Ende April hatte ein offener Brief der Unternehmer Hans-Jörg Heidelmeier und Klaus Abersfelder für große Aufregung in Bad Brückenau gesorgt. Nun gibt es erneut ein offenes Schreiben. Wieder ist Heidelmeier beteiligt, diesmal aber als Vorstandsmitglied des neuen Bürgervereins. Dieser bringt die verworfene „kleinere“ Variante der Therme Sinnflut zurück ins Spiel.
Der offene Brief ist – neben Heidelmeier – unterschrieben von den weiteren Vereinsverantwortlichen Dagmar Kühnen (bekannt aus der Rheumaliga) und Thomas Weißenfeld (unter anderem „Bad Brückenau hilft“). Das Schreiben richtet sich an die Bürgermeister-Stellvertreter Jürgen Pfister (PWG) und Heribert Übelacker (CSU). Stadtoberhaupt Jochen Vogel (CSU) weilt im Urlaub beziehungsweise auf einer Reha wegen seiner Long-Covid-Erkrankung.
Bedenken wegen Finanzierung
Zunächst bietet der Bürgerverein an, „in einigen Fragen des Stadtbildes und der Stadtpolitik und an der Lösung drängender Probleme mitzuarbeiten“. Man werde kurzfristig Arbeitskreise bilden. Doch dann äußern die drei Führungskräfte „größte Bedenken hinsichtlich der Finanzlage der Stadt Bad Brückenau und insbesondere hinsichtlich der Finanzierung und des späteren Unterhalts einer neuen ’Sinnflut’“.
Von Seiten der Stadt sei – auch in einem Gespräch am 10. August – ausgeführt worden, dass es zum Neubau der Therme nur einen Plan A gebe (ein Familien-, Spaß- und Erholungsbad für 30,8 Millionen Euro, Anm. d. Verf.). „Bei dessen Umsetzung würden nach unserer Ansicht aufgrund der in der Öffentlichkeit bekannten Zahlen die späteren Unterhaltskosten den städtischen Haushalt auf Jahrzehnte hinaus in einer Art und Weise belasten, die dringende andere Projekte unmöglich machen.“
Nicht alles für Therme opfern
Darunter wären unter anderem ein neues Gewerbe- und Industriegebiet oder die Erschließung eines neues Baugebiets. Auch stünden zugunsten der Sinnflut freiwillige kommunale Aufgaben auf der Streichliste. „Für eine lebendige Kommune sind aber gerade diese Dinge Alleinstellungsmerkmale, die die Bürgerinnen und Bürger wertschätzen.“
Die Unterordnung aller städtischen Aufgaben unter das Großprojekt Sinnflut nach Plan A hält der Bürgerverein für den falschen Weg. Einige Stadträte hätten daher gegen den Haushalt 2023 gestimmt. Zur Info: In der Stadtratssitzung am 22. Juni versagten die Räte Robert Eder, Claudio Kleinhans, Emanuel Fritschka und Dirk Stumpe (alle PWG) sowie Adelheid Zimmermann dem Haushaltsplan ihre Zustimmung.
Nun fordert der Bürgerverein die beiden Bürgermeister-Stellvertreter auf, „umgehend mit einem Drittanbieter eine abgespeckte Version der Sinnflut als Hallenbad mit Freibad (plus Angliederung der bestehenden Saunaanlage) als Plan B zu entwerfen und hierfür notwendige Unterhaltskosten zu ermitteln“.
Alternative für Stadtrat
Es sei fahrlässig, dem Stadtrat keine zweite Lösung in die Hand zu geben, sondern es einfach auf Gedeih und Verderb darauf ankommen zu lassen, dass die bisherige Planung scheitere.
Auch in zeitlicher Hinsicht sehen Kühnen, Heidelmeier und Weißenfeld das sture Festhalten an Plan A mit großen Unsicherheiten verbunden. „Die Entscheidungen der Zuschussgeber fallen weit nach der Landtagswahl; die Schließung des bestehenden Bades ist für Ende September 2023 fest beschlossen.“
Falle nur einer von vier potenziellen Zuschussgebern aus, müsse erneut geplant werden. Plan B wäre sowohl für die Entscheidungsgrundlage des Stadtrates als auch für den Fall eines Ausfalles eines Zuschussgebers sinnvoll.
Pro Therme
Der Bürgerverein positioniert sich klar pro Sinnflut. „Wir sind der Überzeugung, dass die Stadt Bad Brückenau unbedingt ein Bad benötigt und dies auch finanzierbar sein muss.“ Der Verein werde sich nach Vorliegen des Plan B für ein Bürgerbegehren einsetzen und dies auf den Weg bringen.
Die aktuelle Situation lasse keine Möglichkeit, auf das Begehren zu verzichten. „Wir möchten FÜR ein Schwimmbad abstimmen lassen, das für Bad Brückenau wichtig und autark ist, ohne von den Stadtwerken mit einer Querfinanzierung aufrechterhalten werden zu müssen.“
Darüber hinaus dürfe das Bad den städtischen Haushalt nicht so stark belasten, dass weitere wichtige Projekte auf die lange Bank geschoben werden. Der Brief endet: „Die Fehler der Vergangenheit dürfen nicht wiederholt werden.“
Schulschwimmbad für 1,7 Millionen Euro
Übrigens: Das Würzburger Büro Brückner & Brückner hatte durchaus die Variante „Schulschwimmbad“ ohne Variobecken samt Rutschenturm, Kleinkind-Planschlandschaft, Mineralwasserbecken und Gastrobereich geprüft und dem Stadtrat am 11. Mai vorgestellt. Die Gesamtkosten bezifferte Architekt Christian Brückner auf 18,7 Millionen Euro, den städtischen Anteil mit neun bis elf Millionen Euro. Aussagen zu den Betriebskosten für das Hallenbad-Modell sind der Redaktion nicht bekannt.
Vonseiten der Stadt, insbesondere vom amtierenden Bürgermeister Jürgen Pfister, war bis Sonntag zum Redaktionsschluss keine Reaktion auf den offenen Brief des Bürgervereins zu bekommen.
Lesen Sie auch zum Großprojekt Sinnflut:

















