Der Streit zwischen zwei Familien auf einem Spielplatz am Osterwochenende schlug in Kronach hohe Wellen. Die Polizei versucht weiterhin, den Tathergang zu ermitteln. "Wir müssen viele Zeugenaussagen auswerten, um den Tathergang zu konstruieren," so Dominic Leicht von der Pressestelle des Polizeipräsidiums Oberfranken.
Zu denjenigen, die befragt wurden, zählen auch Melanie S. und ihre Schwester. Das Video, das Melanie S. während des Vorfalls drehte, stellte ihr Mann Michael ins Netz. Es ging beinahe sofort viral, wurde unzählige Male geteilt und somit verbreitet. Die Polizei forderte ihn jedoch auf, das Video aus Facebook zu entfernen, da es die syrische Frau und ihre Töchter deutlich erkennbar zeigt.
Bisher wurde über den Vorfall bekannt, dass ein Streit zwischen Kindern und danach zwischen deren Müttern eskalierte und es zu Handgreiflichkeiten kam. Melanie S. und ihr Baby begaben sich als Folge davon ins Krankenhaus. Sie schildert uns den Vorfall so:
Mutter Melanie S.: "Mein Bauchgefühl sagte mir, dass die Sache noch nicht ausgestanden ist"
"Ich war mit meiner Schwester und meinen drei Kindern auf dem Spielplatz. Meine Tochter war mit anderen Kindern in der Rutsche. Da war auch dieses syrische Mädchen. Meine Tochter ist nicht gerutscht, oder hat die Rutsche nicht schnell genug verlassen. So genau weiß ich es nicht. Da beschimpfte sie das syrische Mädchen mit dem Wort ‘Hurentochter’. Mein Kind kam zu mir und ich riet ihr, dem syrischen Mädchen aus dem Weg zu gehen und einfach nicht hinzuhören. Etwa eine halbe Stunde danach sah ich meinen sechsjährigen Sohn rennen. Das syrische Mädchen, etwa 12 oder 13, verfolgte ihn, stieß ihn zu Boden und schlug ihm ins Gesicht. Eine Mutter, die sich ebenfalls auf dem Spielplatz befand, kam meinem Sohn zu Hilfe und ich bin mit meinem Kleinen auf dem Arm ebenfalls hingerannt. Ich hab das Mädchen gepackt und sie wollte wegrennen. Daraufhin beschimpfte sie mich."
Melanie S. habe ihr erklärt, sie könne keinen Jungen schlagen, der nur halb so groß wie sie sei. Nun sei auch die Mutter des syrischen Mädchens dazugekommen und habe sie an den Haaren gepackt, um sie von ihrer Tochter wegzuziehen. Die Mutter, die schon ihrem Sohn zu Hilfe gekommen sei, habe nun auch ihr geholfen. Daraufhin sei die Frau aus Syrien "davongetrottet." Etwa 20 Minuten lang habe Ruhe geherrscht. "Doch mein Bauchgefühl sagte mir, dass sie vielleicht mit Verstärkung wiederkommt."
"Meine Familie stand zwei Tage lang unter Schock"
Und das sei dann tatsächlich auch passiert. "Sie hatte ihre beiden größeren Töchter im Schlepptau und ich sagte noch zu meiner Schwester, dass die sich jetzt entweder entschuldigen, oder wir bekommen gleich eine aufs Maul. Ich stillte gerade meinen Sohn, da kamen sie schon zu dritt auf mich zu. Ich stellte schnell noch die Videofunktion meines Handys an, da schlug die Mutter auch schon auf mich ein. Aus Reflex hab ich mich natürlich über mein Baby gebeugt. Ich kann nicht sagen, wie lange das alles gedauert hat. Meine Schwester hat aus Angst nicht eingegriffen, sie hatte selber ein kleines Kind dabei, aber sie hat nach Hilfe gerufen. Daraufhin kam die Mutter wieder, die uns schon einmal geholfen hatte. Sie ist Erzieherin und wollte nicht tatenlos zusehen." Diese habe versucht, die syrische Frau von ihr wegzuziehen und hätte sich dabei ebenfalls Tritte und Prügel eingehandelt. "Meine Schwester rief zwischenzeitlich die Polizei. Da ließ die syrische Frau endlich von mir ab und wollte fliehen. Ein Mann lief hinter ihr her. Er verfolgte sie, um zu sehen, wo sie hingeht."
Noch immer klingt Melanie aufgebracht. "Es ist echt krass, dass sie ihre eigenen Töchter holt, um auf mich einzuschlagen. Ich hab die Frau nicht angefasst, aber sie war aggressiv, zeigte überhaupt keine Reue. Zwei Tage stand meine ganze Familie unter Schock. Meine Kinder trauen sich nicht mehr auf einen Spielplatz und meine Tochter hat Angst, zur Schule zu gehen."
Gegen mehrere Beteiligte wird unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung ermittelt
Wesentlich kürzer und fassen sich die Ermittlungsbehörden. Hier heißt es, dass die genauen Hintergründe der Auseinandersetzung derzeit Gegenstand einer laufenden Ermittlung der Polizei Kronach seien. "Beamte vernehmen aktuell zahlreiche Beteiligte und sichern relevante Beweismittel. Einzelne Familienangehörige mit deutscher und syrischer Herkunft sowie eine schlichtende 36-jährige Frau erlitten nach aktuellem Stand leichte Verletzungen und begaben sich selbstständig in ärztliche Behandlung. Die Polizei traf die involvierten Personen noch vor Ort an. Gegen mehrere Beteiligte wird nun unter anderem wegen des Verdachts der gefährlichen Körperverletzung in Tateinheit mit Beleidigung ermittelt."
Das Video, das Melanie gemacht hatte und das von ihrem Mann Michael ins Netz gestellt wurde, wurde mittlerweile wieder daraus entfernt. Doch bis dahin wurde es unzählige Male geteilt. In der kurzen Sequenz sieht man tatsächlich eine syrische Frau, die entschlossen mit ihren beiden Töchtern auf Melanie zugeht. Danach ist das Bild arg verwackelt und Schreie sind zu hören. Der genaue Tathergang lässt sich daher nur aufgrund der Zeugenaussagen rekonstruieren. Deshalb bleibt unter anderem auch noch die Frage offen, weshalb nicht noch mehr Personen, die sich auf dem Spielplatz befanden, in den Vorfall eingegriffen haben?













