Der geplante Bau eines Wellnesshotels der aus Neuhaus stammenden Familie Wirth und deren mögliche Auswirkungen auf das Naturschutzgebiet „Ziegenanger“ waren der Anlass für die zweite Informationsveranstaltung der Freien Wähler (FW) Adelsdorf. Nachdem bei einer ersten offenen Fraktionssitzung vor allem das Hotelprojekt sowie der Stand der Bauleitplanung vorgestellt wurden, versprach Fraktionssprecher Tim Scheppe, einen weiteren Abend zu organisieren, der sich gezielt mit dem Naturschutzgebiet befasst. Dieses Versprechen wurde nun eingelöst.
Wellnesshotel Adelsdorf: Naturschützer schlagen Alarm
Zahlreiche Interessierte, darunter Bürgermeister Karsten Fischkal (FW), seine Stellvertreter Günter Münch (FW) und Sabina König (Grüne) sowie Gemeinderäte der FW, Grüne und ABWI, folgten der Einladung. Besonders erfreut zeigte sich Scheppe über den Besuch von Baron Guido von Crailsheim. Als direkter Grundstücksangrenzer an das Wellnesshotel spricht er sich klar gegen den Bau eines Wellnesshotels aus.
Bund Naturschutz Bayern: Die Welt des „Ziegenanger“
Helmut König, Vorsitzender der Kreisgruppe Höchstadt-Herzogenaurach des Bund Naturschutz, nahm die Gäste in beeindruckenden Bildern mit in die Welt des „Ziegenanger“. Die feuchten, extensiv genutzten Mähwiesen bieten einen wertvollen Lebensraum für zahlreiche Tier- und Pflanzenarten. Besonders hob er die überregionale Bedeutung des Gebiets hervor: Hier befindet sich das letzte nordbayerische Brutvorkommen der Uferschnepfe mit derzeit zwei bis drei Brutpaaren. Auch der Kiebitz, Vogel des Jahres 2024, ist hier noch als Brutvogel anzutreffen – eine Seltenheit im Landkreis.
Doch nicht nur die Vielfalt der Vogelwelt macht das Schutzgebiet so wertvoll. König erläuterte, dass es im Landkreis acht Vogelschutzgebiete gibt, die für den Erhalt bedrohter Arten eine essenzielle Rolle spielen. Maßnahmen wie das Anlegen feuchter Mulden sollen dazu beitragen, den Lebensraum für Wiesenbrüter zu verbessern. „Die Menschen engen die Natur immer mehr ein“, mahnte er und lobte gleichzeitig die Zusammenarbeit mit der Kommune.
Neben der Schönheit und Schutzwürdigkeit des „Ziegenanger“ wurden auch die Herausforderungen für das Gebiet thematisiert. König wies auf die negativen Auswirkungen der Autobahnerweiterung hin: „Hier sind wertvolle Flächen verloren gegangen.“ Auch künftige Bauprojekte könnten den empfindlichen Naturraum weiter beeinträchtigen.
Biologe Jochen Reim aus Nürnberg, der seit 1978 Wasserproben aus den Weihern entnimmt, sprach über langfristige Veränderungen in der Landschaft. Er erinnerte in einem Film – vor 29 Jahren von ihm erstellt – an frühere Auseinandersetzungen um Großprojekte, etwa den geplanten Golfplatz in den 1990er-Jahren, der durch ein Bürgerbegehren verhindert wurde. Die Situation heute sei ähnlich. „Vom ökologischen Gleichgewicht der Natur ist der Mensch abhängig“, betonte er und rief zu einem verantwortungsvollen Umgang mit der Landschaft auf.
Wellnesshotel oder Kulturlandschaft in Neuhaus
In der Diskussionsrunde drehte sich alles um den Bau des Wellnesshotels und dessen Auswirkungen. Tim Scheppe moderierte souverän die Veranstaltung, in der Gegner und Befürworter ihre Argumente in zum Teil heftig geführten Debatte austauschten. Guido von Crailsheim machte deutlich: „Es ist die letzte wunderbare Kulturlandschaft in Neuhaus und man darf sie nicht zerstören.“ Er bedankte sich beim Bürgermeister für die transparente Vorgehensweise und die offenen Worte.
Auch Arthur Zwanzger, einer der Initiatoren gegen das Bauvorhaben, äußerte seine Bedenken gegen den Bau des Hotels. Ihm sei der Erhalt dieser natürlichen Umgebung wichtig, die er oft bei Spaziergängen genieße. „Wir müssen solche Rückzugsorte für Mensch und Natur bewahren, statt sie zu verbauen“, sagte er. Gemeinderat Norbert Birkner plädierte für einen sachlichen Dialog: „Redet bitte miteinander und findet einen Kompromiss.“ Auch die Möglichkeit eines Bürgerbegehrens wurde angesprochen. „Wir werden diesbezüglich mit dem Bürgermeister Kontakt aufnehmen“, war aus der Versammlung zu hören.
So äußert sich Bürgermeister Karsten Fischkal
Bürgermeister Karsten Fischkal ging auf eine Frage ein, die ihm immer wieder gestellt wird: Warum wurde das Verfahren überhaupt eingeleitet? Er erklärte: „Es ist das Recht eines jeden, ein Bauvorhaben bei der Gemeinde einzureichen. Der Gemeinderat hat das Verfahren gebilligt und nun wird es auf sachlicher Ebene bewertet.“
Dabei betonte er, dass die Gemeinde das Thema sehr ernst nehme und mit großer Sorgfalt abwäge. „Es gibt nicht nur Gegner des Projekts, sondern auch Befürworter. Beide Seiten haben berechtigte Argumente, die gehört und berücksichtigt werden müssen“, so Fischkal. Für den Bürgermeister gibt es zwei zentrale Fragestellungen, die beantwortet werden müssen: der Naturschutz und das Thema Immissionen durch die nahe Kräutertrocknungsanlage.















