An der Grundschule Oberleichtersbach stand in dieser Woche ein besonderes Projekt auf dem Stundenplan: Christina Wehner vom Bayerischen Roten Kreuz Bad Kissingen machte mit den Schülerinnen und Schülern der 3. und 4. Klasse einen Juniorhelfer-Crashkurs. Am ersten Tag war die 3. Klasse dran, einen Tag später folgte die 4. Klasse – und das jeweils mit großer Begeisterung.
Gleich zu Unterrichtsbeginn startete Wehner in den Projekttag und gestaltete sechs abwechslungsreiche Unterrichtsstunden rund um das Thema Helfen, Retten und richtiges Verhalten im Notfall. Schon mit ihrer ersten Frage zog sie die Kinder in den Bann: „War denn schon einmal jemand von euch in einem Krankenwagen?“ Sofort schnellten zahlreiche Hände nach oben und die Schülerinnen und Schüler berichteten offen von Fahrradstürzen, Trampolinunfällen oder anderen Situationen, bei denen sie selbst oder Freunde bereits Hilfe durch den Rettungsdienst gebraucht haben.
Den eigenen Standort angeben
Die Notrufnummer 112 kannten alle Kinder bereits. Doch wo genau der Anruf eigentlich ankommt, war vielen bislang nicht bewusst. Gemeinsam wurde besprochen, dass in unserer Region die Rettungsdienstleitstelle für Feuerwehr und Rettungsdienst in Schweinfurt die Notrufe entgegennimmt. Anschließend erarbeiteten die Kinder die wichtigen „Fünf Ws“ eines Notrufs: Wo ist etwas passiert? Wer ruft an? Wie viele Verletzte gibt es? Was ist passiert? Und: Warten auf Rückfragen.
„Bei einem Notruf sind die meisten Menschen sehr nervös. Dann vergisst man schnell wichtige Informationen oder spricht zu hastig“, erklärte Wehner den Kindern. Besonders spannend wurde es, als realistische Notrufsituationen nachgespielt wurden. Wehner schlüpfte dabei in die Rolle der Leitstelle: „Hallo, hier ist die Feuerwehr- und Rettungsleitstelle, was kann ich für Sie tun?“ Jedes Kind durfte einen eigenen Notfall schildern und dabei die „ Fünf Ws“ anwenden.
Die Geschichten, die die Kinder erzählten, waren ebenso kreativ wie vielfältig: Ein Vater sei von der Leiter gestürzt, jemand sei mit dem Fahrrad oder den Inlinern hingefallen, Verbrennungen mussten versorgt werden und eine bewusstlose Person wurde entdeckt. Dabei merkten die Schülerinnen und Schüler schnell, dass ein Notruf gar nicht so einfach ist. Oft wurde vergessen zu sagen, wo man sich gerade befindet, am besten mit Adresse. Es ist ja klar, dass die Leitstelle das nicht wissen kann.
Einblick in ehrenamtliche Tätigkeit
Christina Wehner berichtete zudem aus ihrer eigenen ehrenamtlichen Tätigkeit im Rettungsdienst und im Katastrophenschutz. Mit großem Interesse bestaunten die Kinder die umfangreiche Ausrüstung, die sie bei Einsätzen mitführt: von der reflektierenden Einsatzkleidung bis hin zu Funkgerät, Verbandsschere, Einmalhandschuhen und Erste-Hilfe-Tasche.
Neben der technischen Ausrüstung spielte für Wehner auch etwas ganz Alltägliches eine wichtige Rolle: Taschentücher. „Auch Tränen müssen getrocknet werden“, erklärte sie.
Natürlich durfte auch der klassische Verbandskasten nicht fehlen. Es wurde besprochen, was sich darin befindet und wofür diese benötigt werden. Die Kinder bekamen sogar eine Hausaufgabe: Sie sollten gemeinsam mit ihren Familien überprüfen, ob die Verbandskästen in den Fahrzeugen noch vollständig und haltbar sind.
So werden Verletzte versorgt
Auch wichtige Hinweise zur Versorgung von Verletzungen gab es, denn Ersthelfer dürfen, so Wehner, keine Desinfektionssprays oder Salben verwenden, wegen möglicher Allergien. Ebenso wichtig: Wunden dürfen niemals direkt berührt werden. Eindringlich erklärte sie auch die Regel: „Was in einer Wunde steckt, bleibt erst einmal stecken.“
Nach der Theorie folgte schließlich der praktische Teil, und der hatte es in sich. In Zweiergruppen übten die Kinder Fingerkuppenverbände, Druckverbände und Kopfverbände und „verarzteten“ sich gegenseitig.
Wichtig war das Üben der stabilen Seitenlage. Gemeinsam erarbeiteten die Kinder, warum diese so wichtig ist und wie sie korrekt angewendet wird. Abwechselnd lagen die Schülerinnen und Schüler als „Patienten“ auf dem Boden oder schlüpften in die Rolle des Ersthelfers.
Schritt für Schritt wurde dabei gelernt: zuerst ansprechen, dann anfassen, anschließend Atmung kontrollieren – hören, sehen und fühlen. „Das war richtig toll, weil man es selbst ausprobieren durfte, und ich weiß jetzt auch, warum das wichtig ist“, meinte eine Schülerin begeistert.
Keine Scheu vor dem Defibrillator
Auch das Thema Defibrillator kam zur Sprache. Die Kinder erfuhren, was ein Defibrillator überhaupt ist, wo man ihn finden kann und dass er im Notfall geholt werden darf und soll.
Das Highlight wartete am Ende des Projekttages: Kevin Fleischmann, ein Kollege von Christina Wehner aus dem Rettungsdienst, kam mit dem Rettungswagen an die Schule. Die Schülerinnen und Schüler durften das Fahrzeug ausführlich erkunden, auf dem Fahrersitz Platz nehmen, das Blaulicht einschalten und sogar die Gegensprechanlage testen. Auch der hintere Bereich des Rettungswagens wurde genau unter die Lupe genommen.
Mit großen Augen bestaunten die Schülerinnen und Schüler die medizinischen Geräte an Bord. Besonders spannend fanden viele Kinder, dass sie sogar ihre eigene Sauerstoffsättigung messen durften.
Initiiert und finanziert wurde das Projekt durch den Förderverein der Grundschule Oberleichtersbach. Für die Kinder war der Kurs ein Erlebnis, das in Erinnerung bleiben wird. Spielerisch und altersgerecht lernten sie, wie wichtig Erste Hilfe ist, wie man in Notfällen richtig reagiert und dass schon kleine Maßnahmen sehr wertvoll sein können. Vor allem aber wurde den Schülerinnen und Schülern vermittelt, dass jeder helfen kann.


















