0
Rhönallianz
Klärschlammkonzept: Rolle rückwärts
In Trübenbrunn könnte zukünftig der Klärschlamm aus mehreren Rhönallianz-Gemeinden gepresst werden.
In Trübenbrunn könnte zukünftig der Klärschlamm aus mehreren Rhönallianz-Gemeinden gepresst werden. // Archiv/Julia Raab
Bad Brückenau – Die Absage von Schondra an das interkommunale Klärschlammkonzept bedeutet einen herben Rückschlag für die anderen Gemeinden. Wie geht es nun weiter?

Vor etwa einer Woche traf der Gemeinderat Schondra eine mit Spannung erwartete Entscheidung: Die Gemeinde spricht sich gegen die Teilnahme an dem interkommunalen Klärschlammkonzept aus und kocht, bildlich gesprochen, weiterhin ein eigenes Süppchen.

Aber von Anfang an: Ein gemeinsames Klärschlammkonzept, also eine Entsorgung des aus dem Klärprozess anfallenden Abfallproduktes, ist seit mehreren Jahren im Gespräch. Denn die Entsorgung großer Mengen ist weitaus günstiger als die kleinerer Mengen.

Nun haben die teilnehmenden Allianzgemeinden ganz unterschiedliche Voraussetzungen. Manche Kläranlagen besitzen eine eigene Presse zur Entwässerung und Vorbereitung des Klärschlammes, so wie in Oberleichtersbach und zukünftig in Wildflecken der Fall. Dann gibt es Teichanlagen, die zusätzlich nachgerüstet werden müssten und ihren Schlamm anschließend in der großen Kläranlage in Trübenbrunn in einer gemeinsamen Schneckenpresse entwässern lassen würden. Das ist in Motten, Speicherz, Untergeiersnest und Geroda der Fall.

Studie zeigt Optionen

Für Schondra wäre der finanzielle Anteil bei einer interkommunalen Lösung der zweithöchste nach Bad Brückenau gewesen. Das hat eine Machbarkeitsstudie ergeben, die vor rund einem Jahr vorgestellt wurde. Für die Gemeinde Schondra fiel dabei ein Anteil an den Investitionskosten in Höhe von 234.000 Euro an. Diese Lösung hätte insbesondere für die kleineren Gemeinden und Anlagen einen Vorteil bedeutet, was die Aufrüstung der Kläranlagen und die Entsorgung betrifft.

Die Studie hielt zudem fest, dass die Gemeinden viel unabhängiger von Preisentwicklungen und Terminplanung externer Entwässerungsdienstleister seien. Denn eine Lagerung des entwässerten Klärschlammes wäre auch nach Aufrüstung in Trübenbrunn möglich.

Jetzt also das Nein aus Schondra. Jochen Henz, Zweiter Bürgermeister von Schondra, vertritt derzeit Gemeindeoberhaupt Bernold Martin. Er erklärt: „Der Schlamm der Gemeinde wird über eine mobile Presse drei bis viermal pro Jahr entwässert und anschließend entsorgt.“ Die Kosten dafür lägen bei rund 30.000 Euro pro Jahr.

Beschlüsse nicht mehr gültig

Eine Investition von 234.000 Euro für die interkommunale Lösung mit zusätzlich jährlichen Betriebskosten von etwa 20.000 Euro würde sich massiv auf die Gebühren für die Gemeinde niederschlagen. „Das können wir unseren Bürgern nicht vermitteln“, betont Henz, vor allem, wenn die derzeitige Lösung gut funktioniere. Trotzdem, fügt er noch hinzu, stehe die Gemeinde zur Rhönallianz, auch wenn „die Zusammenarbeit in diesem Punkt nicht zustande kommt.“

Für die anderen Gemeinden bedeutet das: Alles auf Anfang. Denn die Studie mit Kostenberechnung ist auf Grundlage der Teilnahme aller Kommunen erstellt worden. Bisher haben sich alle anderen Gemeindegremien für eine gemeinsame Lösung ausgesprochen. Nun sind die Beschlüsse nicht mehr gültig, weil die Zahlen nicht mehr stimmen. Für Uwe Schmidt, Umsetzungsbegleiter der Rhönallianz steht nun fest: „Jetzt haben wir zumindest Sicherheit.“ Was das konkret für die Gemeinden bedeutet, erklärt er weiter: „Jetzt müssen alle für sich ausrechnen, was eine Aufrüstung der eigenen Anlagen kosten würde.“

Weiterhin Interesse an Zusammenarbeit

Mottens Bürgermeisterin Katja Habersack äußert sich dazu: „Die Kosten werden sich für uns nun deutlich erhöhen.“ Dementsprechend müssen die weiteren Schritte im Gemeinderat besprochen werden. Die interkommunale Lösung für die Entsorgung des Klärschlamms sei aber immer noch im Interesse der Gemeinde. „Vom Grundsatz her stehe ich dahinter.“ Das Projekt solle zügig weiter vorangetrieben werden.

Gerodas Bürgermeister Alexander Schneider pflichtet dem bei. „An der grundsätzlichen Entscheidung, den Schlamm in Trübenbrunn gemeinsam entsorgen zu lassen, ändert sich nichts.“ Was allerdings die Aufrüstung oder den Umbau der Kläranlage in Geroda betrifft, so müsse sich der Gemeinderat in Kürze mit den möglichen Optionen aneinandersetzen. 

Für die anderen wird es teuerer

Auch für die Stadtwerke als Betreiber der Kläranlage in Trübenbrunn bedeutet das jetzt einen Rückschritt. Denn fest steht, dass die Kostenverteilung für die Aufrüstung in der großen Kläranlage in Trübenbrunn nicht mehr haltbar ist. 

Geschäftsführer Torsten Zwingmann teilt mit: „Dieses Thema wird auf der Tagesordnung der nächsten Werkausschusssitzung der Stadtwerke Bad Brückenau Abwasserbeseitigung im April stehen.“ Anschließend würde er sich mit den verbleibenden Gemeinden der Rhönallianz austauschen, wie sie mit der Situation umgehen wollen. Erst danach könne es weitere Informationen dazu geben. 

Zur Info: Klärschlammkonzept der Rhönallianz

Hintergrund 2017 trat eine novellierte Klärschlammverordnung in Kraft. Ziel ist es, ab 2029 das Phosphat aus dem Klärschlamm komplett rückzugewinnen. Bis spätestens Ende 2023 müssen alle Klärschlammerzeuger einen Bericht über die geplanten Maßnahmen bei der zuständigen Behörde vorlegen. Aufbringen auf die Landwirtschaft soll wegen der Schadstoffe eingeschränkt werden. Die Entsorgung des Schlammes ist seitdem besonders teuer.

Konzept Geplant war, dass Oberleichtersbach weiterhin und zukünftig Wildflecken eine eigene Entwässerung vornehmen durch eigene technische Anlagen. Für die Kläranlagen in Untergeiersnest, Modlos, Geroda, Motten, Speicherz, Schönderling, Detter und Trübenbrunn gab es den Vorschlag einer gemeinsamen Investition in eine Presse mit Lagerungsfläche in Trübenbrunn. Die Investition liegt bei 1,16 Millionen Euro. 

 

Das könnte Sie auch interessieren:

Inhalt teilen
  • kopiert!