0
Bad Kissinger berät
Was Senioren über Rollatoren wissen sollten
Edgar Kast (rechts) durchläuft einen  Parcours mit den Seniorinnen und Senioren.
Edgar Kast (rechts) durchläuft einen Parcours mit den Seniorinnen und Senioren. // Ellen Mützel
Landkreis Bad Kissingen – Worauf muss man beim Rollatorkauf achten? Wie ist er richtig eingestellt? Und welche Tricks gibt es, um sicher unterwegs zu sein und Hindernisse einfach zu bewältigen? Edgar Kast hat Antworten.

Im Treibhaus Münnerstadt haben sich im Rahmen der Sommernutzung des Areals eine Gruppe Seniorinnen und ein Senior versammelt, um ihren Rollatoren-Führerschein bei Edgar Kast von der Bad Kissinger Verkehrswacht zu machen.

Dazu gehört rund eine Stunde Theorie rund um die Gehhilfe. In der Praxis durchlaufen sie einen Parcours, um gelerntes Wissen anzuwenden und damit Edgar Kast sehen kann, ob es weitere Verbesserungen am Umgang mit der Gehhilfe gibt. 

Zur Einleitung sagt der frühere Polizist: „Normalerweise bekommen Sie den Rollator vom Arzt verschrieben, dann wird er Ihnen einfach vor die Tür gestellt und Sie stehen damit alleine da. Ich habe mir daher zur Aufgabe gemacht, Ihnen zu zeigen, wie man mit dem Rollator richtig umgeht.“

1. Anschaffung: Ein Rollator bedeutet, mobil zu sein 

Ein wichtiger erster Tipp ist, sich tatsächlich einzugestehen, wenn man einen Rollator braucht. Das richtet Edgar Kast erfahrungsgemäß vor allem an die Männer. Der Rollator unterstütze Seniorinnen und Senioren sehr dabei, aktiv zu bleiben. Von der Krankenkasse gibt es einen Zuschuss.

2. Worauf beim Kauf zu achten ist

Wer überlegt, sich einen Rollator zuzulegen, sollte dies in seiner Hausarztpraxis absprechen. Der Arzt oder die Ärztin kann am besten einschätzen, ob die Gehhilfe tatsächlich notwendig ist, denn es gibt auch Punkte, die dagegen sprechen. Falls aber eine Notwendigkeit besteht, kann der Arzt oder die Ärztin dies verschreiben, was Voraussetzung für den Krankenkassenzuschuss ist. 

Den Rollator im Netz zu bestellen, sei zwar eine einfach und günstig, aber „wer baut ihn zusammen? Wer schaut darauf, ob er betriebssicher ist? Gehen Sie in ein Fachgeschäft und lassen sich beraten. Wenn später mal ein Problem auftritt, kann das dort behandelt werden“, rät Edgar Kast. 

Was die Beschaffenheit und Ausstattung angeht, gibt es große Unterschiede. Dafür hat Edgar Kast zwei Beispielmodelle mitgebracht: eines, das etwas mehr kostet und eines, das die Krankenkasse stellen würde: Das bessere Modell ist aus Alu und wiegt sieben Kilogramm, das andere aus Stahl und hat damit rund 12 Kilogramm. 

Das bessere Modell hat ergonomische Griffe, etwas größere Räder, Kugellager, Beleuchtung, eine Rückenlehne und lässt sich quer zusammenfalten, sodass man es einfach über den Arm hängen kann. „Man muss etwa 150 Euro drauflegen, aber das ist es wert. Und dann gehört er Ihnen“, empfiehlt Edgar Kast. 

Unterschiede eines billigen und teuren Rollators

3. Der Rollator muss betriebssicher und richtig eingestellt sein

  • Der Rollator sollte auf die richtige Höhe eingestellt sein. Dazu stellt man sich an den Rollator und lässt die Arme hängen. Auf Höhe der Armgelenke sollten die Griffe eingestellt werden.
  • Die Bremsen müssen funktionieren und die Räder komplett blockieren. Dies lässt sich beim Fachmann einfach nachstellen. 
  • Die Räder sollten sich frei bewegen lassen. Tun sie das nicht, ist zu prüfen, ob Dreck die Räder blockiert oder etwas Öl helfen würde. 
  • Die Griffe müssen fest sein und dürfen nicht wackeln

4. Richtiger Umgang

Gutes Schuhwerk, auch zu Hause, ist eine wichtige Prävention, um nicht zu stürzen.

Kinder sollten niemals auf den Rollator gesetzt und geschoben werden. Sie können nach vorne fallen oder samt dem Wagen wegrollen. „Passen Sie auch beim Einkaufen auf und laden nicht mehr als fünf Kilogramm“, rät Kast. „Durch den engen Radstand kippt er sonst schnell nach vorne.“

Das richtige Setzen

Das sichere Hinsetzen funktioniert so: Die Person bewegt sich auf den Stuhl zu, dreht sich mit dem Rollator, lässt die Kniekehlen den Stuhl berühren, zieht die Feststellbremsen und setzt sich hin. 

Um den Rollator neben sich zu bringen: Man löst die Bremsen, hält beispielsweise die rechte Bremse mit der rechten Hand fest und lässt den Rollator mit dem linken, nicht blockierten Rad, in einem Bogen um sich selbst drehen, bis er rechts der Person steht. 

Zum Aufstehen wird der Rollator wieder vor sich gestellt, Bremsen festgezogen, eine Hand stützt am Stuhl ab, die andere ist am Rollator, damit zieht man sich nach oben. 

Hindernisse richtig bewältigen

Um kleinere Hindernisse zu bewältigen, heben Seniorinnen und Senioren oft den gesamten Rollator an. Das muss nicht sein. Es gibt vier einfache Wege, es leichter zu machen. In allen Fällen sollten sie mit dem Rollator bis an das Hindernis heranfahren. 

  1. Die meisten Rollatoren haben unten am Rad einen kleinen Hebel: die Ankipphilfe. „Wenn ich da drauf trete, gehen die Vorderräder hoch. Dann kann ich den Rollator nach vorne schieben und das Hindernis bewältigen“.  Die Ankipphilfe lässt sich nachrüsten.
  2. Der Rollator wird an einer Seite leicht angehoben, das Vorderrad über das Hindernis geschoben, dann folgt die andere Seite.
  3. Man geht mit einem Fuß an das Rad, kippt den Rollator nach hinten und schiebt ihn ein kleines Stück nach vorne.
  4. Man zieht die Bremsen, um die Hinterräder zu blockieren, zieht den Rollator hoch, lässt die Bremse los und kann über das Hindernis fahren 

Sicher im Straßenverkehr

Reflektoren-Aufkleber an den Rädern lassen die Gehhilfe im Straßenverkehr auch bei schlechter Sicht gut erkennen. 

„Was sich bewegt, fällt mehr auf. Bevor man einen Zebrastreifen oder die Straße überquert, rate ich, die Hand vor sich nach oben und unten zu schwenken.“ Und auch wichtig: schräg überqueren bedeutet, länger auf der Straße zu laufen.

Stehen Seniorinnen und Senioren mit der Gehhilfe vor Stufen oder müssen sie einen sehr unebenen Weg zurücklegen, sollten sie andere um Hilfe bitten, bevor sie sich übernehmen. „Die Leute helfen gerne, Sie müssen sie nur fragen“, ermutigt Kast. 

Beim Busfahren sollten Seniorinnen und Senioren hinten einsteigen, gegebenenfalls bitten, die Rampe hierfür aufzuklappen oder den Rollator in den Bus zu heben, diesen sicher mit Bremsen abstellen, vorne bezahlen und sich dann auf einen Bussitz setzen. 

Im Aufzug umdrehen

Damit Seniorinnen und Senioren nicht rückwärts aus engen Aufzügen herausmüssen, gibt es einen Trick, sich zu drehen: Man läuft vorwärts in den Aufzug, macht kleine Dribbelschritte auf der Stelle, während man den Rollator im Kreis um 180 Grad dreht.

Weitere Termine in diesem Jahr: 

In folgenden Orten gibt es noch Termine von Edgar Kast. Sie sind nur Aufklärungsveranstaltungen ohne Praxisteil. 

  • 10. September, 14 Uhr, Stangenroth, St. Sebastiani-Stube (VdK Ortsverband Stangenroth/Zahlbach)
  • 8. Oktober, 14.30 Uhr, Kolping Haus Garitz (Kolping-Verein Garitz)
  • 22. Oktober, 14 Uhr, Katholisches Pfarrheim Bad Kissingen (Caritas Bad Kissingen)
  • 05. November, 14 Uhr, Sportheim Reith (Senioren-Union Oberthulba)
  • 28. Januar 2026, 14 Uhr, Sportheim Oerlenbach (VdK-Ortsverband Oerlenbach)
Inhalt teilen
  • kopiert!