In den nächsten Wochen hat Münnerstadts Bürgermeister Michael Kastl elf Termine: In der Kernstadt und den anderen Gemeinden gibt er einen Überblick über die Entwicklung der Gesamtstadt seit der letzten Bürgerrunde.
Einwohnerzahl in etwa gleich
Die Stadt Münnerstadt hat zum Stand Juli 7662 Einwohner mit Hauptwohnsitz. Das sind 38 weniger als bei der letzten Nennung vor gut einem Jahr. Mittlerweile sollte dieses Defizit sich wieder neutralisiert haben. Diese Entwicklung wird auch durch den Zuzug von Flüchtlingen und durch Vertriebsfahrer von Online -Versendern beeinflusst.
Wasserpreis erhöht sich
Bei der vorletzten Wasserpreis-Festlegung wurden Investitionen eingepreist, die bis heute nicht stattgefunden haben. Dadurch hat die letzte Festlegung einen relativ niedrigen Wasserpreis ergeben. Die neue Festlegung ab 2025 muss die notwendigen Investitionen wieder abbilden und wurde mittlerweile durch einen Stadtratsbeschluss auf 2,69 Euro festgelegt.
Der Bürgermeister tritt für eine „ehrliche und transparente“, statt einer „politischen, also künstlichen“ Handhabung bei der Kostenkalkulation ein, alleine, um große Schwankungen künftig zu vermeiden. Investiert werden muss aktuell in einen neuen Hochbehälter in Althausen und in die Sanierung der Wasserleitung von Kleinwenkheim nach Großwenkheim. Der Abwasserpreis von derzeit 2,88 Euro wird wohl gehalten werden können.
Grundsteuerreform "ungerecht"
Die staatliche Grundsteuerreform tritt mit der Festlegung der Hebesätze in den Gemeinden jetzt in ihre entscheidende Phase. 2025 soll die grundlegende Neugestaltung umgesetzt werden. Für die Stadt Münnerstadt ist hier eine Entscheidung im Stadtrat bis Mitte Dezember terminiert.
Bürgermeister Michael Kastl hält die Reform „für den ländlichen Raum“ für ungerecht, „weil große Grundstücke mit geringem Wert, wie sie bei uns reichlich vorhanden sind, unverhältnismäßig höher besteuert werden, als beispielsweise Stadtflächen oder Filetstücke an oberbayerischen Seen". Die Stadt selbst hat nur über die Hebesätze Einfluss auf die Grundsteuer. Hier gibt es einen Beschluss von 2023, der nach der Feststellung der Neufestsetzung eine Kürzung um zehn Prozent des Grundsteueraufkommens in Münnerstadt vorsieht. Die andere Strömung möchte eine Hebesatzberechnung so gestalten, dass am Ende die Einnahmen nicht höher werden als bisher. Der Stadtrat wird hier in den nächsten Wochen zu einer Entscheidung kommen müssen.
Der Bürgermeister weist in diesem Zusammenhang auf die Lebensqualität hin, die durch eine gute Infrastruktur mindestens erhalten, möglichst aber auch verbessert werden soll und dazu braucht man Einnahmen. Die Reform bringt jedoch Änderungen für Einzelne, die dann mehr zahlen müssen oder aber künftig entlastet werden. Sein Ziel bleibt, nicht mehr Einnahmen zu generieren als bisher.
15 Millionen Euro Schulden
Die städtischen Finanzen sind wie immer schwierig. Jedoch spricht der Bürgermeister bei der Verschuldung momentan von einer gewissen Kontinuität. „Wir sind weiterhin bei rund 15 Millionen Euro, obwohl wir sehr viele Brocken abfinanziert haben“. Gerade im Wasserbereich werden neue Investitionen notwendig, die sich direkt auf den Neuschuldenstand auswirken werden. Die Stadt refinanziert sich seit 1997 beim Wasser über die Gebühren, statt über Beiträge, was auch einen langfristigen Schuldenabbau beinhaltet.
Durch gutes Haushalten konnte bisher eine Netto-Neuverschuldung umgangen werden. Die bereits langanhaltende finanzielle Schieflage wird durch die Stabilisierungshilfe der Bayerischen Staatsregierung etwas gemildert. Es besteht die Hoffnung, diese auch weiterhin zu erhalten. Die Pflichtaufgaben sollen erfüllt werden, das sind u. a. Feuerwehrausstattung, Straßenbau und natürlich Wasserversorgung. Es geht um Unfall- und Schadenersatzvermeidung. Der Bürgermeister möchte die Stadt hier gut aufgestellt wissen.
Auch in Mürscht immer mehr Alte
Die Zahl der über 65-Jährigen steigt auch in Münnerstadt kontinuierlich. Es wird künftig nicht in jedem Fall möglich sein, einen Pflegeheimplatz bereitzustellen. Das Projekt „Gute Pflege“ im Rahmen eines Quartiermanagements soll – förderwürdig und modellhaft – hier eine neue Unterstützung aufbauen. Die Ausschreibung ist erfolgt. Bewerbungen gibt es.
Der Bürgermeister möchte sich nicht mit „einer negativen Demografie-Entwicklung“ zufriedengeben. „Bürgersteig hochklappen gibt es bei mir nicht!“
Medizinisches Versorgungszentrum in Sicht?
Das Hausärzteproblem ist in Münnerstadt nicht ganz so gravierend. Doch wird sich die Stadt bei der künftigen Sicherung der Versorgung mehr engagieren müssen. Thema ist ein künftiges MVZ vor Ort. Hier ist eine ständige Verständigung mit der NES-Allianz im Gang.
Stromgewinnung wird zum Standortfaktor
Der Besuch des Wirtschaftsministers Aiwanger war nicht nur äußeres Zeichen einer starken Entwicklung heimischer Energiepotentiale. Neue Stromleitungen werden das Stadtgebiet durchqueren. Im Bildhäuser Forst ist eine der stärksten Windenergieanlagen in Planung. Die Stadt steht mit anderen Kommunen und Firmen im Austausch und hat Vereinbarungen und Förderanfragen auf den Weg gebracht, um grüne Energie vor Ort zu produzieren. Es geht nach Aussage von Michael Kastl um „knallharte“ wirtschaftliche Standortpotentiale, die es für die Stadt zu sichern sind.
Zentscheune und Glasfaser
Das Jörgentor wurde für eine Million Euro für die nächsten Jahre fit gemacht. Eine Förderung dazu gab es nicht. Die Zehntscheune wartet seit Jahren auf eine dringend notwendige Sanierung. Ein großes Vorhaben ab 2025 ist die Glasfaserkabelverlegung in der Gesamtstadt. Viele Gehsteige müssen dazu geöffnet werden und die haben im Zustand und Eigentum sehr unterschiedliche Vorgaben, die gelöst werden müssen. Die Förderung ist zwar gut, doch für eine bessere Übersicht und Kontrolle des Bauvorhabens, wird das Bauamt 2025 verstärkt werden.
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