Ihr erstes Federmäppchen hat sie mit 13 genäht – auf der ersten eigenen Nähmaschine, einem Geschenk des Großvaters. Dann die Ausbildung zur Herrenschneiderin und ein Studium im Bereich Modemanagement. Nebenbei hat Lena Walter ihr eigenes Unternehmen kontinuierlich ausgebaut.
„Erst lief das noch über meinen Papa, weil ich ja noch gar nicht volljährig war“, erzählt sie, während sie in ihrer Werkstatt vor dem Schriftzug mit dem Firmennamen steht: Tochter von Walter. Jetzt steht Lena Walter vor dem Schritt in die Selbstständigkeit.
Die Liebe zur Schneiderei hat sie schon ihr ganzes Leben lang begleitet. „Ich habe als Kind schon genäht, damals noch auf der Maschine meiner Mutter.“ Freundinnen hätten sie auf die selbstgenähten Federmäppchen angesprochen. Daraus sei schließlich die Idee für den Onlineshop entstanden – erst auf Dawanda, heute auf der Internet-Verkaufsplattform Etsy und auf ihrer eigenen Homepage. „Eine Bekannte hatte damals angefangen auf Dawanda zu verkaufen und meinte dann, dass ich das doch auch mal probieren sollte, das war 2015. Und dann wird das mit der Zeit auch von selbst immer größer“, erzählt die Gremsdorferin.
Selbstständigkeit verlangt hohen Einsatz
Etsy sei für sie zwar ein wichtiges Standbein, gerade seit die Plattform in der Coronazeit noch einmal einen ordentlichen Kundenzuwachs erlebt hat. Mindestens genauso wichtig seien für sie aber Märkte. „An den Wochenenden bin ich viel unterwegs. Im Sommer gibt es da ein paar kleinere Festivals, aber vor allem im Winter dann zu den Weihnachtsmärkten. Gerade als Geschenk gehen meine Sachen da einfach wahnsinnig gut.“
Weil die Nachfrage in der Hauptsaison im November und Dezember so hoch ist, muss Walter jetzt schon mit der Vorproduktion beginnen. In den Wochen vor Weihnachten kann es dann öfters mal zu durchwachten Nächten an der Nähmaschine kommen, um die Anfragen noch zu bewältigen.
Negativ sieht sie die hohe Belastung bei einem eigenen Unternehmen aber nicht: „Kurze Zeit habe ich mal mitgezählt, wie viele Stunden ich in der Woche arbeite, aber ich glaube, es ist besser, wenn man das nicht macht“, gibt sie lachend zu. „Aber es ist eben mein Hobby, dadurch ist es viel erfüllender, als andere Berufe. Und es ist sehr abwechslungsreich: Mal nähe ich, dann mache ich Fotos, dann verpacke ich was oder arbeite am Laptop. Da kommt es einem nicht so viel vor.“
Tochter von Walter: Produkte nach eigenem Design
Bei ihren Produkten lässt sie sich bis heute von den eigenen Bedürfnissen inspirieren: „Oft benutzt man ja etwas und denkt sich: Ok, eigentlich bräuchte ich das jetzt aber ein wenig anders. Ich habe zum Beispiel Kulturbeutel, die haben zwar Reißverschlüsse, wie man das so kennt, aber eben auch extra Einschubfächer für Pinsel, damit man nicht kramen muss“, erklärt sie.
„Oder die Nackenkissen: Die sind in einzelne Kammern unterteilt und abgenäht, damit die Dinkelkörner nicht alle in eine Ecke rutschen und alles da bleibt, wo es sein soll.“ Viele ihrer Produkte, wie zum Beispiel die wiederverwendbaren Abschminktücher, findet man auch anderswo im Einzelhandel. Was ihren Shop aber ausmache, seien die besonderen Stoffe und Motive.
„Ich lasse die Stoffe extra für mich bedrucken. Ich kaufe die nicht mehr bei einem Großhandel, sondern kooperiere mit kleinen Künstlern und lasse die Stoffe dann mit den Designs bedrucken“, erklärt die junge Unternehmerin. Inzwischen habe sie aber auch angefangen, selbst Muster zu entwerfen und Stoffe damit bedrucken zu lassen. Immer wieder passt sie so das Sortiment in ihrem Onlineshop an.
Onlineshop: Kunden können Wünsche einbringen
Auch Kunden können ihre individuellen Wünsche anbringen: „Manchmal schreiben Kunden auch, dass sie in einem Mäppchen ein extra Fach für einen USB-Stick haben wollen. Oder sie wollen darin irgendwelche extragroßen Stricknadeln aufbewahren und es muss größer sein. Dann mache ich das natürlich auch gerne", erzählt Walter. „Oder wenn jemand ein Produkt als Geschenk für ein Kind kauft und dann sollen da Feuerwehrautos drauf sein. Dann versuche ich, das möglich zu machen.“
Dass das Unternehmen auch heute nicht ohne die Unterstützung ihrer Eltern laufen würde, betont sie immer wieder. Ihre Werkstatt hat sie sich im Keller ihres Elternhauses in Poppenwind eingerichtet und auch ansonsten kann sie sich auf ihre Familie jederzeit verlassen: „Mein Papa unterstützt mich ganz viel. Er bringt oft meine Pakete weg und besorgt Material – und er muss alles schleppen, was schwer ist“, gibt die 25-Jährige lachend zu.
Auch wenn sie von früh bis spät in den Buden auf den Weihnachtsmärkten steht, begleitet ihr Vater sie oft und unterstützt sie beim Verkauf. Nicht umsonst trägt das Unternehmen auch den Namen ihrer Familie. „Am Anfang dachte ich noch, das klingt viel zu unscheinbar. Inzwischen habe ich aber gemerkt, dass das wahnsinnig im Kopf bleibt. Leute erzählen mir ganz oft, dass sie den Namen schonmal gehört haben, wenn sie mich dann am Stand sehen.“ Bis es für sie und ihren Vater wieder Zeit für die Weihnachtsmärkte ist, muss Lena Walter in den kommenden Monaten aber erstmal ihr Lager wieder auffüllen.
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