Für unser Gespräch erwischen wir Koch Tobias (Holly) Holland zwischen Tür und Angel. Er ist gerade dabei, die Küche des Schützenhauses für das abendliche Geschäft vorzubereiten. Derzeit steht er da am Herd, wuppt aber auch mit Frau Nadja und Stieftochter Lea Veranstaltungen im Treuner in Rothenkirchen, den seine Frau gepachtet hat.
Doch wie kam es zu diesem Spagat, und was steckt dahinter? Und noch wichtiger: Bleibt er jetzt endgültig im Schützenhaus, das er eigentlich schon vor gut eineinhalb Jahren nach dem Ausscheiden von Markus Häßler als Unterpächter selbst hätte übernehmen sollen?
"Wir haben uns dieser Herausforderung gemeinsam als Familie gestellt"
Holly klingt total emotional, er versucht, seine Gefühle unter Kontrolle zu halten. Das Schützenhaus triggert ihn nach all der Zeit immer noch, gibt er zu. Aber es gibt einen Grund, warum er und seine Familie für einen bestimmten Zeitraum dorthin zurückgekehrt sind. Und der hat natürlich etwas damit zu tun, dass der für die Freischießen-Zeit eingeplante Koch kurzfristig abgesprungen ist - aber nicht nur.
"Der Vertriebsleiter der Gampert, Marc Jungkunz, hat mich angerufen. Er erzählte mir, dass der Koch kurzfristig abgesagt hat und sie jemanden bräuchten, der einspringen könnte. Kurz danach meldete sich auch Phillip Herpich bei mir." Holly konnte nach eigenen Worten diese Entscheidung nicht sofort und schon gar nicht im Alleingang fällen. Seine Frau habe aus gutem Grund ihre Vorbehalte eingebracht, "aber letzten Endes stimmte sie zu, weshalb wir uns dieser Aufgabe auch gemeinsam gestellt haben."
Eintauchen in die Vergangenheit, um die Zukunft meistern zu können
Um diesen Schritt, die Gründe und die Folgen nachvollziehen zu können, müssen wir kurz in die Vergangenheit eintauchen. 1. Januar 2022: Die Höbi Group von Markus Häßler zieht ins Schützenhaus. Mit vielen Ambitionen und jeder Menge Ideen versuchen er und seine Mannschaft, sich der Herausforderung zu stellen. Immer an seiner Seite: Sein Koch und Freund Holly. Der steht auch noch zu ihm, als alles den Bach runter geht. Das Schützenhaus und das Treuner in Rothenkirchen, das für Häßler eigentlich ein Rettungsanker sein sollte. Doch kurz danach ist er da auch schon wieder raus, muss am Ende Insolvenz anmelden.
Holly löst sich von Markus Häßler, macht mit Frau und Stieftochter alleine im Treuner weiter - und das mittlerweile mit sehr großem Erfolg. Was bleibt, ist ein bitterer Nachgeschmack für Tobias Holland, denn die anfängliche Männerfreundschaft endet mit Vorwürfen und einer tiefen Enttäuschung. Holland stellt fest: "Ich kann gar nicht sagen, wie wütend ich noch noch bin. Darüber, wie alles gelaufen und ist und dass ich nie im Schützenhaus einen Abschluss finden konnte."
Denn eigentlich hatte auch die Gampert Bräu Holly als Pächter im Visier. Er sollte das Schützenhaus nach Häßlers Weggang übernehmen. "Aber da ist einfach zu viel passiert. Ich wollte nur noch raus, sonst wäre ich an den Folgen kaputt gegangen." Worauf Holly anspielt, ist der Shit-Storm, den Häßler ein ums andere Mal auf sich gezogen hatte. Holly bezeichnet es als "regelrechte Hexenjagd". Und die machte auch vor ihm nicht Halt. Er hielt zwar lange zu Häßler, verteidigte ihn sogar immer wieder, "aber irgendwann war einfach Schluss bei mir. Ich musste mich lösen, um nicht noch mehr Schaden zu nehmen."
"Den Treuner werden meine Familie und ich nicht aufgeben"
Der Abstand, den er im Treuner gewinnen konnte, habe ihm gut getan, versichert er. "Aber das Schützenhaus hat mich nie so richtig losgelassen. Und das Freischießen ist einfach etwas ganz Besonderes." Und so kam es, dass er dort - wenn auch nur für kurze Zeit - wieder am Start ist. Denn eines macht Holly sehr, sehr deutlich: "Es ist nur eine Rückkehr auf Zeit. Ich werde nicht bleiben!" Die Worte klingen endgültig. Er versichert: "Ja, das haben meine Familie und ich so entschieden, das wird sich auch nicht ändern." Den Treuner, so sagt er, wollten er und seine Familie auf keinen Fall aufgeben.
"Der neue Käufer aus der Oberpfalz hat unser Bleiben sogar zur Bedingung im Kaufvertrag gemacht." Holly klingt stolz auf das Erreichte und auch wesentlich entspannter als noch vor einem oder zwei Jahren. Der Halt, den seine Familie und sein Team ihm geben, tue ihm extrem gut, sagt er.
"Ich habe damals keinen richtigen Abschluss im Kronacher Schützenhaus gefunden"
Warum das Thema Schützenhaus überhaupt aufgeploppt ist, liegt an dem Umstand, dass Phillip Herpich, der nach der Höbi-Group als Unterpächter eingestellt worden war, zum Jahresende 2025 seinen Vertrag mit der Gampert Bräu gekündigt hat. Auch seine Entscheidung, versicherte Herpich in einem Interview, sei unumstößlich. Da drängte sich ein Gedanke ja förmlich auf, nämlich dass Holly nun doch noch im Schützenhaus als Unterpächter fungiert.
Dieses Thema ist vom Tisch, aber warum kehrte er dann überhaupt in die Küche des Schützenhauses zurück? "Ich habe damals keinen Abschluss gefunden. Es war so viel vorgefallen, es wurde so viel Porzellan zerschlagen. Nun konnte ich viele Dinge klären, konnte sie aufarbeiten, mich mit Leuten aussprechen, die damals ebenfalls betroffen waren." Eine lange Pause folgt diesen Worten, er ringt erneut um Fassung. Der Blick in die Vergangenheit ist auch ein schmerzhafter, das sieht man ihm an.
Hollys Wunsch: "Es sollen nur noch die guten Erinnerungen bleiben"
Und vielleicht auch deshalb möchte Holly keine Hoffnungen schüren bei den Leuten, die ihm immer die Stange gehalten haben. Unsere Zeitung hatte die Nachricht, dass Holly wieder in der Schützenhausküche steht, in die Berichterstattung beim Bieranstich einfließen lassen. Fast sofort brachten seine Fans diese Hoffnung in Form von unzähligen positiven Facebook-Kommentaren zum Ausdruck. Auch wenn ihn das unheimlich berührt, sei seine Entscheidung unumstößlich, betont er. Sein Dank am Ende gilt deshalb nicht nur seiner Familie und seiner treuen Fangemeinde, sondern auch dem Gampert-Vertriebsleiter Marc Jungkunz, Festwirt Phillip Herpich und Schützenmeister Jörg Schnitzler. "Sie haben auch in schwierigen Zeiten zu mir gehalten."
Für Holly und seine Familie wird am Sonntagabend seine Erinnerungsreise zu Ende gehen. Einmal noch tauchte er dort ein, wo der Kronacher Herzschlag im August am stärksten zu spüren ist, nämlich auf dem Freischießen. Danach sollen nur noch gute Erinnerungen bleiben, nämlich daran, wie viele Gäste sein Essen lobten, das er und seine Familie für die Gäste des Schützenhauses zubereitet haben. "Die Karte stand leider schon, daran konnte ich nicht viel ändern. Aber wir haben trotzdem etwas 'Treuner-Style’ einbringen können." In Form von Pfefferhaxen zum Beispiel oder einer leckeren Currysoße zur Wurst.
"Ich bin Koch und das ist das Leben, das ich führe"
Am Ende wird Holly aber regelrecht kryptisch. Eine weitere Entscheidung in seinem Leben und dem seiner Familie stehe an. Eine, die ihm noch einmal eine andere Richtung geben könnte. "Aber ich darf leider noch nichts verraten." Es bleibt also spannend um Tobias Holland. Am Ende resümiert er: "Außer Gastro habe ich nichts gelernt. Ich bin nun mal Koch, aber leicht oder einfach ist dieses Leben nicht. Und es macht dich auch nicht reich. Aber es ist das Leben, das ich habe - und meine Familie und ich, wir machen das Beste daraus."

















