0
Zum Start der Karpfensaison
Fischwirt verrät: Wie kommt man zu dem ungewöhnlichen Beruf?
Fischwirt ErlangenFischwirt Erlangen
Philip König hat im Juli die Ausbildung zum Fischwirt abgeschlossen. // Bjarne Bahrs
Kosbach – Frischer Fischwirt fischt frische Fische? Genau! Besonders zur Karpfensaison im Erlanger Land wird dieser Zungenbrecher auch gelebt. Ein ausgelernter Fischwirt erzählt über seinen besonderen Beruf.

Mit Beginn der im September gestarteten Karpfensaison gehören Philip König und seine Kollegen zu den gefragtesten Menschen im Erlanger Land. Er sorgt nämlich dafür, dass der Karpfen zur allseits beliebten Karpfensaison auch immer regelmäßig auf dem Teller landet. Wer sich bei Weitem schönere Dinge als täglichen Fischgeruch vorstellen könnte, wird seinen Beruf des Fischwirts sicherlich nicht auf dem Schirm haben und erst mal als ungewöhnlich erachten. Doch sein Weg zur „ungewohnten“ Ausbildung ist deutlich simpler als vielleicht vorschnell angenommen.

Der Weg zum Beruf

„Im Endeffekt habe ich einfach mein Hobby zum Beruf gemacht“, erklärt König bei einem Besuch des Fränkischen Tags. Die Rede ist dabei vom Angeln. „Ich bin schon seit der Kindheit begeisterter Angler, weshalb ich mich auch nie von einem Job in der Fischwirtschaft gescheut habe“, fährt König fort. Das Wichtigste für ihn war immer die Arbeit im Freien, denn ein simpler Bürojob wäre für ihn nichts. „Ich glaube, nach einer Stunde in einem Büro, wäre ich nervlich schon am Ende“, scherzt der nun vollwertige Fischwirt.

Die Ausbildung abgeschlossen hat König erst diesen Juli. Und das als viertbester, wie Fischermeister und Chef Christoph Oberle im Gespräch stolz betont. In dessen Fischerei, der Fischerei Oberle im Erlanger Ortsteil Kosbach, ist König seit 2021 fester Bestandteil des Teams. Wer im Erlanger Land seinen Fisch kennt und liebt, wird der Name Oberle sicherlich ein Begriff sein, denn das zur Fischerei zugehörige Restaurant, zählt zu den beliebtesten Gasthäusern der Region, was das Karpfenessen angeht.

Fischwirt ErlangenFischwirt Erlangen
Der Dummetsweiher ist der größte Weiher der Fischerei Oberle. // Bjarne Bahrs

Das macht der Fischwirt

Ein weiterer Pluspunkt für die Entscheidung zur Fischwirt-Ausbildung sei für ihn die vielfältigen Tätigkeiten gewesen. „Ich mache eigentlich an zwei Tagen niemals die genau gleiche Arbeit“, erzählt König. So auch heute. Für ihn startet der Tag mit der Karpfenräucherung, nicht etwa für den Verzehr, sondern für die Herstellung von Fischpaste. Dafür müsse der Fisch erst geräuchert werden.

Danach geht es mit dem Firmen-SUV zu den in Kosbach liegenden Weihern. Rund 50 Hektar Wasserfläche gehören in Erlangen zur Fischerei Oberle. In Memmelsdorf (Landkreis Bamberg) liegen weitere 50 Hektar Fischweiher am Schloss Seehof. Dort sind Königs Kollegen auch heute zum Abfischen unterwegs. Er hingegen kümmert sich in Mittelfranken zumindest heute um die Fischfütterung. Sicherlich nicht immer eine angenehme Aufgabe, denn die Eimer mit Weizenfutter sind schwer und König muss zur Fütterung bis auf Brusthöhe in den Weiher steigen. „Im Sommer tut die Abkühlung ja tatsächlich ganz gut, aber zu anderen Jahreszeiten ist die Arbeit dann schon härter“, sagt König noch im Wasser stehend.

Nachfolgend geht es für ihn auch an den Weihern weiter, denn hier müssen am Wasser liegendes Gebüsch sowie Wasserpflanzen gestutzt werden. „Dass hier nicht alles voll wächst, ist vor allem wichtig, damit es beim Abfischen später nicht zu Problemen kommt“, erklärt er.

Fischwirt ErlangenFischwirt Erlangen
Während der Fahrt an den einzelnen Weihern muss Philip König auf vieles achten. // Bjarne Bahrs

Auch wenn der Beruf des Fischwirts im ersten Moment ungewöhnlich klingt, sei der Bogen zum klassischen Landwirt schneller gespannt als angenommen: „Wir kümmern uns genauso auch um unsere Böden und um unsere Tiere, wie die Landwirte auch“, erzählt König. Als Fischwirt achtet er auf die Gesundheit seiner Fische, die Wasserqualität und ja, auch auf die Qualität der Weiherböden. „Wenn etwas nicht stimmt, sterben im schlimmsten Fall die Fische“, so König. Umso wichtiger sei dann auch die regelmäßige Beobachtung der einzelnen Weiher. „Bei der täglichen Durchfahrt müssen wir auf vieles achten, wie etwa den Wasserstand, die Pflanzen, oder ob tote Fische im Weiher schwimmen“, sagt König bei der Geländedurchfahrt.

Der Weg der Fische

Was die Karriere des Fischwirts ebenfalls interessant machen würde, zumindest laut Fischermeister Christoph Oberle, sei die Schaffung und Begleitung neues Lebens: „Wir bringen diese Fische ja quasi aus dem Nichts ins Leben.“ Die Fische selbst brauchen von der Geburt bis zum Schlacht- oder in einigen glücklichen Fällen Verkaufstermin drei Jahre Aufzucht. Dann werden sie entweder vor Ort in Kosbach geschlachtet und im Restaurant verkauft, oder lebendig an Händler, Gastronomen und Angelvereine verkauft.

Fischwirt ErlangenFischwirt Erlangen
Man kann sie erspähen: Diese Karpfen wurden für die kommende Schlachtung bereits auf den Hof gebracht. // Bjarne Bahrs

Verschwindet der Beruf des Fischwirts?

Auch wenn viele junge Leute, ähnlich wie König, ihren Weg zum Beruf des Fischwirts finden, schwindet langfristig gesehen die Anzahl der Fischereibetriebe und somit auch die Anzahl der Fischwirte in ganz Bayern. Laut dem Bayerischen Landesamt für Statistik hat die Anzahl der sogenannten Aquakulturbetriebe im Zehnjahresvergleich stark abgenommen. So hat es 2013 noch knapp 4.900 Betriebe gegeben. 2023 waren es nur noch 1.400 Betriebe.

Dennoch bleibt König hoffnungsvoll, was seine gewählte Branche angeht: „Besonders zu Corona sind die Zahlen der Azubis schon stark zurückgegangen, aber von unseren neuen Azubis bekommt man auch mit, dass die Klassen wieder voller sind, als noch bei mir 2021.“

Was liegt in der Zukunft?

Dass die Fischerei auch noch in der Zukunft ein großer Teil seines Lebens sein wird, auch davon ist König überzeugt: „Ich möchte früher oder später gerne noch meinen Meister machen und auch gerne in meiner weiteren Karriere mit möglichst vielen verschiedenen Fischarten arbeiten.“ Zum Beispiel die Forellenzüchtung würde noch einmal deutlich anders ablaufen, als er es jetzt hauptsächlich vom Karpfen gewohnt ist.

Lesen Sie auch:

Unsere Leseempfehlungen

Inhalt teilen
  • kopiert!