Das „Leo“ in Schweinfurt schwimmt gegen den Trend, sagt Jürgen Winter, Geschäftsführer des Leopoldina Krankenhauses Schweinfurt. Und das in mehreren Punkten: Gegen den Branchentrend wurden hier im vergangenen Jahr mehr Patienten stationär behandelt. 2023 waren es 28.398, vergangenes Jahr 30.633.
Ein Trend, der sich fortsetze. 2025 werde man, so sagte es Winter vor dem Haupt- und Finanzausschuss des Stadtrats, wieder Patientenzahlen erreichen, wie es sie vor Corona gegeben habe.
230 Millionen Gesamterlös und doch im Defizit
Punkt 2: die Finanzierung. Laut einer aktuellen Studie mussten kommunale Krankenhausträger in Deutschland in 2024 rund 20.000 Euro pro Bett zuschießen, um die Defizite ihrer Krankenhäuser auszugleichen. In Schweinfurt ist das nicht so.
Warum? Der Konzern, zu dem das Krankenhaus, das MVZ und die Servicegesellschaft gehören, arbeitet selbstständig. Und bisher habe man, wie Winter sagt, „über viele Jahre“ aus eigener Kraft den Betrieb des Krankenhauses sicherstellen können. Dank der Menschen, die hier arbeiten. Im Grunde ist das bis heute so. Nur an einem Punkt wird die Stadt nun in die Bresche springen – mit einem Investitionszuschuss von fünf Millionen Euro für den Neubau des Parkhauses.
Eine Insel der Glückseligen ist das Leopoldina aber nicht. Das Defizit, das der Konzern in 2024 einfuhr, ist vielleicht nicht so hoch wie in anderen Häusern. Und doch lag man – trotz eines Gesamterlöses von über 230 Millionen Euro – mit 1,51 Millionen Euro in den roten Zahlen. Auffangen kann das der Konzern durch Rücklagen. „Für 2025 steuern wir ein ausgeglichenes Ergebnis an“, sagt der Leo-Geschäftsführer.
Seine Kritik geht in eine klare Richtung – nach Berlin. Und es ist dieselbe, die viele andere teilen. Strukturell seien die Krankenhäuser unterfinanziert, derzeit sei es „kaum machbar, als kommunales Krankenhaus wirklich deutliche Erträge zu erwirtschaften“. Und, so Winter: Auch die Beitragsstabilität der Krankenkassen solle zu Lasten der Krankenhäuser gehen. Wieder. Bundesweit würden ihnen 1,8 Milliarden Euro so „vorenthalten“. Das sei nicht in Ordnung, so Winter.
Wie die Zukunft des Leopoldina aussehen wird
Heruntergebrochen auf das Leopoldina bedeutet das 2,6 Millionen Euro, die von den Kassen nicht bezahlt werden. Pro Fall, den man behandle, fehlten fünf Prozent Erlös. Für den Leo-Chef ein Unding: „Das ist nicht mehr tolerabel.“ Seine Forderung: Endlich die Krankenhausreform durchführen, entscheiden, welche Kliniken geschlossen würden, „damit diejenigen, die übrig bleiben, wirtschaften können“.
Wie die Zukunft aussehen wird? Größer. Aus München hat das Leopoldina grünes Licht bekommen, die Zahl der Betten um 70 auf 710 zu erhöhen. Man habe dort erkannt, „welche zentrale Rolle das Leo in Zukunft spielen wird“, sagt Winter. Auch wenn die 2024 angekündigte Schließung des kleineren Schweinfurter Krankenhauses St. Josef dann doch vom Tisch war. Ebenso wie eine Zusammenarbeit unter einem gemeinsamen Dach.
6,5 Millionen Euro habe das Leopoldina im vergangenen Jahr investiert – in Medizintechnik und den Umbau der Station 31/32 zur Akutgeriatrie mit aktuell 20 Betten. Diese seien zu 100 Prozent ausgelastet. Gemeinsam mit der Geomed-Klinik wolle man die Altersmedizin ausbauen, sagt Winter. Vier Millionen Euro gab es für diese Investitionen vom Freistaat zurück, so Winter auf Nachfrage von Frank Firsching (Die Linke).
Das Ziel: Schweinfurt will Onkologisches Zentrum werden
Eine deutliche Steigerung gab es auch in der Notfallversorgung. 40.000 Menschen wurden behandelt; die höheren Zahlen habe man gut managen können. Weiterentwickeln soll sich das Leopoldina auch im Bereich der Onkologie, soll zum Zentrum in dieser Fachrichtung werden. Die umfassende Versorgung im ambulanten bis poststationären Bereich, zum Beispiel mit Strahlentherapie, sei eine Stärke des Leo, so Winter. Sie werde man weiter ausbauen.
Zugenommen haben auch die Personalkosten. 56 Personen hat das Leopoldina eingestellt, die meisten im Pflegebereich, aber auch Ärzte, so Winter auf die Nachfrage von Frank Firsching. Möglich sei dies zum einen gewesen, weil 100 Prozent der Selbstkosten für Pflegefachkräfte seit 2019 gegenfinanziert würden – und wegen der Situation auf dem Markt.
Grundsätzlich ist Personal knapp, sagt Marietta Eder (SPD). Auch das ein Grund, warum die Krankenhausreform nötig war. Dass sich die Umsetzung verzögert, sieht nicht nur sie kritisch. Auch Oliver Schulte (CSU) mahnte an, Berlin müsse nun eine „gute Krankenhausreform“ umsetzen.
Einig waren sich alle Fraktionen in einem Punkt: Für das Team des Leopoldina, die geleistete Arbeit, gab es Lob und Dank.












