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Engpass im Kreis Bad Kissingen
Gibt es zu wenig Kinderpsychotherapeuten?
Psychotherapie
Gerade auf dem Land müssen Patienten oft mehrere Monate auf einen Therapieplatz warten. // Jens Wolf/zb/dpa/Archivbild
Landkreis Bad Kissingen – Trotz guter Statistik drohen Versorgungsengpässe. Nachwuchs soll die Lücken im Landkreis Bad Kissingen füllen. Doch das ist nicht so einfach.

Auf den ersten Blick sind die Zahlen der Kassenärztlichen Vereinigung Bayerns (KVB) zur Anzahl der Kinder- und Jugendpsychologen beruhigend: Auf 23 Kassensitze kommen 36 arbeitende Therapeuten im Bereich Bad Kissingen, der Versorgungsgrad liegt bei 131 Prozent. Die Zahlen sprechen von einer überdurchschnittlichen Abdeckung, doch ein genauerer Blick offenbart Spannungen zwischen aktueller Deckung und der Frage, wie stabil diese Versorgung mittelfristig bleibt.

Die Zusammensetzung des Personals ist auffällig: 31 Frauen, 5 Männer, ein Durchschnittsalter von 51,9 Jahren. Elf Behandelnde sind 60 Jahre oder älter, was darauf hindeutet, dass die Region zwar heute gut versorgt ist, künftig aber vor Ersatzbedarf stehen könnte. Wenn erfahrene Kräfte in den Ruhestand gehen, muss rechtzeitig Nachwuchs nachrücken, sonst verwandelt sich heute hohe Versorgungsdichte in spürbare Lücken. Formal sind alle Planstellen besetzt, doch die KVB sieht Potenzial zur Verstärkung: Vorgesehen sind zwei zusätzliche Stellen im Bereich Kinder‑ und Jugendlichenpsychotherapie, wie die KVB schriftlich auf Anfrage der Redaktion mitteilt.

Lange Wartezeit

Dass weitere Kapazitäten nötig sind, hat einen konkreten Grund: Die Analyse wies eine mittlere Wartezeit von 148 Tagen für einen Ersttermin aus. Eine solche Wartezeit ist mehr als eine Zahl; sie ist für betroffene Familien eine Hürde und ein Argument für Sonderzuweisungen.

Die KVB bietet landesweit Förderungen wie Investitionszuschüsse sowie Förderungen für neue Praxen, um die unterversorgten Standorte attraktiver zu machen. Entscheidend bleibt, ob geeignete Bewerberinnen und Bewerber die Förderbedingungen nutzen und sich tatsächlich niederlassen wollen. 

Was die Hinweise der KVB wirklich bedeuten

Wenn von „zusätzlichen Niederlassungsmöglichkeiten“ für Psychotherapeutinnen und Psychotherapeuten die Rede ist, klingt das zunächst nach konkreten neuen Stellen.

Allerdings: Die KVB weist darauf hin, dass ihre Hinweise keine verbindlichen Zusagen sind. Vielmehr handelt es sich um Empfehlungen an den zuständigen Zulassungsausschuss, wo ein erhöhter Bedarf bestehe, teilt die KVB mit. Die Entscheidung über eine tatsächliche Zulassung liegt allein beim Zulassungsausschuss Unterfranken, der aus Ärzten, Psychotherapeuten und Vertretern der Krankenkassen besteht. 

Was passiert, wenn sich niemand bewirbt?

Doch wie schnell wird eine empfohlene Stelle tatsächlich besetzt? Das lässt sich nicht pauschal sagen, erklärt der KVB. Denn ob sich jemand bewirbt, hänge von individuellen Entscheidungen ab – und darauf habe die KVB keinen Einfluss. Auch die Auswahl der Bewerberinnen und Bewerber obliege dem Zulassungsausschuss. Bisher seien keine Anträge für Niederlassungen bei der Behörde eingegangen.

Und was passiert, wenn sich niemand bewirbt? „Dann bleibt die Situation unverändert. Zwar wurde für den Landkreis Bad Kissingen ein Sonderbedarf festgestellt, doch ohne Bewerbungen kann keine neue Praxis entstehen“, schreibt die KVB.

Wie stark sich die Wartezeiten durch neue Stellen verkürzen, lässt sich derzeit nicht beziffern. „Das hängt unter anderem davon ab, ob Bewerber in Vollzeit oder Teilzeit arbeiten möchten und ob überhaupt jemand kommt. Erst wenn eine neue Praxis eröffnet und einige Zeit tätig ist, lässt sich die tatsächliche Wirkung auf die Versorgungslage beurteilen“, erklärt der Pressesprecher der KVB.

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