Im menschlichen Körper geht nichts ohne die Hauptschlagader – der Straßenverkehr im Rodachtal wird bis Ende des Jahres allerdings ohne auskommen müssen. Mit großen Schritten geht es auf die Sperrung der B 173-Ortsdurchfahrt Marktrodach zu, die bei Bekanntgabe der Baumaßnahme von Marktrodachs Bürgermeister Norbert Gräbner als „Hauptschlagader im Rodachtal“ bezeichnet wurde. Und das nicht ohne Grund: Immerhin nutzen etwa 12.000 Verkehrsteilnehmer täglich diese Strecke, davon zählen etwa zwölf Prozent zum Schwerlastenverkehr.
Wird die menschliche Aorta gekappt, kommt es zum tödlichen Kollaps. Genau das soll bei der Verkehrsader allerdings nicht passieren – vielmehr wird versucht, den Verkehrsfluss in andere Bahnen zu lenken. Die Umleitungen müssen den Verkehr aber auch auffangen können, ohne zu verstopfen oder gar aus allen Nähten zu platzen.
Das hat allerdings zur Folge, dass der Weg für täglich etwa 12.000 Fahrer deutlich weiter wird.
Und das vor allem für jene Lastwagenfahrer, die von Kronach aus in Richtung Hof unterwegs sein werden: Sie sind angehalten, den wohl weitesten Bogen um Marktrodach zu nehmen. Der führt sie zuerst über die B 85 nach Kulmbach und die B 289 Richtung Münchberg und schließlich über die A 9 und die B 15 nach Hof.
Starke Nerven notwendig
Der Selbsttest zeigt: Das braucht starke Nerven. Normalerweise würde die Fahrt etwa eine Stunde dauern, doch mit dem Umweg sind es bei regulärem Verkehrsaufkommen rund eineinhalb Stunden. Die Strecke ist ringsum von weiteren Baustellen gesäumt: Bei Friedrichsburg ist die B 85 halbseitig gesperrt – das heißt, die Fahrt hat gerade erst begonnen, schon muss sie an der Baustellenampel jäh unterbrochen werden. Insbesondere für Lastwagen birgt die Strecke noch eine Tücke bei Kupferberg im Landkreis Kulmbach, wo es nicht nur in steilen Kurven bergaufwärts geht. Auf Höhe des Hartsteinwerks liegen Staub und Steine in der Luft, das Sichtfeld ist zeitweise vernebelt. Die atemberaubende Aussicht dürfte da nur kurz trösten, denn im Ort selbst warten die nächsten Engstellen.
Schon jetzt zeigt sich, dass nicht jeder Verkehrsteilnehmer mit der dafür nötigen Portion Geduld ausgestattet ist. Nach der Baustellenampel in Friedrichsburg hält ein Traktor den Verkehr auf, was einen Lastwagenfahrer zu einem waghalsigen Manöver verleitet: Er will an einer unübersichtlichen Stelle überholen, übersieht den Gegenverkehr und muss notgedrungen wieder einscheren. Es ist auch der schnellen Reaktion der anderen Fahrer zu verdanken, dass eine Kollision ausbleibt. Und auf der A9 wird der Pannenstreifen von einem Autofahrer zweckentfremdet, der offenbar nicht warten will, bis die mittlere Spur zum Überholen der Lastwagen auf der rechten Spur frei ist.
Aber wo führt die Umleitung ab Donnerstag all jene hin, die gar nicht bis nach Hof wollen – sondern vielleicht einfach nur von Kronach nach Wallenfels oder zurück? Mit den bisher um die 20 Minuten Autofahrt ist es da ebenfalls noch lange nicht getan, denn es wird empfohlen, einen recht weiten Bogen in den nördlichen Landkreis zu schlagen. Von Wallenfels aus führt der Weg über die B 173 zunächst einmal nach Erlabrück und von dort aus über die Staatsstraße 2207 nach Steinwiesen und Nordhalben. Dort biegt man auf die Staatsstraße 2198 und kommt so erst einmal nach Tschirn, bevor es dann über die Staatsstraße 2200 unter anderem durch Effelter, Hesselbach und Wilhelmsthal wieder in den südlichen Landkreis und schließlich auch nach Kronach geht.
Straßen sind noch relativ leer
Auch hier wartet eine Berg- und Talfahrt, die insbesondere bei den Kurven in schwindelerregender Höhe vollste Konzentration abverlangt. Die Tatsache, dass derzeit noch nicht allzu viele Fahrer auf der Strecke unterwegs sind, wirkt vor allem nach dem hohen Verkehrsaufkommen und dem Schreckmoment auf der A 9 dennoch wie eine Wohltat. Doch klar ist auch, dass das nur die Ruhe vor dem Sturm sein wird, denn die Straßen werden wohl nicht so leer bleiben, wenn die Ortsdurchfahrt in Marktrodach erst einmal gesperrt ist.
Somit brauchen nicht nur die Autofahrer, sondern auch die Anwohner viel Geduld – und das nicht nur in Marktrodach selbst, sondern auch in den Gemeinden, durch die die Umleitung führt. Mit der Zufriedenheit der Verkehrssituation schaut es da völlig unterschiedlich aus: Im Heimatmonitor sind die Tschirner, mit einer Wertung von 5,15 die unzufriedensten im Landkreis Kronach. Die Nordhalbener haben in der Umfrage mit einer Wertung von 7,69 hingegen die besten Noten im Kreis Kronach vergeben, die verbleibenden Gemeinden auf den Umleitungsstrecken bewegen sich im landkreisweiten Mittelfeld. Es bleibt abzuwarten, ob sich an der Bewertung der Verkehrssituation während und nach der Sperrung etwas ändert.
Offen ist auch die Frage, was die Fahrer ab Donnerstag tun werden: Die ausgeschilderten Umleitungen fahren, Schleichwege nutzen oder eine Navigationsapp um Hilfe bitten? Vor allem bei Letzterem ist Vorsicht geboten: Im Praxistest hat Google Maps zur Auffahrt auf die A 9 bei Münchberg einen Weg durch Gottesdorf vorgeschlagen, der aufgrund einer Unterführung nur für Fahrzeuge unter einer Höhe von 3,2 Metern geeignet ist – ein Unding für Lastwagen, die diese Strecke hauptsächlich nutzen werden. Es empfiehlt sich also, längere Umwege in Kauf zu nehmen – und dabei die Geduld zu bewahren.














