0
Natur bei Adelsdorf gefährdet?
Neues Wellnesshotel: Familie Wirth wehrt sich gegen Kritik
Hans-Günter und Maria Wirth
Für Hans-Günter Wirth und seine Frau Maria ist das Hotel eine Herzensangelegenheit, mit der sie den Familienbetrieb in die Zukunft führen wollen. // Zum Löwenbräu
Neuhaus – Ein Wellnesshotel droht zum Zankapfel in Adelsdorf zu werden. Mit einer Stellungnahme kritisieren die Grünen das Bauvorhaben. Nun äußert sich erstmals auch Familie Wirth zu den Vorwürfen.

Die Diskussion um den geplanten Bau eines Wellnesshotels zwischen Neuhaus und Heppstädt nimmt an Fahrt auf. Schon kurz nach Bekanntwerden der Pläne hatte es Einwände von Naturschützern gegeben. Denn das Hotel soll in der Nähe des Naturschutzgebietes Ziegenanger entstehen, dem größten Naturschutzgebiet im Westen des Landkreises, das mit seinen Feuchtwiesen Brutstätten für seltene Vögel bieten soll. 

In einer Informationsveranstaltung der Freien Wähler im März zeigte Helmut König, Vorsitzender der Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach des Bund Naturschutzes, die Artenvielfalt des Ziegenangers. So befinde sich hier zum Beispiel das letzte nordbayerische Brutvorkommen der Uferschnepfe mit derzeit zwei bis drei Brutpaaren. Auch die Befürchtung, Hotelgäste könnten sich an den Gerüchen einer Trocknungsanlage in der Nähe des geplanten Hotelstandortes stören, wurde laut. Bereits Ende Februar hatten Kritiker des Bauprojekts rund 200 Unterschriften gegen das Hotel gesammelt. 

Nun hat sich auch Landtagsabgeordneter Christian Zwanziger eingeschaltet und zusammen mit Landratskandidat und stellvertretendem Landrat Manfred Bachmayer eine Pressemitteilung veröffentlicht. „Der Ziegenanger bietet gefährdeten Vogelarten einen unverzichtbaren Lebensraum, wie es ihn nur noch selten in Bayern gibt“, so Zwanziger. „Die Staatsregierung bestätigt, dass eine Bebauung mit erheblichen Beeinträchtigungen für Natur und Landschaft verbunden seien.“ Der geplante Standort liege laut Einschätzung der Staatsregierung an einer „exponierten“ Stelle, heißt es in der Pressemitteilung. Es sei nun einmal „nicht jeder Standort für Bebauung geeignet“, fügt Bachmayer hinzu. 

Wellnesshotel bei Adelsdorf: Kritik von Grünen

Die Äußerung der beiden Grünen-Politiker nimmt nun auch Hans-Günter Wirth zum Anlass, sich zu äußern. Der Gastronom betreibt bereits in zehnter Generation den Brauereigasthof „Zum Löwenbräu“ in Neuhaus. Mit dem neuen Standort außerhalb des Ortes will er das Angebot seines Familienbetriebes ergänzen, der Gasthof im Ortskern soll aber weiterhin bestehen bleiben.

Wellnesshotel Adelsdorf
Noch ist hier zwischen Neuhaus und Heppstädt eine grüne Wiese, doch wenn es nach Hans-Günter Wirth geht, soll hier ein Wellnesshotel entstehen. // Martin Regner

In einem Flyer, den sie an viele Haushalte im Gemeindegebiet verteilt haben, werben Hans-Günter und Maria Wirth mit dem Slogan „Zukunft bewahren, Heimat gestalten“. Sie erklären, dass eine Erweiterung im Ortskern wegen Lärm- und Brandschutzbedingungen, dem Verkehr und fehlenden Parkplätzen nicht möglich sei und zeigen die ihrer Meinung nach positiven Aspekte des Bauvorhabens auf. Neben den 70 bis 80 Arbeitsplätzen, die entstehen würden, zählen sie dazu vor allem die regionale Wertschöpfung sowie die Wellnessangebote, die auch den Menschen vor Ort offenstehen. 

Bauherr Hans-Günter Wirth bezieht Stellung

Von der Stellungnahme von Zwanziger und Bachmayer zeigt Familie Wirth sich enttäuscht. „Wir hätten uns einen offenen, respektvollen und transparenten Austausch gewünscht, bevor öffentlich Stellung bezogen wurde. Denn wir glauben, dass Zukunft nur gemeinsam gestaltet werden kann – nicht gegeneinander“, sagt Wirth auf Anfrage der Redaktion. Ein persönliches Gespräch hätte Missverständnisse vermeiden können, ist er überzeugt.

Dabei betont Wirth, dass er die Naturschutz-Aspekte nicht auf die leichte Schulter nehme und räumt Fehler, vor allem in der Kommunikation, ein. „Rückblickend müssen wir zugeben: Wir sind etwas blauäugig an die Sache herangegangen. In unserem Enthusiasmus haben wir es versäumt, frühzeitig mit unseren Mitbürgerinnen und Mitbürgern ins Gespräch zu kommen“, gibt er zu. „Auch den Ziegenanger hatten wir zwar als schützenswertes Gebiet auf dem Schirm, aber da unser geplanter Standort rund 600 Meter entfernt liegt – direkt an der Verbindungsstraße zwischen Neuhaus und Heppstädt – haben wir diesen Widerstand ehrlich gesagt nicht erwartet.“

Wellnesshotel Adelsdorf
Dass das Bauvorhaben zu solchen Diskussionen führen würde, hat Hans-Günter Wirth nicht erwartet. Denn das Grundstück, auf dem das Hotel entstehen soll (grünes Kreuz), ist vom eigentlichen Naturschutzgebiet (roter Kreis) und dessen Pufferzone (gelber Kreis) mehrere hundert Meter entfernt. // Hans-Günter Wirth

Andere Einrichtungen, wie die Adelsdorfer Supermärkte an der B470, seien deutlich näher am Naturschutzgebiet gelegen, als das Grundstück, auf dem sein Wellnesshotel entstehen soll. Dass die Emotionen nun beim Bau des Wellnesshotels so hochkochen würden, habe er nicht erwartet. „Unsere fränkische Heimat liegt uns am Herzen. Wir leben hier, unsere Kinder wachsen hier auf – und wir möchten ein Projekt umsetzen, das sich mit der Natur weiterentwickelt, nicht gegen sie“, betont er. So sei das Projekt so geplant, dass möglichst wenig Fläche versiegelt wird, auch eine Dachbegrünung und Streuobstwiesen seien geplant. 

Naturschutzgebiet Ziegenanger: Geplantes Hotel nur am Rand

Wirth beruft sich außerdem auf die Einschätzung von Gerhard Schäfer, der als ehemaliger Kreisvorsitzender des Bund Naturschutzes „die Historie des Naturschutzgebietes Ziegenanger wie kaum ein anderer“ kenne. Dieser erklärt in einer Stellungnahme, dass die Population der Wiesenbrüter – zum Beispiel Uferschnepfen und Kiebitze – im Ziegenanger deutlich abgenommen habe.

Laut Schäfer liege das vor allem an „mangelhaften Pflegemaßnahmen im Naturschutzgebiet“ und dem vermehrten Tod von Küken durch Autoverkehr auf der B470. „Das Bauvorhaben der Familie Wirth liegt vom Zentrum des östlichen Ziegenangers ca. 1,1 km weit entfernt (Luftlinie nach Google Earth) und stellt daher mit Sicherheit keine Gefährdung für die Population der Wiesenbrüter dar“, schreibt Schäfer in seinem Gutachten. 

Experte: Bau bei Adelsdorf weit genug von Naturschutzgebiet entfernt

Um noch eine bessere Datengrundlage zu schaffen, habe Familie Wirth auf eigene Initiative eine faunistische Erhebung in Auftrag gegeben, die von unabhängigen Ornithologen durchgeführt wird. „Anlass war unsere Recherche, bei der wir festgestellt haben, dass die letzte flächendeckende Kartierung bereits einige Jahre zurückliegt. Um fundiert über unser Projekt sprechen zu können, wollen wir eine aktuelle, objektive Datengrundlage schaffen“, erklärt Wirth. 

Weil ihnen Transparenz und der offene Austausch besonders wichtig seien, haben Wirths inzwischen auch einen eigenen WhatsApp Kanal zum Wellnessprojekt eingerichtet. „Der Kanal soll den Dialog fördern, Fragen aufnehmen und uns ermöglichen, Entwicklungen offen zu begleiten – in direktem Austausch mit der Bevölkerung“, so Wirth. 

Traditionsbetrieb „Zum Löwenbräu“ soll Zukunft haben

Bei aller Kritik, die er sehr ernst nehme, betont Wirth mehrfach, dass es sich nicht um ein Investorenprojekt handle. „Für meine Frau und mich ist dieses Projekt eine echte Herzensangelegenheit“, sagt er. Die Anforderungen in der Hotelbranche hätten sich verändert, gleichzeitig fallen hohe Kosten für die Sanierung des Familiengasthofs an. Hierbei stoßen die Wirths auf Grenzen wie bauliche Gegebenheiten oder den Brand- und Lärmschutz.

„Wir wissen: Unternehmen, die sich nicht weiterentwickeln, haben langfristig keine Zukunft. Und weil wir auch kommenden Generationen eine Perspektive bieten wollen – so wie es unsere Familie seit spätestens 1747 tut – müssen wir heute die Weichen stellen“, erklärt der Gastronom. „Unser Wunsch ist es, die Geschichte unseres Hauses weiterzuerzählen – im Einklang mit der Natur, in Verantwortung für die Gemeinschaft.“

 

Inhalt teilen
  • kopiert!