Über das von der Neuhauser Familie Wirth geplante Wellnesshotel nahe des Naturschutzgebietes „Ziegenanger“ wurde bereits mehrfach berichtet und auch das Für und Wider diskutiert. So war es nicht verwunderlich, dass der geplante Bau auch Thema bei der jüngsten Sitzung des Adelsdorfer Gemeinderates war. Schon vor der Sitzung zeichnete sich reges Interesse der in zwei Lagern gespaltenen Besucher ab.
Wellnesshotel bei Adelsdorf: Bürger sollen entscheiden
Christian und Yvonne Löhr aus Neuhaus beispielsweise hätten kein Problem mit dem Wellnesshotel. Christian Löhr führt an, dass Rewe, Aldi, Ebl, ja selbst die B 470 und der nun geplante dm-Markt wesentlich näher am Ziegenanger stehen als das geplante Resort. Zudem sei es ein Gewinn für die Region und auch Arbeitsplätze würden geschaffen. „Der Nutzen überwiegt“, ist sich das Ehepaar einig.
Dem gegenüber steht die von Artur Zwanzger, Markus Kraus und Georg Spielberger des geplanten Standortes wegen gegründete „Bürgerinitiative Adelsdorf“, welche dem Projekt nicht viel abgewinnen kann. Kraus sieht mit dem Bau die Schaffung eines Präzedenzfalls für die Zersiedelung der Gemeinde, „weil dann jeder kommen kann und im Außenbereich bauen kann, wenn er weiß, wie man es machen soll.“
Befürchtung: Hotel in Neuhaus gefährdet Existenz des Landwirts
Zwanzger ist 52 und hat den Bau von Aldi und Co live miterlebt. Der Bereich, in dem das Resort entstehen soll, sei die einzige Richtung, die noch nicht verbaut ist. Zudem befürchtet er, dass die Existenz des Landwirts Funke gefährdet sein könnte, wenn aufgrund der Emissionen zugunsten des Resorts Funke durch Auflagen eingeschränkt wird.
Ein Thema ist auch der Wildwechsel. „Aufgrund von Rehverbiss und Waldumbau sind die Abschusszahlen angehoben worden“, berichtet Kraus. „Genau dort ist ein uralter Wildwechsel. Wenn zugebaut wird, bleibt das Wild im Wald, der Wildwechsel ist kaputt, der Jagdriegel wird komplett verbaut und der Verbiss nimmt zu.“
Drohen Adelsdorfer Bürgern weitere Kosten?
Zwanzger befürchtet auch, dass durch die Sanierung der Gemeindestraße von Neuhaus nach Heppstädt, welche unumgänglich wäre, weitere Kosten auf die Bürger zukommen.
Ähnlich hoch her ging es dann auch in der Sitzung, stand doch die Entscheidung über die Durchführung eines Ratsbegehrens auf dem Plan, welches mit 22.000 Euro Kosten nicht gerade ein Schnäppchen wäre. Michael Auer (Grüne) stellte so auch gleich zu Beginn den Antrag, diesen Punkt nicht auf die Tagesordnung zu setzen, da aus der Stellungnahme der Unteren Naturschutzbehörde des Landratsamtes hervorginge, dass die erforderliche Verträglichkeitsprüfung negativ für das geplante Projekt ausginge.
„Landratsamt kann das Hotel genehmigen, auch wenn wir dagegen sind“
Zudem beantragte er die vorgelagerte Verträglichkeitsprüfung, schon allein unter der Prämisse, dass ein Ratsbegehren keine finale Entscheidung bedeute. Auch brachte Auer die Kosten für die Gemeindestraße aufs Tapet. Johannes Funke (FW) stößt sich an der Tatsache, dass kein Bebauungsplan vorgelegt, sondern lediglich ein Bauantrag eingereicht werden müsse.
„Das Landratsamt kann das genehmigen, auch wenn wir dagegen sind, das muss man klar sagen“, machte er die Konsequenzen deutlich. Er bemängelte zudem, dass das Ingenieurbüro bei den Stellungnahmen an der Frage eines Bürgers „vorbeigegangen“ sei.
Ratsbegehren in Adelsdorf als Zugeständnis an die Demokratie
Bürgermeister Karsten Fischkal berichtete, dass er vom Juristen des Landratsamtes die Mitteilung erhalten hätte, alle Stellungnahmen seien abwägbar. „Wenn ich die Stellungnahmen lese und meinen gesunden Menschenverstand einschalte, weiß ich, wie ich entscheiden würde“, meldete sich Zweiter Bürgermeister Günter Münch zu Wort. Jörg Bubel (SPD) erläuterte, dass ein Bürgerbescheid dazu da wäre, eine Entscheidung des Gemeinderates durch den Bürger zu korrigieren. Man müsse dem Bürger aber auch klar sagen: Auch wenn die Bürger dafür seien, bedeute dies nicht, dass es auch gebaut werde. Das sei nur ein Zwischenstand.
„Wir haben immer gewusst, dass das ein Thema ist, das die Bürger umtreibt“, erklärte Nico Kauper (CSU), „Ein Ratsbegehren wäre der schnellste Weg.“ „Die Bürger brauchen das Ratsbegehren, das ist ein Zugeständnis an die Demokratie“, stimmte Marion Bierlein (FW) ihm zu.
Wellnesshotel: Das Ratsbegehren findet am Sonntag, 29. Juni, statt
Mit sechs Gegenstimmen wurde dem Ratsbegehren, in dem darüber abgestimmt werden soll, ob die Änderung des Flächennutzungsplans weiter fortgeführt wird, entsprochen. Zudem wurde mit 15:6 Stimmen festgelegt, dass dieses Ratsbegehren am Sonntag, 29. Juni, stattfinden wird und die Kosten dafür an anderer Stelle eingespart werden sollen.













