ Seine Begeisterung für die Fischwirtschaft begann bereits in seiner Kindheit. Als leidenschaftlicher Hobby-Angler begleitete er oft seinen Vater und dessen Arbeitskollegen beim Abfischen der Weiher.
Berufsschule am Institut für Fischerei in Starnberg
Diese Erlebnisse legten den Grundstein für seine Berufswahl. „Ein Bürojob kam für mich nie in Frage“, erzählt er. „Ich wollte immer draußen arbeiten, mich bewegen und täglich neue Aufgaben haben.“ Der Fischwirtberuf bot genau das, was er suchte: Vielseitigkeit und Nähe zur Natur. Kirch absolvierte seine Ausbildung in einem dualen System, das den praktischen Teil im Betrieb und den theoretischen Teil in der Berufsschule am Institut für Fischerei in Starnberg vereint.
„Zwölf Wochen im Jahr waren wir dort, je zwei bis drei Wochen im Blockunterricht, untergebracht im Internat“, berichtet er. „Im ersten Jahr bin ich bei einem Schulkollegen mitgefahren, im zweiten Jahr mit dem Zug und im dritten Jahr durfte ich dann selbst mit dem Auto hinfahren.“
Die Ausbildung stellte ihn auch vor Herausforderungen, wie er offen zugibt: „In der Theorie fand ich Sozialkunde und Politik nicht so spannend. In der Praxis war das Handling beim Schlachten der Fische anfangs nicht ganz einfach.“
Seine Leidenschaft macht ihn zum Jahrgangsbesten
Doch was ihn zum Jahrgangsbesten machte, war seine Leidenschaft: „Wenn man das macht, was einem Spaß macht, dann ist man auch mit dem Herzen dabei und sitzt nicht nur seine Zeit ab.“
Kirch schätzt die Abwechslung, die der Beruf des Fischwirts mit sich bringt: „Jeder Tag ist anders. Im Herbst fischen wir die Weiher ab, im Frühjahr setzen wir Fische aus und vermehren sie. Zwischendrin reparieren wir Netze oder wickeln Kundenaufträge ab. Kein Tag ist wie der andere. “
Besonders das Abfischen der Weiher macht ihm Freude: „Das ist der Moment, wo man sieht, was man über das Jahr hinweg geleistet hat.“ Ein wesentlicher Bestandteil der Arbeit des Fischwirts und seinen Kollegen ist die nachhaltige Fischzucht. Dabei steht das Wohl der Tiere im Mittelpunkt, wie er betont: „Unsere Fische kommen direkt von hier. Es gibt keine Massentierhaltung. Alles ist darauf ausgelegt, die natürliche Balance zu bewahren.“
Vorschriften für Karpfen aus Aischgrund
Besonders stolz ist er auf die nachhaltigen Praktiken, die in der Region seit Generationen gepflegt werden. „Zum Beispiel gibt es beim Aischgründer Karpfen strikte Vorschriften, wie viele Fische in einem Weiher gesetzt werden dürfen. “ Diese Sorgfalt erstreckt sich bis hin zu regelmäßigen Gesundheitschecks für die Fische. „Wir machen Probefänge, um zu überprüfen, ob der Fisch gesund ist oder ihm etwas fehlt. Sozusagen geht auch der Fisch mal zum Doktor“, erklärt er schmunzelnd.
Nachhaltigkeit endet jedoch nicht bei der Fischzucht. Kirchs Ausbilder, Walter Jakob, weist auf die ganzheitliche Betrachtung des Berufs hin: „Heute müssen Fischwirte viel mehr können als früher. Es geht nicht nur um die Fischhaltung, sondern auch um Wasserrecht, Gewässerpflege und ökologische Zusammenhänge.“
Lederhose und Laptop bei Fisch Jakob
Er beschreibt die Balance zwischen Tradition und Innovation: „Ich sage immer: Lederhose und Laptop. Wir arbeiten noch mit den gleichen Besatzzahlen wie vor hundert Jahren – also Lederhose – und setzen dabei modernste Technik ein, also Laptop.“ Besonders wichtig sei die Wasserqualität: „Manchmal scherzen wir, dass Fischwirte fast schon Klärtechniker sind, so viel wie wir uns mit der Reinigung und Erhaltung der Gewässer beschäftigen müssen.“ Die Fische werden regelmäßigen Routine-Checks unterzogen, um ihre Gesundheit zu überwachen.
„Es gibt in Deutschland kein zugelassenes Tierarzneimittel und es werden keinerlei Antibiotika eingesetzt“, betont Jakob. „Das sorgt dafür, dass unsere Fische unter den bestmöglichen natürlichen Bedingungen heranwachsen.“ Für ihn ist es entscheidend, die Auszubildenden auf die große Verantwortung des Fischwirts vorzubereiten – nicht nur gegenüber den Tieren und der Natur, sondern auch gegenüber den Menschen, die den Fisch konsumieren.
Viel gelernt bei Fisch Jakob in Mühlhausen
„Das Wohl der Fische steht immer im Mittelpunkt. Gleichzeitig müssen wir sicherstellen, dass die Verbraucher ein gesundes und nachhaltiges Produkt auf den Tisch bekommen. Außerdem müssen wir auch den Schutz vor Prädatoren wie Kormoranen ernst nehmen und entsprechende Maßnahmen ergreifen.“ Für Luis Kirch steht fest: Er möchte weitere Berufserfahrung sammeln und dann vielleicht die Meisterprüfung ablegen. Durch seine Arbeit bei Fisch Jakob hat er nicht nur viel über Fische, sondern auch über das Zusammenspiel von Menschen und Natur gelernt.
Lesen Sie auch:













