Es war schon eine Veranstaltung der Superlative, zu der Hunderte von Besuchern trotz sengender Hitze jenseits der 30 Grad auf den Höchstadter Marktplatz gekommen waren. Der Verein Karpfenland Aischgrund hatte zum 25-jährigen Bestehen geladen und gleichzeitig feierte der Aischgrund die Eröffnung der Karpfensaison. „Ohne Karpfen keine Zukunft“, rief Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU) der Festgesellschaft im und vor dem Zelt zu.
Söder erschien zwar nicht persönlich zur Veranstaltung, hatte aber – unübersehbar auf zwei Großbildschirmen – eine Videobotschaft geschickt. Der Ministerpräsident dankte den Teichwirten für den Erhalt der Tradition und versicherte, alles zu tun, um zu verhindern, dass die Karpfen von Kormoran oder Fischotter aufgefressen werden.
Im bayerischen Kabinett werde es demnächst auch wieder Aischgründer Karpfen geben, fügte er an. Außer dem Ministerpräsidenten waren aber alle erschienen, die in der Region Rang und Namen haben. Die Landräte oder Stellvertreter aus den Kreisen Erlangen-Höchstadt, Neustadt und Forchheim ebenso wie die Bürgermeister aus den Mitgliedsgemeinden des Vereins Karpfenland Aischgrund.
Der hatte sich vor 25 Jahren aus einer Interessengemeinschaft gebildet, in der sich Teichwirte, Gastronomen und Kommunalpolitiker zusammenschlossen, um die unterschiedlichen Interessen rund um den Karpfen zu bündeln und auf eine gemeinsame Plattform zu stellen. Damit begann auch die überregionale Werbung für den Fisch und die Region.
Landkreis unterstützt Verein Karpfenland Aischgrund
Treibende Kraft war Martin Oberle, Leiter der Höchstadter Außenstelle für Karpfenteichwirtschaft des Bayerischen Instituts für Fischerei. An seiner Seite hatte er Walter Jakob, Vorsitzender der Teichgenossenschaft Aischgrund und einige Jahre lang Karpfenland-Chef, den aktuellen Vorsitzenden Bürgermeister Gerald Brehm und den CSU-Landtagsabgeordneten Walter Nussel, der damals der erste Sprecher des neuen Vereins war.
Nussel überbrachte die Grüße der Landwirtschaftsministerin und forderte: „Trotz Naturschutz und Tourismus müssen wir unsere Teichwirtschaft hochhalten.“ Der Karpfenland-Vorsitzende Brehm sprach von „der schönsten Region der Welt“, die ins Weltkulturerbe aufgenommen werden sollte. Landrat Alexander Tritthart (CSU) attestierte dem Verein, in den 25 Jahren viel bewegt zu haben, und versprach, bei der Förderung im nächsten Jahr „noch eine Schippe drauf zu legen“.
Derzeit unterstützt der Kreis Erlangen-Höchstadt das Karpfenland Aischgrund mit 30.000 Euro im Jahr. Für Svenja Viertel, die fünfte Karpfenkönigin im Amt, macht das Leben jetzt „mit einem guten Karpfen wieder Sinn“. 32 habe sie in der letzten Saison verspeist. Altlandrat Eberhard Irlinger hatte es vor einigen Jahren auf 60 gebracht – dokumentiert in einem Karpfenpass, den der Verein zusammen mit dem Landkreis eingeführt hatte. Als sich Irlinger in den folgenden beiden Jahren in dem Wettbewerb aber geschlagen geben musste – ein Herr Kohler hatte in einer Saison über 200 gegessen – stellte Irlinger den Wettbewerb angeblich wieder ein.
Karpfen-Skulptur auf Kreisverkehr der B 470
An diese und einige weitere Anekdoten aus den 25 Jahren erinnerten beim Festakt in humorvoller Weise Walter Jakob und Martin Oberle. So habe man bereits bei der ersten Eröffnung der Karpfensaison mächtig Ärger mit dem Ministerium bekommen, weil die Höchstadter vor dem offiziellen bayernweiten Start ihre Saison einläuteten. Eines der ersten Projekte war der steinerne Karpfen im Kreisverkehr auf der B 470 in Höchstadt. Walter Jakob erinnerte sich noch gut daran, als er von den Behörden nicht ernstgenommen wurde, als er für das Aufstellen eines Karpfens die Sperrung der Bundesstraße beantragte. Erst als klar war, dass es sich um ein tonnenschweres Kunstwerk aus Stein handelte, durfte der Autokran anrücken.
Seinen Namen „Fridolin“ verdankt der Steinkarpfen übrigens dem Zufall. Bei einer Umfrage durften Bürger Vorschläge machen und dann wurde abgestimmt. Dabei bekam Fridolin zwei Stimmen mehr als der Vorschlag „Beppo“. Später wurde bekannt, dass sich bei der Abstimmung eine größere Familie aus einem Höchstadter Ortsteil mit Fridolin einen Jux erlaubt hatte. Bevor die Karpfenland-Gummibären „Aischgründer Kärpfla“ auf den Markt kamen, hatte man lange darüber gestritten, ob es „Kärpfla“ oder „Kärpfli“ heißen müsse, erinnerten sich die Gründerväter Oberle und Jakob.
Teichkulturwochen im September und Oktober 2024
Christiane Kolbet, Zweite Vorsitzende von Karpfenland Aischgrund, stellte die neuen Projekte des Vereins vor. Das sind die Teichkulturwochen mit einer Fülle von Veranstaltungen bis Ende Oktober, der Teichkulturpark im Aischgrund mit 22 interessanten Stationen und die Teichkulturtouren, die Willi Wahl im Namen des Bayerischen Landessportverbands anführt. Dabei handelt es sich um sechs geführte Radtouren von jeweils etwa 30 Kilometern einfach durchs Karpfenland, die jeweils in typischen Karpfengaststätten enden. Die erste Tour führte von Dechsendorf zur Saisoneröffnung nach Höchstadt und war mit 23 Teilnehmern ausgebucht.
Die zweite Tour am 9. September von Höchstadt nach Kosbach ist schon fast voll, wie Andrea Schütz von der Stadtverwaltung erklärte. Sie organisiert die Touren und nimmt unter der Telefonnummer 09193/626-132 beziehungsweise E-Mail-Adresse andrea.schuetz@hoechstadt.de Anmeldungen entgegen. Musikalisch umrahmt wurden Jubiläumsfeier und Karpfensaison-Eröffnung mit Livemusik von „Gonzo’s Dixi-Combo“ und dem Musikertrio „Emmi und die Schochsaitn“.
Lesen Sie auch:


















