Wenige Tage vor Weihnachten hat die Regierung von Unterfranken dem Markt Burkardroth 17 syrische Flüchtlinge zugewiesen. Untergebracht sind die Flüchtlinge in den beiden dezentralen Unterkünften in Waldfenster und Stangenroth.
Bürgermeister Daniel Wehner: „Ich war nicht begeistert, aber wir als Gemeinde haben keine Einflussmöglichkeit. Wir wurden vor vollendete Tatsachen gestellt.“
In Waldfenster sind elf Männer im Alter von 13 bis 37 Jahren untergebracht. In Stangenroth leben ukrainische Frauen und Kinder in der Unterkunft, zu ihnen gesellt sich nun eine sechsköpfige syrische Familie. „Mir war wichtig, dass keine jungen arabischen Männer bei den ukrainischen Frauen in Stangenroth einquartiert werden“, erklärt Wehner.
Kritik am Bürgermeister
Damit die Bevölkerung über die Neuzugänge informiert ist, verfasste Wehner ein Schreiben, dass er in Waldfenster verteilen ließ. „Ich wollte die Bürger informieren“, betont Wehner, denn für diese Schreiben habe er schon einiges an Kritik einstecken müssen. Die einen kritisierten, dass er öffentlich machte, dass es sich um elf syrische Männer handelt, andere kritisieren, dass der Brief zu negativ sei.
„Ich wehre mich dagegen, nach rechts außen gedrückt zu werden“, macht Wehner im Gespräch mit unserer Redaktion deutlich.
Bürgermeister sieht Probleme
In seinem Schreiben heißt es: „Der Markt Burkardroth hat bereits 78 Flüchtlinge aus der Ukraine aufgenommen. Wir als Gemeinde stoßen an unsere Grenzen bzw. haben diese in Teilen bereits überschritten, denn es leben bereites 414 ausländische Mitbürger aus 44 verschiedenen Nationen bei uns.“ Im Weiteren schreibt er über Kapazitätsprobleme in den Kindertagesstätten und Schulen, über Lehrkräftemangel und hohe Erkrankungszahlen beim pädagogischen Personal.
Ankerzentrum platzt aus allen Nähten
Wehner erläutert auch, warum die Zuteilung erfolge: „Das Ankerzentrum in Geldersheim platzt aus allen Nähten und es kommen immer mehr Menschen. Deshalb hat die Regierung von Unterfranken beschlossen, dass vor Weihnachten noch bis zu 1000 Personen auf die Städte und Gemeinden in Unterfranken verteilt werden müssen.“
Ungerechte Verteilung?
Dass Burkardroth aktuell Flüchtlinge aufnehmen muss, bezeichnet Wehner als „ungerecht“. „Wir haben schon einiges geleistet.“ 22 Flüchtlinge seien aktuell auf den Landkreis Bad Kissingen verteilt worden, 17 kamen in den Markt Burkardroth.
Als äußert ungünstig, sieht er die Unterbringung in Waldfenster an. „Sie haben kein Auto, es gibt keine Einkaufs- und kaum Freizeitmöglichkeiten.“ Der soziale Aspekt müsse für beide Seiten passen. Er sieht die Gefahr einer Neiddebatte, gerade in diesen Tagen, wenn einheimische Familien Kostensteigerungen zu verkraften haben und gleichzeitig Bürger kommen, die vom Staat Geld bekommen.
Zuweisung unumgänglich
Er räumt zwar ein, dass die Zuweisung von Geflüchteten unumgänglich sei. Gleichzeitig kritisiert er den Kurs der Flüchtlingspolitik, was er bereits in mehreren Briefen an die Abgeordneten deutlich moniert habe. „Ich habe kein Problem, wenn Menschen aus Kriegsgebieten kommen, wir müssen helfen. Aber die Liste sicherer Herkunftsländer muss überarbeitet werden.“
Alle Landkreise müssen ihren Beitrag leisten
Der Pressesprecher der Regierung von Unterfranken Johannes Hardenacke bestätigte, dass derzeit viele Menschen aus dem zentralen Ankerzentrum in dezentrale Unterkünfte verlegt werden. „Wir müssen Platz schaffen für Neuankömmlinge. Verstärkt kommen derzeit Afghanen und Syrer.“
Nicht nur das Ankerzentrum sei voll belegt, auch die dezentralen Unterkünfte seien voll. „Alle Landkreise sind gefordert, Flüchtlinge aufzunehmen.“ Da die vorhandenen Kapazitäten nicht ausreichen, werde es notwendig, zusätzlichen Platz zu schaffen. „Alle Landkreise sind verpflichtet, ihren Beitrag zu leisten.“ Klar müsse sein, dass sich die Landkreise und Gemeinden auf weitere Zugänge einstellen müssen.
Weitere Flüchtlinge in Mitgenfeld
Das Landratsamt ergänzt, dass neben den in Stangenroth und Waldfenster untergebrachten Flüchtlingen fünf weitere geflüchtete Personen in der dezentralen Unterkunft in Mitgenfeld untergebracht wurden.
Neben diesen Unterbringungen seien derzeit keine weiteren außerplanmäßigen Unterbringungen oder Zuweisungen angekündigt. So sei zum jetzigen Zeitpunkt keine Belegung der Notunterkunft im Bürgerspital in Hammelburg erforderlich.
Bis Redaktionsschluss waren die Bundestagsabgeordneten aus dem Stimmkreis sowie Landtagsabgeordneter und Innenstaatssekretär Sandro Kirchner (CSU) für eine Stellungnahme nicht erreichbar.
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