Husten, Halsweh, Heiserkeit: Die Zahl der Atemwegserkrankungen ist in der vergangenen Woche bundesweit deutlich gestiegen. Betroffen seien alle Altersgruppen, heißt es vom Robert Koch-Institut (RKI). Den Daten zufolge gab es vor allem Ansteckungen mit dem Coronavirus. Schwere Verläufe mit Krankenhauseinweisungen sind allerdings sehr selten.
Im aktuellen Wochenbericht meldet das RKI 2396 labordiagnostisch bestätigte Covid-19-Fälle, in der Vorwoche waren es 2153. Auch im Abwassermonitoring ist die Corona-Viruslast in den vergangenen vier Wochen gestiegen, liegt aber insgesamt weit unter den Vergleichswerten der Vorjahre.
Mehr Patienten mit Atemwegsinfekten
Grund zur Sorge sieht Dr. Mohammad Ahmadi, unterfränkischer Bezirksvorsitzender des bayerischen Hausärzteverbands, daher nicht. Zwar merke er in seiner Praxis in Mainstockheim (Landkreis Kitzingen) einen Anstieg der Infekt-Zahlen, „die große Angst vor Covid muss man aber nicht mehr haben“.
Wie fast jedes Jahr nach den Sommerferien kämen mit dem Schulstart mehr Patienten mit Atemwegsinfekten in seine Praxis, sagt Ahmadi. Hätte das Praxis-Team im August pro Woche maximal zehn Fälle gezählt, seien allein an diesem Mittwoch „bestimmt 15 Leute an einem Tag“ gekommen.
Ist ein Test noch notwendig?
Überraschend ist das für den Allgemeinmediziner nicht. Auch nach Ende der Pandemie gelte: „Covid ist deutlich ansteckender als andere Erkältungskrankheiten.“ Schwere Verläufe jedoch gibt es nur in seltenen Fällen, erklärt Ahmadi.
Sollte man sich also überhaupt noch testen? „Wenn Patienten noch einen Test haben, würde ich ihn machen. Aber ich würde mir nicht extra neue Tests kaufen“, sagt der Hausarzt. Auch in seiner Praxis würden Patienten nicht mehr getestet.
Trotzdem rät der Hausarzt, sich vor Ansteckungen zu schützen, gerade jetzt im Herbst. „Wenn sich Menschen zu Beginn der Saison infizieren und das nicht richtig auskurieren, verschleppen sie den Infekt oft und erkranken über den Winter immer wieder.“ Nach der Erfahrung der Vorjahre geht Ahmadi davon aus, dass die Erkältungs- und Corona-Welle erst anrollt und vermutlich „in zwei, drei Wochen nochmal anzieht“.
Neue Corona-Linie „Stratus“ dominiert
Grund ist die Corona-Linie XFG, auch „Stratus“ genannt. Sie gilt als hoch ansteckend und dominiert das Infektionsgeschehen weltweit. Auch in Deutschland macht „Stratus“ laut RKI mittlerweile 84 Prozent aller Corona-Fälle aus. Ein erhöhtes Risiko für die öffentliche Gesundheit durch die Variante sehe man jedoch nicht.
Auch die Weltgesundheitsorganisation WHO stuft das globale Risiko durch „Stratus“ als gering ein und geht davon aus, dass die vorhandenen Impfstoffe weiterhin vor schweren Erkrankungen schützen. Risikopatienten, wie Ältere oder Menschen mit Vorerkrankungen, rät Hausarzt Ahmadi deshalb, sich gegen Grippe und Covid impfen zu lassen.












