0
Windenergie in Unterfranken
Drehen sich bald überall Windräder in Spessart und Rhön?
Foto Main-Post - 10815237
Gemeinden profitieren seit 2022 finanziell von Windrädern. // Jens Büttner/dpa
Signet des Fränkischen Tags von Angelika Kleinhenz, Jürgen Haug-Peichl
Unterfranken
Unterfranken – Aktuell werden in Unterfranken etliche neue Gebiete für Windenergie reserviert. Zwei Regionalplaner erklären, wieso jetzt so viele Gemeinden Windräder wollen.

In Unterfranken sind etwa 270 Windräder in Betrieb. Bald könnten es viel mehr sein. Denn aktuell werden überall in der Region neue, für Windräder privilegierte Flächen, sogenannte „Vorrang- und Vorbehaltsgebiete“, ausgewiesen. Welche Gebiete geeignet sind, entscheiden die Regionalplaner der Regierung von Unterfranken. Die beiden Verantwortlichen Oliver Weidlich und Stefanie Mattern erklären, wie sie vorgehen und was Gemeinden an Windrädern verdienen.

In Unterfranken sind etwa 270 Windkraftanlagen in Betrieb. Werden es in fünf Jahren 100 mehr sein?

OLIVER WEIDLICH: Eine Zahl können wir nicht schätzen. Das hängt von vielen Faktoren ab, auf die wir keinen Einfluss haben. Unser Beitrag als Regionalplanung ist, geeignete, gut abgestimmte Gebiete für konkrete Projekte zur Verfügung zu stellen und andere Bereiche auszuschließen. Wir setzen den Rahmen, wie viele aber wann gebaut werden, entscheiden Investoren.

Wo in der Region werden die neuen Windräder stehen?

STEFANIE MATTERN: Durch den weitgehenden Wegfall der 10H-Regel planen viele Projektierer jetzt Windräder in den Gebieten, die wir 2014 bereits als Windenergiegebiete ausgewiesen haben. Das betrifft die Landkreise Würzburg, Main-Spessart, Kitzingen, Schweinfurt, Haßberge und Rhön-Grabfeld. Der bayerische Untermain hat einen viel höheren Waldanteil und viele unbewaldete Flächen liegen in windstillen Tälern. Viele Anlagen werden dort im Wald entstehen. Aber auch in der Region Main-Rhön liegen neu ausgewiesene Gebiete hauptsächlich in Wäldern.

Manche fragen sich: Werden der Spessart, der Steigerwald, Wälder in der Rhön jetzt der Windkraft geopfert?

WEIDLICH: Wir halten mehr als 90 Prozent unserer Wälder in Unterfranken frei von Windrädern. Es sind nur kleine Bereiche, die wir für die Windenergie öffnen, weil wir ansonsten nicht genug Fläche hätten, um das Ziel der Bundesregierung für Bayern - 1,8 Prozent – zu erreichen.

Dafür haben wir uns intensiv mit Forstbehörden, Naturschutz und den Gemeinden abgestimmt. Hochwertige Wälder bleiben für die Windenergie ausgeschlossen. Die Fläche, mit der die Naturparke Unterfrankens, also Spessart, Bayerische Rhön, Haßberge und Steigerwald von Windrädern betroffen sein werden, ist sehr gering. Sie liegt bei unter zwei Prozent, das heißt 98 Prozent bleiben frei.

IMG_1827[1].JPG
Oliver Weidlich ist Regionalplaner bei der Regierung von Unterfranken. // Jürgen Haug-Peichl

Kommunen erhalten von den Betreibern Geld, wenn Windräder auf Gemeindegebiet errichtet werden. Wie willkommen ist Windenergie?

WEIDLICH: Das Windenergie-an-Land-Gesetz im Jahr 2022 war ein wichtiger Schub für die Windkraft. Die Bundesländer müssen durchschnittlich nicht nur zwei Prozent ihrer Fläche für die Windenergie reservieren, sondern für die Gemeinden gibt es einen Anreiz: Sie können pro Windrad etwa 30.000 Euro im Jahr verdienen. Wenn die Gemeinden Grundstückseigentümer sind, sogar noch mehr. Viele haben großes Interesse, Anlagen auf ihrem Gebiet zu errichten.

Aber nicht jede Gemeinde, die will, bekommt ein Windrad?

WEIDLICH: Nein. Wir prüfen anhand von über 100 Kriterien, ob Windräder fachlich verträglich sind. In einem Trinkwasserschutz- oder Naturschutzgebiet wird nichts gebaut. Auch seitens des Militärs und der Luftfahrt kommen viele Restriktionen. Abstände zu den Siedlungen sind wichtig. Und windhöffig müssen die Gebiete ja auch sein.

So viele Möglichkeiten bleiben am Ende nicht mehr. Für die Netzanbindung macht es Sinn, Windräder auf Flächen zu bündeln und eine Verspargelung der Landschaft zu vermeiden. Wir machen ein fundiertes Konzept. Die Entscheidung treffen aber die Regionalen Planungsverbände, also die Politik.

IMG_1830[1].JPG
Stefanie Mattern von der Regionalplanung bei der Regierung von Unterfranken. // Jürgen Haug-Peichl

Lange hatte die Windkraft ein negatives Image. Immer noch?

MATTERN: Der Widerstand der Bürgerinnen und Bürger in einzelnen Gebieten war 2010 bis 2014 viel massiver als heute. Die größten Bedenken haben Menschen in Orten, die noch nicht mit Windenergieanlagen konfrontiert waren. Aber wir dürfen den Menschen auch nicht zu viel zumuten.

WEIDLICH: Unser Eindruck ist, dass die jüngere Generation, die mit Windenergie aufgewachsen ist, kein Problem mit ihr hat. Für eine klimaschonende Energieversorgung ist Windenergie eine wichtige Säule. Deshalb geht es vor allem um gute Planung und eine ausgewogene räumliche Steuerung, also um die Frage: Wo und in welchem Umfang?

Wie groß ist in Unterfranken der Druck von Investoren?

WEIDLICH: Das Interesse ist groß. Besonders positiv sind viele Initiativen von Landrätinnen und Landräten, gemeinsam mit den Gemeinden eigene Windenergie-Projekte umzusetzen. An ihnen kann sich die örtliche Bevölkerung finanziell beteiligen. Das ist ein großer Nutzen für die Menschen im ländlichen Raum.

Inhalt teilen
  • kopiert!