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Pädagogin beantwortet Fragen
Vorfälle im Kindergarten: Was Eltern jetzt wissen müssen
Portraitfoto Pädagogin Dr. Anke Elisabeth Ballmann
Dr. Anke Elisabeth Ballmann setzt sich seit 30 Jahren für kindgerechtes Lernen und gewaltfreie Erziehung ein. Bei ihren Recherchen in deutschen Kindergärten hat sie teils massive Missstände aufgedeckt. // Hannelore Kirchner
Steinbach am Wald/Schmölz – Nach den Vorfällen in den Kindergärten in Steinbach am Wald und Schmölz sind Eltern beunruhigt. Pädagogin Anke Elisabeth Ballmann beantwortet die drei wichtigsten Fragen, die Eltern jetzt durch den Kopf gehen.

Der erste Tag im Kindergarten ist meistens hochemotional: Für die Kinder ist es oft das erste Mal, dass sie sich in einer fremden Umgebung ohne ihre Eltern zurechtfinden müssen. Doch auch für die Eltern ist der erste Kindergartentag eine kleine emotionale Achterbahnfahrt: Einerseits sind sie stolz, weil sie sehen, wie ihr Kind die ersten Schritte in Richtung Selbstständigkeit gehen - andererseits schwingt aber auch immer Sorge mit, weil sie ihr Kind nicht selbst behüten können.

Nach Vorfall in Kindertagesstätte in Schmölz (Marktgemeinde Küps): Das rät eine Pädagogin verunsicherten Eltern

Dass sich in der Region momentan die Meldungen über Vorfälle in Kindertagesstätten und Kindergärten häufen, macht das Gefühlschaos derzeit wohl perfekt: Anfang des Jahres hat es einen Verdachtsmoment im Kindergarten Steinbach am Wald gegeben - bestätigen konnten sich die Vorwürfe gegen zwei Erzieherinnen des Kindergartens schlussendlich nicht.

Lesen Sie hier die Hintergründe zu den jüngsten Entwicklungen am Kindergarten in Steinbach am Wald:

Nun hat es in Schmölz (Marktgemeinde Küps) erneut den Verdacht gegeben, dass eine Erzieherin dafür verantwortlich ist, dass sich ein Kind Verletzungen zugezogen hat. Konkret geht es um ein 17 Monate altes Kind, das mit einer Schädelprellung, Hämatomen und Kratzverletzungen aus der Kindertagesstätte nach Hause gekommen ist.

Neue Details zum Fall und die Reaktion des Dekanats lesen Sie hier:

Doch nicht nur im Kreis Kronach dringen beunruhigende Nachrichten an die Öffentlichkeit: Im Kreis Forchheim sitzt ein 51-jähriger Pfleger in Untersuchungshaft, weil er unter Verdacht steht, ein 5-jähriges Mädchen in einer Kindertagesstätte im Landkreis unsittlich berührt zu haben.

Lesen Sie hier, was es mit diesem Fall auf sich hat:

In den sozialen Medien hat es nach den jüngsten Ereignissen eine Welle der Empörung gegeben - in den Kommentaren ist nicht nur Anteilnahme geäußert worden, sondern auch ernsthafte Zweifel daran, ob es überhaupt eine gute Idee ist, das eigene Kind in den Kindergarten zu bringen. Pädagogin Anke Elisabeth Ballmann setzt sich seit 30 Jahren für gewaltfreie Erziehung und kindgerechtes Lernen ein. Sie hat über 500 Kindergärten besucht, um in ihrem Buch "Seelenprügel - Was Kindern in Kitas wirklich passiert und was wir dagegen tun können" Missstände aufzudecken. Für unsere Zeitung hat sie die beiden Verdachtsmomente in Schmölz und Steinbach am Wald unter die Lupe genommen.

Lesen Sie hier den ganzen Artikel:

Im Interview mit unserer Zeitung hat sie aber auch erklärt, was Eltern jetzt wissen müssen.


In diesem Artikel lesen Sie:

  1. Können Eltern ihre Kinder bedenkenlos in den Kindergarten bringen?
  2. Woran erkennen Eltern, dass ihrem Kind beim Besuch im Kindergarten etwas widerfahren ist?
  3. An wen können Eltern sich wenden, falls sie einen Verdacht haben?

1. Können Eltern ihr Kind bedenkenlos in den Kindergarten bringen?

Anke Elisabeth Ballmann: Angst ist kein guter Ratgeber. Wissen müssen wir, es gibt keine Garantien im Leben, für nichts. Wir dürfen lernen, Unsicherheiten auszuhalten und Verantwortung zu übernehmen. Das bedeutet:  Eltern sollten sich nicht scheuen, einen offenen Austausch mit den Erzieherinnen zu pflegen. Ein vertrauensvolles Verhältnis zwischen Eltern und Betreuungseinrichtung ist entscheidend. Es ist wichtig, auf die Zeichen des Kindes zu achten und regelmäßig zu hinterfragen, ob sich das Kind wohlfühlt. Letztlich hängt es auch von der individuellen Situation ab.

2. Woran erkennen Eltern, dass ihrem Kind beim Besuch im Kindergarten etwas widerfahren ist?

Anke Elisabeth Ballmann: Kinder äußern sich oft nicht direkt, aber es gibt subtile Anzeichen, auf die Eltern achten sollten. Dazu gehören plötzliche Verhaltensänderungen wie Rückzug, Schlafstörungen, Einnässen, vermehrtes Weinen oder Aggressivität. Auch das Vermeiden bestimmter Personen oder Kita-Verweigerung kann ein Indiz sein. Körperliche Symptome wie unerklärliche Verletzungen oder häufige Bauchschmerzen können ebenfalls ein Hinweis sein. 

3. An wen können Eltern sich wenden, falls sie einen Verdacht haben?

Anke Elisabeth Ballmann: Bei Verdachtsmomenten sollte zunächst das Gespräch mit der Erzieherin oder der Leitung der Einrichtung gesucht werden. Bleiben Zweifel bestehen, können sich Eltern an den Träger der Einrichtung wenden. In manchen Fällen ist das Jugendamt der richtige Ansprechpartner, da es den gesetzlichen Auftrag hat, Kinder zu schützen. Eltern können auch Beratungsstellen wie Kinderschutzvereine oder psychologische Dienste aufsuchen, um Unterstützung zu erhalten.

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