Wald- und Vegetationsbrände bringen die Feuerwehren immer mehr ans Limit. Seit März 2011 bis Dezember 2024 waren die Feuerwehrmänner und -frauen im Landkreis Kronach im Durchschnitt 15-mal pro Jahr wegen Waldbränden im Einsatz. Jetzt wurde im Landkreis ein Konzept für Vegetations- und Waldbrandbekämpfung erstellt, das auf drei Säulen beruht: Ausbildung, Einsatz und Informationen.
In den nächsten Jahren soll das Konzept möglichst vielen aktiven Feuerwehrmännern und -frauen nähergebracht werden. 16 Aktive aus den Feuerwehren Förtschendorf, Steinwiesen, Dörfles, Nordhalben, Küps und Weißenbrunn haben den Lehrgang bereits erfolgreich beendet.
Feuerwehrleute im Kreis Kronach bereiten sich gezielt auf Gefahr vor
Der Förtschendorfer Kommandant André Wicklein und seiner Küpser Kollege Markus Reischl vermitteln in ihrer Freizeit federführend die Lerninhalte. Sie halten es für notwendig, ihre Feuerwehrkameraden auf diesem Gebiet weiterzubilden. Als einen Grund dafür nennen sie die klimatischen Veränderungen. Diese sind unter anderem mit höheren Temperaturen, fehlenden Niederschlägen und Trockenheit verbunden, was die Brandgefahr steigen lässt. „Daher müssen sich die Feuerwehren auf immer extremere Schadensereignisse einstellen“, sagt Andrè Wicklein. „Die Kameraden sind kompetent und sehr engagiert!“
Wicklein war der Initiator für das Erstellen des Konzeptes. Vor knapp drei Jahren gab es einen großen Vegetationsbrand bei Emmersheim, wie er erzählt. Markus Reischl war seinerzeit der Einsatzleiter. Damals habe er beim Ablauf der Brandbekämpfung Handlungsbedarf erkannt. Dass jeder Löschzug sein eigenes Ding mache, ist aufgrund der zunehmenden Gefahren keine Option mehr, meint Wicklein. „Wir mussten und müssen etwas tun und unsere Einsatztaktik optimieren!“
Im Januar 2024 ist unter seiner Federführung eine Arbeitsgruppe „Waldbrand“ mit Dominic Welscher, Markus Reischl und Christian Wick ins Leben gerufen worden. Rund 1000 Stunden wurden ehrenamtlich in die Vorbereitungen des Konzeptes investiert. Dabei hat man sich auch mit den Feuerwehrkameraden aus den Landkreisen Coburg, Lichtenfels und Cham ausgetauscht. Es habe sich herausgestellt, so Reischl, dass durchaus Wissensdefizite zum Thema Vegetations- und Waldbrandbekämpfung vorlagen. Im Mittelunkt des neuen Konzepts steht nun eine einheitliche Ausbildung der Feuerwehrleute. Hier die Antworten auf die wichtigsten Fragen zum neuen Konzept.
Frage 1: Warum arbeitet die Wehr bei einem Waldbrand anders?
André Wicklein betont, dass bei einem Vegetations- und Waldbrand anders vorgegangen werden müsse als bei einem Zimmerbrand. Es seien andere Herausforderungen.
Beispielsweise müssten bei einer Waldbrandbekämpfung abseits von Versorgungseinrichtungen große Mengen an Löschwasser bereitgestellt werden. Teilweise wird auch das Erreichen der Einsatzstelle aufgrund von nicht vorhandenen Orientierungsmöglichkeiten, wie Straßenschildern, erschwert.
Weiterhin geht es um die Löschmannschaften, die das Bodenfeuer bekämpfen, Wundstreifen anlegen, Nachlöscharbeiten durchführen und eine Brandausbreitung verhindern sollen. Hier sind spezielle Waldbrandwerkzeuge und Taktiken von enormer Bedeutung. Nicht immer ist das Löschwasser in ausreichender Menge vorhanden oder sind die Brände mit den immer größer werdenden Fahrzeugen erreichbar.
Frage 2: Wie läuft der Lehrgang im Landkreis Kronach ab?
Der Grundlehrgang wird an sieben Tagen mit 30 Unterrichtsstunden durchgeführt. Aufgeteilt wird er in Theorie, Gruppenarbeiten und Praxis. Inhaltlich geht es um Einflussfaktoren für Waldbrände, um die Vegetation und Topografie, um Waldbrandarten, einsatztaktische Ansätze und Sicherheitsregeln.
In Absprache mit den jeweiligen Feuerwehren werden Schulungen beziehungsweise Einsatzübungen an verschiedenen Standorten durchgeführt. Es geht um den Gerätesatz, Beobachtungs- und Sicherheitsposten sowie die Sicherstellung von Rück- und Rettungswegen.
Weitere Inhaltspunkte waren die Grundlagen, also die Ursachen und Besonderheiten von Wald- und Vegetationsbränden, die gesetzlichen Anforderungen, die Analyse von Gefahren- und Risikogebieten, die Wasserversorgung und der Wassertransport sowie metereologische Aspekte. Wicklein erklärt hierzu: „Jeder Flächenbrand entwickelt sein eigenes Verhalten.“
Frage 3: Was ist beim Eigenschutz im Einsatz wichtig?
Auch über die persönliche Schutzausrüstung der Feuerwehrleute wurde gesprochen. Abgewogen werden muss hierbei zwischen der optimalen Schutzwirkung vor kurzzeitigem Flammenkontakt sowie Funkenflug und einem möglichst hohen Tragekomfort.
Natürlich dürfen Trinkflaschen nicht fehlen, denn bei körperlicher Arbeit in der Nähe von Feuer droht die Gefahr der Hitzeerschöpfung und der Dehydrierung.
Frage 4: Welche sind die nächste Schritte bei der Ausbildung?
Andre Wicklein und Markus Reischl wollen weiterhin Grundlehrgänge, Infoabende und Schulungen zur Vegetation- und Waldbrandbekämpfung im Landkreis Kronach durchführen. Zudem soll auch ein Waldbrand-Stammtisch ins Leben gerufen werden.
Eines ist sowohl für ihn als auch für Reischl klar: Für eine erfolgreiche Brandbekämpfung müssen neben einsatzfähigen Löschmannschaften auch weitere Akteure, wie die ILS-Leitstelle, mit im Boot sein. In diesem Zusammenhang bedanken sich die beiden Kommandanten auch bei Heinrich Roth aus Reuth/Weißenbrunn, der über eine Tonne Stroh für Übungen gespendet hat. Zudem ging ein Dank an Manfred Burdich von der AG Maintrailing Kronach, der die Flächen im ehemaligen Hartsteinwerk für praktische Übungen zur Verfügung gestellt hat.
Der Wunsch der beiden Kommandanten: „Am besten wäre es, wenn wir unser neues Wissen nicht anwenden müssten. Aber wenn, dann sind die Feuerwehren im Landkreis Kronach bereit!“
Mehr Infos gibt es unter: kfv-kronach.de













