Der Metallkäfig - er schwankt bedenklich im Wind. Besser man verdrängt, das er nur von vier kurzen Ketten gehalten an einem 70 Meter langen Ausleger hängt. Die Mitarbeiter der Firma aus Arnstein (Landkreis Main-Spessart) verschwenden daran keinen Gedanken mehr. Sie nutzen ihre freischwebende „Arbeitsbühne" fast täglich. Am Mittwochvormittag sicherten sie spontan die Kirchturmspitze von St. Bartholomäus Bad Brückenau. Nach Blitzeinschlag drohte akute Absturzgefahr mehrere Teile.
Drohnenflug offenbart akute Absturzgefahr
Karlheinz Schmitt von der Kirchenverwaltung zufolge wurde die Kirchturmspitze am Dienstag, 2. Juli per Flugdrohne in Augenschein genommen. Am Mittwoch zuvor war ein heftiger Blitz in die sogenannte Helmstange, die normalerweise die aktuell nicht installierten Turmkugel, Kreuz und Wetterhahn hält, sowie den Kamin eingeschlagen. Das hatte insbesondere die Elektronik im Kircheninnern lahmgelegt (wir berichteten).
Bei der Drohnenbefliegung kam nun heraus, dass der Blitz die hölzerne Helmstange besonders stark beschädigt hat, sie im Grund genommen zerbröselte. Nur Metallringe hielten sie noch zusammen. „Die Stange drohte, akut herabzustürzen", sagt Schmitt.
Kirchturmspitze sicher verpackt
Damit das nicht passiert, holten die Mitarbeiter der Arnsteiner Firma sie jetzt lieber herunter. Vorher sperrte der Bad Brückenauer Bauhof noch am Dienstagabend das Kirchenumfeld großzügig ab. „Es bestand ein relativ großes Gefahrenpotenzial für einen Drittschaden, der aber nun gebannt ist", sagt Schmitt.
Denn die Arbeiter verpackten und verklebten die unmittelbare Kirchturmspitze so in Folie, dass keine weiteren Teile herunterzufallen drohen. Der obligatorische Mittwochsgottesdienst fand derweil ausnahmsweise im benachbarten Pfarrheim statt. Am Sonntag schaut sich ein Gutachter die Kirchturmspitze an.
Blitzableiter haben Schlimmeres abgewendet
Karlheinz Schmitt ist überzeugt, dass die beiden Blitzableiter am Gotteshaus ihre Arbeit zuverlässig verrichtet haben. „Sonst hätte man über ein ganz anderes Schadensbild reden müssen", sagt er und meint damit einen Kirchenbrand. Die große Überspannung im Umfeld sei ja ein Zeichen dafür, dass die Ableitung der Energie funktioniert habe.
Auf dem Stadtfest war verschiedentlich zu hören, dass der Blitzeinschlag vom Mittwoch auch in die umliegenden Privathäuser ausstrahlte, bis in die Kapellengasse und die Fuldaer Straße hinein. Auch bei den Stadtwerken Bad Brückenau sind laut deren Geschäftsführer Torsten Zwingmann „diverse Gerätschaften in unseren Einrichtungen kaputtgegangen". Konkret nennt er vier Modems, ein Schutzgerät an einer Schaltstation und einen Sensor.
Schmitt: „Sehr hohes Schadensbild mit entsprechenden Kosten"
Auch Kunden an der Übergabestation zum Bayernwerk in der Römershager Straße seien betroffen gewesen. Die eigenen Schäden hätten die Stadtwerke an die zuständige Versicherung gemeldet.
Das hat auch die Kirchenverwaltung von St. Bartholomäus getan. Auch ohne den nicht eingetretenen feurigen Supergau sind die Schäden in der Stadtpfarrkirche beträchtlich. Schmitt spricht von einem „sehr hohen Schadensbild mit entsprechenden Kosten". Alle elektrischen Gerätschaften in der Kirche seien betroffen, die Elektronik der Orgel stark beschädigt, Mikrofonanlage und Liedanzeige ausgefallen.
Kirchturmuhr funktioniert notdürftig wieder
Aber auch am Dach, da wo sich der Kamin befindet, wurden Schäden festgestellt, so der Bad Brückenauer. „Ganze Ziegel sind kaputt und müssen ausgetauscht werden." Von den gekappten Internet- und Telefonleitungen ins Pfarrbüro hat diese Redaktion auch schon berichtet. Immerhin: Die ebenfalls in Mitleidenschaft gezogene Kirchturmuhr konnte notdürftig repariert werden.
Die nächsten Tage dürften durch die Sicherung und genauen Feststellung des Schadensbildes geprägt sein.
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