0
"Es geht um jeden von euch"
Gefahren von Drogen: Wie Kronacher Schüler aufgeklärt werden
Drogenprävention am Kaspar-Zeuß-Gymnasium Kronach
Matthias Lange, Präventionsbeauftragter der Kriminalpolizei Coburg, nimmt sich sehr viel Zeit für die Schüler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums. // Daniela Pondelicek
Drogenprävention am Kaspar-Zeuß-Gymnasium Kronach
Ein Tafelbild, das Eindruck hinterlässt: Die Suchtmittel haben den ganzen Platz eingenommen - und sich über das gelegt, was die Schüler in ihrem Leben schätzen. // Daniela Pondelicek
Drogenprävention am Kaspar-Zeuß-Gymnasium Kronach
Matthias Lange ist Präventionsbeauftragter der Kriminalpolizei Coburg. // Daniela Pondelicek
Kronach – Eindringlich, aber ohne erhobenen Zeigefinger klärt Matthias Lange, Präventionsbeauftragter der Kriminalpolizei Coburg, Schüler des Kaspar-Zeuß-Gymnasiums über die Gefahren von Drogen auf. Wie er das Thema verständlich verpackt - und was er den Schülern auf den Weg gibt.

Baseballschläger und Handschellen sollten sich nach Möglichkeit nicht im Klassenzimmer befinden - doch am Kaspar-Zeuß-Gymnasium ist gerne eine Ausnahme gemacht worden: Matthias Lange, Präventionsbeauftragter der Kriminalpolizei Coburg, ist dort insgesamt drei Mal zu Gast, um die Schüler über die Gefahren von Drogen aufzuklären.

Drogenprävention: Matthias Lange will Aufmerksamkeit der Schüler behalten

Das klingt zunächst einmal so, als wäre das einer dieser Termine, bei denen Schüler mit den Augen rollen und ihn dann irgendwie über sich ergehen lassen. Nicht bei Matthias Lange: Er hat sich ein ganz eigenes Konzept überlegt, um die Jugendlichen bei Laune zu halten. "Würde ich mich einfach vor die Schüler stellen und einen Vortrag halten, dann würden sie spätestens nach einer Stunde wegdriften und nicht mehr zuhören", erklärt er. Und das wolle er auf keinen Fall: "Das Thema ist zu wichtig - da möchte ich auf keinen Fall an den Schülern vorbei arbeiten."

Zwar gebe es die ein oder andere Klasse, die sich dann doch nicht begeistern ließe. "Die möchten möglichst cool rüberkommen und schalten auf stur. Da breche ich dann auch meistens vorzeitig ab", erklärt er und zuckt mit den Schultern. "Doch die meisten Klassen erreiche ich ganz gut - deshalb bin ich  mit meinem Programm sehr zufrieden."

Drogenprävention: Schüler am KZG beantworten drei Fragen

Doch was beinhaltet eigentlich sein "Programm"? Nun, wer erwartet, dass er sich mit erhobenem Zeigefinger hinstellt oder schockierende Schreckensszenarien aufzeigt, der täuscht sich: Es wird viel gerätselt und gelacht - und einige Zeit scheint es überhaupt gar nicht um Drogen zu gehen. 

Auf einen Zettel soll jeder Schüler für sich drei Fragen beantworten: Lange will wissen, was die Schüler gerne in ihrer Freizeit machen, wie sie sich ihre private und berufliche Zukunft vorstellen und was ihnen im Leben wirklich wichtig ist. Die Zettel werden schließlich an die Tafel gehängt, und einige Schüler stellen ihre Antworten vor.

Drogenprävention am Kaspar-Zeuß-Gymnasium: Lange zeigt die Folgen von Drogenkonsum

Und die könnten nicht unterschiedlicher sein: Einige sind im Ehrenamt aktiv, andere spielen ein Instrument oder machen gerne Sport. Einige der Schüler sehen sich später beruflich in der Pathologie, andere wollen Lehrer werden oder Tierarzt. Nicht jeder wünscht sich eine eigene Familie, aber einige sehen sich in einem eigenen Haus oder in der Großstadt, oder möchten einfach nur finanzielle Stabilität. Und wenn's darum geht, was wirklich wichtig ist, dann wird neben den Freunden oder der Familie auch gerne Ehrlichkeit, Freundlichkeit oder Gesundheit genannt.

Doch was all das gemeinsam hat: Kommen die Drogen ins Spiel, dann ist es damit schnell vorbei. Und das wird schlussendlich auch am Tafelbild deutlich: Stück für Stück legen sich die einzelnen Suchtmittel über die Zettel der Schüler, und das so lange, bis das, was ihnen im Leben wirklich wichtig ist, vollständig verdeckt ist.  "Es geht um jeden einzelnen von euch und um euer Leben", macht Matthias Lange den Schülern klar.  Auch die Methoden und Tricks von Dealern werden spielerisch aufgeschlüsselt. 

Schüler des KZG von Unterrichtsstunde mit Matthias Lange begeistert

"Ich habe schon oft gesehen, wie die Sucht ganze Leben zerstören kann. Und das will ich zeigen - aber ohne die Schüler zu belehren", erklärt Matthias Lange. Und sein Plan geht auf: "Mir hat es total gut gefallen, ich habe sehr viel gelernt", erzählt die 13-jährige Fabiana am Ende der Stunde. Luciano, ebenfalls 13, habe vor dem Vortrag zwar schon ein Grundwissen gehabt. "Aber jetzt weiß ich definitiv mehr - und es war auch sehr witzig."

Für den 14-jährigen Philipp seien viele Vorurteile abgebaut worden: "Ich hätte zum Beispiel nie gedacht, dass dann doch so viele Menschen am Tabakkonsum sterben", erklärt er. Die Sterbefallstatistik - sortiert nach Suchtmittel - habe auch Nico, ebenfalls 14 Jahre alt, beeindruckt: "Den Teil fand ich wirklich interessant, denn das war mir so noch nicht bewusst." Klingt also so, als hätte Matthias Lange sein Ziel erreicht. "Uns geht es schließlich nicht nur darum, durch Vorträge wie diesen Straftaten vorzubeugen - wir wollen vor allem die Gesundheit der Jugendlichen schützen", erklärt er.

Hintergrund: Drogenprävention am Kaspar-Zeuß-Gymnasium

Allgemeines: Beim Vortrag von Matthias Lange soll es nicht bleiben: Am Kaspar-Zeuß-Gymnasium sind weitere Veranstaltungen zur Drogenprävention geplant.

Schüler: Für die Schüler ist zudem der Workshop "Cannabis - quo vadis?" in Zusammenarbeit mit dem Jugendamt geplant. 

Eltern: Doch auch die Eltern sollen sensibilisiert werden: Matthias Lange, Präventionsbeauftragter der Kriminalpolizei, wird sie an einem Elternabend über die Gefahren von Drogen aufklären. Das Thema lautet "Der Stoff lässt Träumer Träumer bleiben".

Lesen Sie auch:

Inhalt teilen
  • kopiert!