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Hammelburg diskutiert
Eine Entschädigung für Windräder und PV-Anlagen?
Die Rotorblätter eines Windrades haben eine Spannweite von 117 Metern.
Aufgrund der überproportionalen „Belastung“ wünscht sich die Bevölkerung in Gauaschach, zumindest ein wenig von den erwartbaren Einkünften zu profitieren. // Symbolbild/Sigismund von Dobschütz
Gauaschach – Gauaschach ist in Sachen erneuerbare Energie vorne dabei. Aufgrund der Belastung wünscht sich der Ort nun allerdings, zumindest ein wenig von den Einkünften zu profitieren. Ist das möglich?

Einige Windräder laufen bereits, Photovoltaik-Freiflächenanlagen sind in Planung und ein zweiter Windpark könnte folgen: Gauaschach ist in Sachen erneuerbare Energien vorne mit dabei.

Immer wieder wird in dem Hammelburger Ortsteil deshalb ein Anliegen laut: Aufgrund der überproportionalen Belastung wünscht sich die Bevölkerung, zumindest ein wenig von den erwartbaren Einkünften zu profitieren. Der Vorschlag aus der Stadtverwaltung: eine freiwillige Selbstverpflichtung. 

Doch wie soll das ablaufen? Und ergibt die Idee überhaupt Sinn? Der Stadtrat diskutiert. 

Windvorranggebiet in Gauaschach – die Vorgeschichte

Das Thema erneut auf den Tisch brachte kürzlich eine Entscheidung des Planungsverbandes Main-Rhön, denn: Südöstlich von Gauaschach befindet sich das Windvorranggebiet WK 10 Heide. Erst vor wenigen Monaten, nämlich im Oktober 2025, hat der Verband eine geplante Erweiterungsfläche offiziell mit in das Windvorranggebiet Gauaschach einbezogen.

Das Foto zeigt die Aussicht von der Vierzehnheiligen-Kapelle bei Wülfershausen auf die Windräder bei Gauaschach im Jahr 2022.
Das Foto zeigt die Aussicht von der Vierzehnheiligen-Kapelle bei Wülfershausen auf die Windräder bei Gauaschach im Jahr 2022. // Archiv/Ralf Ruppert

Insgesamt beläuft sich die Fläche nun – mitsamt Erweiterungsfläche und 100 Meter Pufferzone – auf 142,45 Hektar. Davon konnte durch sogenanntes Flächenpooling eine Gesamtfläche von 126,05 Hektar gesichert werden. 

Zur Vorgeschichte: Im Zeitraum von April bis September 2024 wurde ein kommunales Flächenpooling im Windvorranggebiet WK 10 Heide südostlich von Gauaschach durchgeführt. 


Um die Energiewende voranzutreiben, weisen Regionalverbände potenzielle Gebiete für den Bau und Betrieb von Windenergieanlagen aus. Mit einem Flächenpooling-Verfahren sichert die Stadt die Verteilung der Pachteinnahmen.

Beim Flächenpooling legen also mehrere Grundstückseigentümer in einem Gebiet ihre Flächen zusammen, um sie gemeinsam für Windräder zu verpachten, sodass alle Beteiligten (auch wenn die Anlage nicht direkt auf ihrem Grundstück steht) finanziell profitieren und die Kommune die Steuerungshoheit behält.


Zusätzlich wurde nach mehreren Abstimmungsgesprächen ein Nutzungsvertrag (zur Errichtung und zum Vertrieb) von Windenergieanlagen zwischen der Energie GmbH des Landkreises und der Stadt Hammelburg geschlossen. 

In der Sitzungsvorlage heißt es zum Windvorranggebiet: Durch diese kommunale Steuerung werde bereits eine umfangreiche Kommunal- und Bürgerbeteiligung ermöglicht – zum Beispiel: kommunale Pachteinnahmen, Gewerbesteuereuereinnahmen, Einnahmen nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) sowie die Möglichkeit der direkten Beteiligung am Betrieb der Anlagen durch eine Kommunalbeteiligung sowie eine mögliche direkte Bürgerbeteiligung durch die Bürgerenergiegenossenschaft. 

Die Akzeptanz in Gauaschach steigern

Um zudem auch auf den Wunsch der Gauaschacher einzugehen, machte die Stadtverwaltung im Dezember einen Vorschlag: „Zum Zwecke der Akzeptanzsteigerung könnten beispielsweise 50 Prozent der zu erwartenden Einnahmen nach EGG direkt für Maßnahmen im Stadtteil Gauaschach aufgewendet werden.“

Im Vergleich zur Gewerbesteuer würden die EEG-Einnahmen nur geringe Schwankungen aufweisen und in direkter Abhängigkeit zur Belastung vor Ort stehen. Ansprüche würden durch diese freiwillige Selbstverpflichtung allerdings keine bestehen, die Situation sei immer abhängig von der Haushaltslage.

Doch: Macht das dann überhaupt Sinn? Auch im Gremium kam es, noch bevor die Stadträte die Entscheidung positiv beschieden haben, aus diesem Grund zu einer Diskussion.

„Wir sind eine Stadt und sollten solche Dinge gemeinsam machen“ 

„Es werden immer Investitionen getätigt – und das in alle Ortsteile“, betont Bürgermeister Armin Warmuth (CSU). Am Schluss sei es eine Entscheidung, die bei den Haushaltsberatungen getroffen werden muss, ergänzt Kämmerer Tobias Fritzmann. „Wir können keine Versprechen oder sogar Verbindlichkeiten in die Richtung abgeben“, sagt er.

Yannick Pfriem (Freie Wählerschaft) verstehe zwar, dass rechtlich keine andere Option möglich ist, sieht den Vorschlag allerdings trotzdem kritisch: „Das ist letztlich nur eine Absichtserklärung und damit für mich das Papier, auf dem es steht, eigentlich nicht wert.“ Außerdem stelle sich der Stadtrat die Frage: „Wo fangen wir da an, wo hören wir auf?“ Thomas Reuter (Bürgerliste Obereschenbach) ergänzt dazu: „Natürlich sind die Gauaschacher stark belastet, das ist uns allen bewusst. Westheim ist aber beispielsweise auch extrem durch den Lkw-Verkehr beeinträchtigt. Wir sind eine Stadt und sollten solche Dinge gemeinsam machen“, ist er der Meinung. 

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Die Botschaft dieses Beschlusses muss sein: Wir sind bereit, uns an diese Selbstverpflichtung zu halten.

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Reinhard Schaupp Stadtrat

Alexander Stolz (CBB) wirft außerdem in den Raum: „Es ist natürlich schwierig zu sagen, was ist zusätzlich und was wäre ohnehin gemacht worden.“ Fabian Hamák (Grüne) meint: „Es handelt sich um eine Absichtserklärung, das ist klar. Ich finde es aber grundsätzlich wichtig, die Menschen vor Ort an der Energiewende zu beteiligen und die Akzeptanz zu steigern.“

Trotz unterschiedlicher Meinungen ist am Ende allen Beteiligten klar: Eine verbindlichere Lösung sei nicht möglich, wie es auch Reinhard Schaupp (CBB) zusammenfasst. „Die Botschaft dieses Beschlusses muss sein: Wir sind bereit, uns an diese Selbstverpflichtung zu halten“, verdeutlicht er.

 

 

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