Läuft man am Freitag über den Camping-Platz neben dem „Ab geht die Lutzi“-Gelände in Rottershausen (Lkr. Bad Kissingen), kann man noch bei manchen die Strapazen des Vortags im Gesicht ablesen.
Der Camping-Platz ist für die Zeit des Festivals quasi selbst ein kleines Dorf, das auf der leicht abschüssigen Wiese nördlich der Ortschaft Rottershausen aus dem Nichts hochgezogen wurde und am Sonntag ebenso schnell wieder verschwinden wird.
Große Nachfrage nach den Duschen
Am frühen Nachmittag herrscht bereits munteres Treiben zwischen den Wohnmobilen, Autos, Zelten und Pavillons. Ab 15 Uhr öffnete das Infield mit der Hauptbühne seine Pforten, aber für viele der sichtlich ausgelaugten Camper war das noch viel zu früh und so genoss die Stillung körperlicher Grundbedürfnisse erstmal absolute Priorität.
Die Duschen, die es auf dem Campingplatz gibt, wurden zur wichtigsten Pilgerstätte am frühen Nachmittag und entsprechend bildete sich eine lange Schlange vor dem kleinen Holzverschlag am Rande des Platzes. Ein junger Mann, der sich gerade noch mit seinen Badelatschen das letzte Stück des Hangs hochgekämpft hatte, war davon genervt. Er überlegte kurz, roch an seiner Achselhöhle und stellte sich dann doch ans Ende der Reihe.
„Festival komplett ohne Duschen kann schon auch gehen, aber wenn es hier schon angeboten wird, nutze ich das auch gern“, erzählt Valentin Füller, ein anderer Mann in der Schlange, der für das Festival mit Freunden aus dem östlichsten Oberfranken angereist ist.
Großer Sport mit vielen Emotionen in Rottershausen
Andere wiederum schienen bereits deutlich fitter zu sein und vertrieben sich die Zeit mit sportlichen Aktivitäten, die allerdings selten ohne die Hinzunahme von Dosenbier abliefen. Am südlichen Rand des Festivalgeländes, (genauer gesagt zwischen der Ravioli Road und dem Biermuss-Weg, wie zwei improvisierte Straßenschilder verrieten) spielte eine größere Gruppe das beliebte Trinkspiel Flunkyball.
Geleitet wurde die Partie vom „Unparteiischen Fabian“, der speziell für diesen Anlass ein DFB-Schiedsrichter-Trikot überzog. Gelbe und Rote Karte warteten in seiner Brusttasche darauf, die Spieler beim ersten Regelverstoß angemessen zu verwarnen. „Direkt Rot gibt es zum Beispiel, wenn jemand sein Bier umschüttet. Da muss ich auch streng sein“, erklärt er lachend.
Das Spiel verlief ohne besondere Vorkommnisse, die ein Eingreifen von Fabian nötig gemacht hätten. Am Ende jubelte das Siegerteam und die fairen Verlierer gemeinsam und stießen mit dem nächsten Bier auf das Festival-Erlebnis an.
Blitzermarathon auf der Ravioli Road
Eine weitere Gruppe vertrieb sich den Nachmittag auf kreative Art und Weise. Entlang der „Ravioli Road“ konnte man auf dem Boden ein aus Panzertape geformtes Viereck erkennen. Davor ebenfalls mit Panzertape die Worte „Slow Motion“ also Zeitlupe. Was es damit auf sich hatte, war schnell auszumachen. Lief jemand durch das Viereck und bewegte sich in normaler Geschwindigkeit, bekam er aus dem Lauf einer unerbittlichen Wasserpistole einen kühlen Strahl ins Gesicht.
Abgefeuert wurde dieser von Johanna aus Aubstadt. Sie ist mit ihren beiden Freundinnen Jasmin und Lisa und noch weiteren über die Jahre gesammelten Festival-Bekanntschaften auf der „Lutzi“. „Wir machen gerne sowas Witziges, das hier konkret haben wir mal auf Instagram gesehen. Es kommt auch wirklich gut an“, erzählt Johanna.
Gegen Abend nahm das Treiben auf dem Camping-Platz dann etwas ab und der Fokus der verlagerte sich zurück auf die Hauptbühne. Dort spielten am Freitagabend unter anderem das Punk-Duo „Arxx“ aus England oder die bekannte Festival-Band „Querbeat“. Für gute Stimmung sorgte besonders der Stuttgarter Rapper Lostboi Lino, der sehr viel Wert auf Publikumsinteraktion legte.














