Mehr als 60 Hektar kommunaler Wald stehen hinter der Bad Bockleter Hescuro Klinik in Bad Bocklet. Jetzt will die Gemeinde darin eine etwa zehn Hektar große Fläche vom Bayerischen Heilbäderverband offiziell als „Kurwald“ zertifizieren lassen.
„Unser Staatsbad wäre dann der erste Kurort in der bayerischen Rhön mit einem Kurwald für therapeutische Gesundheitsangebote“, erklärte Thomas Beck in seiner Doppelfunktion als Geschäftsführer der Staatsbad und Touristik GmbH sowie als Rathaus-Geschäftsleiter bei der Vorstellung dieser Idee in der Sitzung des Marktgemeinderats.
„Waldbaden“ ist kein neues Thema und „Waldgesundheit“ spielt in den deutschen Kurorten und Heilbädern eine immer wichtigere Rolle. Mindestens seit Ende der 1990er Jahre ist das aus Japan stammende Waldbaden als gesundheitsfördernde Maßnahme auch in Bayern im Gespräch.
Inzwischen haben etwa 15 bayerische Heilbäder und Kurorte ein solches Angebot in ihrem Programm. Auch in Bad Bocklet bietet die Hescuro Klinik seit einigen Jahren als Pilotpartner des Biosphärenreservats Rhön beim Projekt „Green Care – Natürlich mental gesund“ entsprechende Präventions- und Rehabilitationsangebote an.
Beck: „Neben den bisherigen natürlichen Ressourcen Heilwasser, Naturmoor und Heilklima wäre aber ein zertifizierter Kurwald für unser Staatsbad eine Weiterentwicklung – ein Schritt auf dem Weg in die Zukunft.“
Speziell ausgebildete Therapeuten
Der Naturraum Wald ist nach Becks Aussage „ein wichtiger Faktor in den Bereichen Gesundheitsurlaub, Prävention, Rehabilitation und Therapie“. Mit einem klaren Konzept, prüfbaren Anerkennungskriterien sowie speziell ausgebildeten Wald-Gesundheitstrainern und Wald-Therapeuten lässt sich dieses neue Qualitätssiegel für Waldgesundheit in Bad Bocklet erreichen und damit auch eine neue Gästegruppe – auch jüngere Gäste – ansprechen. Ein zertifizierter Kurwald würde zudem das bereits bestehende therapeutische Angebot der Klinik aufwerten.
Nach Becks Vorstellungen soll deshalb in dem hinter der Hescuro Klinik stehenden Wald ein zentrales, etwa zehn Hektar großes Waldstück zum Kurwald werden. Die geforderten Kriterien lassen sich nach Becks Meinung „ohne größere Veränderungen“ erfüllen oder sind dort bereits gegeben. Es gibt mehrere Anforderungen nach dem bayerischen Kriterienkatalog für Kur- und Heilwälder:
- ein abwechslungsreicher, arten- und strukturreicher Wald
- eine ausreichend große und gut zugängliche Waldfläche
- ein Waldinnenklima mit hoher Luftreinheit
- Ruhe im Waldinneren
- eine gesonderte Ruhe- und Aktivitätszone
- verschiedene Waldbilder und Sinnesräume
- eine von der Gemeinde garantierte Pflege des Waldbestands und der Verkehrssicherung
- eine längerfristige Nutzungsgenehmigung
- ein qualifiziertes Präventionsangebot
- qualifiziertes Fachpersonal aus zertifizierten Wald-Gesundheitstrainern
Während die strukturellen Kriterien von der Gemeinde erfüllt werden müssen, wären die zwei letzten Vorgaben durch die Hescuro Klinik zu übernehmen.
Für alle zugänglich
Trotz einer offiziellen Zertifizierung bleibt auch der Kurwald weiterhin für alle Wanderer öffentlich zugänglich, versicherte Beck. Auch darf der Wald weiterhin bewirtschaftet werden. Jetzt soll gemeinsam mit Förstern, Wald- und Jagdpächtern, der Unteren Naturschutzbehörde und dem Heilbäderverband am „runden Tisch“ beraten werden, worauf weiter zu achten ist und was konkret noch getan werden muss, um das gewünschte Zertifikat zu erreichen.
Beck: „Ich denke zum Beispiel an die Schaffung eines Parkplatzes, um wildes Abstellen von Autos im Wald zu vermeiden.“ Auch wäre eine gesonderte Beschilderung einzurichten. Vielleicht muss auch im Waldstück etwas verändert werden oder Neues hinzukommen. „In jedem Fall bedeutet ein zertifizierter Kurwald für die Gemeindeverwaltung eine gesteigerte Verkehrssicherungspflicht.“
Kritische Nachfragen
Auf die kritische Nachfrage, worin denn nun der eigentliche Vorteil eines Kurwaldes besteht, wenn es doch schon ein entsprechendes Angebot bei der Hescuro gibt, antwortete Bürgermeister Andreas Sandwall (CSU): „Natürlich haben auch andere Gemeinden einen Wald. Aber wir haben dann einen zertifizierten Kurwald mit einem zertifizierten Wald-Gesundheitsangebot und mit zertifizierten Wald-Gesundheitstrainern. Dies unterscheidet uns von allen anderen Orten und damit lässt sich gut werben“.
Ratsmitglied Martin Eisenmann (Grüne) unterstützte als Vorsitzender des Kur- und Fremdenverkehrsvereins das geplante Vorhaben ausdrücklich. „Das Angebot wird sicher gut angenommen, zumal das Staatsbad ohnehin schon optimal in die Natur eingebettet ist.“
Der Gemeinderat beauftragte einvernehmlich die Staatsbad und Touristik GmbH, mit den Vorarbeiten zur Zertifizierung des ausgewählten Waldstücks (Flurnummer 4057) als Kurwald zu beginnen. Entstehende Kosten hatte Beck zuvor bei einer Bearbeitungsdauer von einem bis eineinhalb Jahren mit etwa 5000 Euro angegeben.
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