„Klima retten und Waldflächen zerstören“ oder „Jetzt wollen se ganz Deutschland zupflastern“: Diese Kommentare stehen unter Facebook-Beiträgen der Saale-Zeitung zur Einweihung des Windparks Fuchsstadt.
Kritik richtet sich vor allem gegen Windräder im Wald. Die Redaktion hat deshalb nachgefragt, was Investoren und Betreiber tun müssen, um den Eingriff in die Natur zu kompensieren.
Blick nach Sulzthal und Fuchsstadt
„Ausgleichsmaßnahmen“ heißt der juristische Begriff für alles, was an Zahlungen und Leistungen fällig wird, um der Natur das zurück zu geben, was ihr genommen wird. Die jüngsten Windparks im Landkreis stehen in Sulzthal und Fuchsstadt: Was wurde dort konkret gemacht?
Zahlung an den Naturschutzfonds
In Sulzthal zahlte Betreiber Alterric nach eigenen Angaben „für die Beeinträchtigung des Landschaftsbildes“ rund 340.000 Euro in den bayerischen Naturschutzfonds ein. Mit Geld aus dem Fonds wurden direkt in Sulzthal zum Beispiel alte Weinbergstrockenmauern im Bereich „Alte Straße“ erneuert.
Zudem gab es laut Bürgermeister August Weingart 25.000 Euro für die Renovierung eines Bildstock in der Flur. „Das hätten wir alles ohne das Geld aus dem Windpark nicht stemmen können“, sagt Weingart.
Wasserspeicher für Wildtiere
Im Gemeindewald gibt es zudem drei neue Rückhaltebecken. Auf der trockenen Hochebene entlang der Wasserscheide zwischen Saale und Wern sollen sie vor allem Trinkwasser für Wildtiere speichern. Laut Bürgermeister Weingart seien weitere solcher künstlichen Teiche aus Mitteln des Naturschutzfonds geplant.
Für den Park mit drei Windrädern hat Alterric nach eigenen Angaben außerdem rund drei Hektar Ausgleichsfläche an mehreren Standorten in der Sulzthaler Flur angelegt.
Acker wird mit klimafreundlichen Baumarten aufgeforstet
Bei einem Waldbegang zeigten die Förster eine ehemaligen Ackerfläche in der Gemarkung Einforst: In Sichtweite zum Windpark wurden dort wärmeliebende Baumarten gepflanzt, die widerstandsfähiger gegenüber der Klimaerwärmung sein sollen.
Der entstehende Mischwald sei Eigentum der Gemeinde, stellte Weingart klar. Alterric habe aber alle Kosten für Pflanzung und Zaunbau übernommen.
Elsbeere, Walnuss oder Baumhasel
Laut Förster Markus Söder wurden auf der rund 6500 Quadratmeter großen Fläche jeweils 500 Spitzahorn, Kirschen, Elsbeeren, Walnuss und Baumhasel, je 50 Wildbirnen, Kreuzdorn und Eiben sowie je 25 Speierling, Holunder, Berberitze, Kornelkirsche, Schneeball, Heckenkirsche sowie Pfaffenhütchen gepflanzt.
Eigener Baum für jedes neue Schulkind
Am Bühnholzweg soll zudem eine Wiese nach und nach aufgeforstet werden. Ein Heckensaum sei bereits angelegt. Dahinter wird für jedes Kind, das den Sulzthaler Kindergarten verlässt, ein Baum gepflanzt.
Für das Projekt habe Alterric bereits rund 3200 Euro an den Markt Sulzthal überwiesen, weitere 6400 Euro gab der Betreiber als Zuschuss für den Bau von Waldwegen.
Betreiber bessert die genutzten Wege aus
„Zudem ist nach Abschluss der Bauarbeiten ein Rückbau im Windpark selbst vorgesehen“, teilt ein Alterric-Sprecher mit. Über „natürliche Sukzession“ sollen Pflanzen, Tiere und Pilze zurück kommen. Dazu würden Flächen eingezäunt.
Zudem kündigt Alterric an, die für den Bau genutzten Waldwege mit einer neuen Kiesschicht zu versehen. Und: „Für Vögel und Fledermäuse wurden durch das Um- und Neuaufhängen von Nistkästen und Nisthöhlen attraktive Lebensbedingungen geschaffen.“
Ausgleichsmaßnahmen trotz Verzögerungen beim Bau der Windräder
Für den Windpark Fuchsstadt wurden die Ausgleichsflächen schon lange vor Inbetriebnahme des Windparks umgesetzt: Laut Bürgermeister René Gerner sei bereits im Jahr 2018 der Aufforstungsplan erstellt worden.
Damals sei noch nicht absehbar gewesen, dass sich der Bau der drei Windräder durch Insolvenzen und die Sprengung der alten Türme noch fünf Jahre verzögert.
Kästen für Vögel und Fledermäuse
Laut Projektleiter Patrick Ecker von Qair Deutschland wurden für den Windpark Fuchsstadt insgesamt rund zwei Hektar Fläche dauerhaft gerodet. Weitere eineinhalb Hektar seien vorübergehend genutzt worden.
Qair hängte unter anderem drei Fledermausgroßraumhöhlen, 60 Fledermaus-, 20 Vogel-, zwei Eulen- und zehn Haselmaus-Kästen auf.
332.000 Euro für den Naturschutzfonds
Neben einer ökologischen Begleitung des Windparkbaus habe Qair rund 332.000 Euro an den bayerischen Naturschutzfonds gezahlt. „Was davon finanziert wurde, können wir nicht sagen“, teilt Ecker mit.
Laut Bürgermeister Gerner sind auch im Fuchsstädter Wald Teiche für Wildtiere geplant, auch er erhofft sich Geld aus dem Naturschutzfonds für seine Gemeinde. Neu aufgeforstet wurden 1,4 Hektar im Bereich Helmstal, im Pfützental seien weitere 2,3 Hektar Wald aufgewertet worden, unter anderem entstehe ein Labkraut-Eichen-Hainbuchen-Wald und Biotopbäume würden dauerhaft erhalten.














