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Zeitreise in die Vergangenheit
Freischießen: Vom Strauch zur Bierhütte
So wurde das Freischießen früher gefeiert.
So wurde das Freischießen früher gefeiert. // Archiv Stefan Wicklein
Kronach – Das Erscheinungsbild des Schützenfestes hat sich im Laufe der Jahrhunderte gewandelt. In Teil 1 unserer Serie "Historisches Freischießen" geht es um die Bierhütten: Was einst mit provisorischen Hütten aus Fichtenreisig begann, entwickelte sich zu dem Volksfest, das nun weit über die Grenzen des Frankenwaldes hinaus bekannt ist.

Helmut Rauch kennt die Geschichte des Kronacher Freischießens wie kein anderer. Sein Archiv gleicht einer Schatztruhe. Und genau in die hat er - wieder einmal - für uns gegriffen. Wir wollten vor allem wissen, wie die Bierhütten entstanden sind und tatsächlich existieren Aufzeichnungen darüber.  

Die ersten Schießstände auf der "Hofwiese" gab es schon 1497

Ein Blick auf die Plattform Wikipedia verschafft einen ersten Überblick.  Hier heißt es: "Die Schützengesellschaft Kronach gilt als eine der ältesten ihrer Art in Deutschland. Bereits 1497 wurden die ersten Schießstände auf der Hofwiese errichtet. Das erste Freischießen fand im Jahre 1588 statt. Seither verwandelt sich jedes Jahr die Hofwiese am Schützenhaus zum Festgelände." 

Ein "Sewald-Stand" um 1900.
Ein "Sewald-Stand" um 1900. // Archiv Helmut Rauch

Regelmäßig passiert das allerdings erst seit dem Jahr 1718, weiß Helmut Rauch. Da erhielt die Schützengesellschaft die Erlaubnis, das Freischießen jedes Jahr stattfinden zu lassen. Doch diese ersten "Schützenfeste" hatten natürlich nichts mit dem heutigen Erscheinungsbild zu tun.

Das "Schießhaus" bot nur Schutz vor Wind und Wetter

Aus dem Jahr 1804 findet sich im Archiv der Schützengesellschaft die Beschreibung eines Bamberger Bibliothekars, der "eine Hütte von Fichtenstrauch" erwähnt. Diese einfachen Hütten wurden nach dem Freischießen wieder abgerissen. Auch das "Schießhaus", das damals nur als Wetterschutz diente, teilte dieses Schicksal. 

Reise in die Vergangenheit: Freischießen früher.
Reise in die Vergangenheit: Freischießen früher. // Archiv Stefan Wicklein

Eine nicht ganz billige Geschichte, wie Helmut Rauch betont. "Denn Abriss und Aufbau kosteten jedes Mal rund 250 Gulden, das war damals eine ansehnliche Summe." 1833 schließlich wurde für das Schützenhaus ein fester Bau beantragt, doch der Baubeginn ließ auf sich warten. 1839 konnten die Pläne dann endlich realisiert werden. Die Bierhütten allerdings wurden dennoch weiterhin  jedes Jahr neu aufgebaut und abgerissen. Was natürlich enorme Kosten nach sich zog.

Endlich: Feste Bierhütten sind entstanden

Viel später, nämlich im Juli 1910, wurden dann drei feste Bierhütten eingeweiht, zu deren Bau man sich nun durchgerungen hatte. Gekostet hatten sie 5000 Mark.

So sahen die Bierhütten früher aus. Das Bild zeigt einen Zeitungsausschnitt von Hans Kremer aus dem Jahr 1980.
So sahen die Bierhütten früher aus. Das Bild zeigt einen Zeitungsausschnitt von Hans Kremer aus dem Jahr 1980. // Archiv Helmut Rauch

Zwei Jahre später gab es eine Entscheidung der Schützengesellschaft, dass in jeder der drei Hütten ein anderes Bier ausgeschenkt werden soll. Rauch macht in diesem Zusammenhang auf einen interessanten Auszug aus der Chronik aufmerksam: "Bei der Versteigerung der Bierhütten wurden eingenommen: Erste Bierhütte Heinrich Reuß aus Kronach: 10 Millionen, zweite Bierhütte Georg Schwämmlein aus Kestel: 8,3 Millionen und die dritte Bierhütte ging an die Gebrüder Kalb aus Ziegelerden für 11,6 Millionen.

Früher standen Akazienbäume neben der alten Gartenhalle. Das Bild zeigt einen Zeitungsausschnitt von Hans Kremer.
Früher standen Akazienbäume neben der alten Gartenhalle. Das Bild zeigt einen Zeitungsausschnitt von Hans Kremer. // Archiv Helmut Rauch
So sieht die Konzerthalle  heute aus.
So sieht die Konzerthalle heute aus. // Maria Löffler

1927 wurden die Bierhütten neu aufgebaut, so Rauch. "In den Kriegsjahren dann diente die rechte Hütte als Massenunterkunft für ausländische Zwangsarbeiter, die in der Fallschirmfabrik Kurt Peterhänsel beschäftigt waren. Ein ähnliches Schicksal teilten die anderen beiden Hütten." 

Nach dem Zweiten Weltkrieg herrschte Platzmangel am Freischießen und so mussten die Bierhütten durch Zelte vergrößert werden. Die Kaiserhof-Brauerei entschloss sich 1971 zum Bau einer größeren Hütte, die rund 1400 Besucherinnen und Besucher fassen konnte.

1971 wurde die kleine Bierhütte der Kaiserhof-Brauerei durch die fast doppelt so große ersetzt.
1971 wurde die kleine Bierhütte der Kaiserhof-Brauerei durch die fast doppelt so große ersetzt. // Maria Löffler

Im Jahr darauf schon, also 1972, zog die Leiner-Brauerei nach und schuf Platz für 1600 Freischießengäste.

Der Schützenstadl der Gampert-Bräu.
Der Schützenstadl der Gampert-Bräu. // Maria Löffler

Ebenfalls in den 70er Jahren - genauer 1977 - wurden Konzerthalle und Musikpavillon renoviert. 

Der Musikpavillon wurde 1977 renoviert.
Der Musikpavillon wurde 1977 renoviert. // Maria Löffler

Das Freischießen heute bietet ein ganz anderes Bild: Menschenmassen, Attraktionen aller Art, globaler Genuss. Eines jedoch hat Bestand, nämlich das deutsche und das bayerische Reinheitsgebot, nach dem auch jetzt noch die Biere für das Freischießen gebraut werden. In diesem Jahr sind es traditionell wieder zwei Brauereien, die ihr eigens gebrautes Schützenbier ausschenken: Es gibt Gampert und Kaiserhöfer. 

 

 

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