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Wirtschaft
Gebäude am Marktplatz 9 bald leer, Zukunft offen
Apotheker Sebastian Hose mit dem Aushängeschild der Einhornapotheke, das wegen des Schutzgerüstes am angeblich einsturzgefährdeten Haus abmontiert wurde. Um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden, zieht er mit seiner Apotheke Ende September ...
Apotheker Sebastian Hose mit dem Aushängeschild der Einhornapotheke, das wegen des Schutzgerüstes am angeblich einsturzgefährdeten Haus abmontiert wurde. Um einen langwierigen Rechtsstreit zu vermeiden, zieht er mit seiner Apotheke Ende September an den Viehmarkt um. // Ralf Ruppert
Hammelburg – Die Arztpraxis ist bereits umgezogen, Apotheker Sebastian Hose wechselt an den Viehmarkt. Wie es mit dem Gebäude Marktplatz 9 weitergeht, ist unklar.

Am Ende haben weniger die rationalen Argumente, sondern Bauchgefühl und Heimatverbundenheit entschieden: Apotheker Dr. Sebastian Hose wechselt mit der traditionsreichen Einhorn-Apotheke vom Marktplatz an den Viehmarkt.

Damit zieht der letzte Mieter aus dem Gebäude mit der markanten Sonnenuhr und der Sandsteintreppe am Marktplatz aus. „Ich habe die Hoffnung, dass man schneller zu einer Einigung kommt, wenn das Gebäude leer steht“, betont Hose. Wie es nun weitergeht, ist allerdings offen.

Keine Stellungnahme der Eigentümerin

Eigentümerin des Gebäudes ist die HWT Invest Aktiengesellschaft mit Vorstand Dr. Hubert-Ralph Schmitt (früher Schilling-Bank). Weder die Eigentümerin, noch Architekt Stefan Buttler äußern sich jedoch zur Zukunft des Gebäudes.

Das Thema hat auch den Hammelburger Stadtrat schon mehrfach beschäftigt. Zunächst beantragte die HWT Invest eine Sanierung des Gebäudes. Das Haus Marktplatz 9 ist zwar kein Baudenkmal, gehört aber zum geschützten Marktplatz-Ensemble. Sanierungsbeirat, Stadtrat, Landratsamt und Landesamt für Denkmalpflege gaben grünes Licht.

Arbeiten wurden abgebrochen

2020 starteten auch tatsächlich Arbeiten, nachdem die Obergeschosse entkernt waren, wurde die Sanierung jedoch abgebrochen. Mit der Begründung, dass das Gebäude, das nach dem Stadtbrand 1854 neu gebaut wurde, baufällig sei, beantragte die Eigentümergesellschaft den Abriss und einen Ersatz-Neubau mit vier Vollgeschossen.

Das lehnte der Stadtrat im Januar 2022 ab, auch Landratsamt und Landesamt für Denkmalpflege positionierten sich eindeutig gegen einen Neubau. Zum einen wurde in Zweifel gezogen, dass das Gebäude nicht wirtschaftlich sinnvoll erhalten werden kann.

Verstoss gegen Gestaltungssatzung

Zum anderen wäre ein viergeschossiger Neubau ein Präzedenzfall: Die Gestaltungssatzung lässt nur drei Vollgeschosse rund um den Marktplatz zu. Laut Sanierungsbeirat verstieß der Bauantrag auch in weiteren Punkten gegen die Satzung.

Auf die Nachfrage der Redaktion bei Architekt und Eigentümergesellschaft kam erneut keine Antwort. „Zum genannten Bauvorhaben gibt es keine neuen Erkenntnisse“, teilt auch das Landratsamt Bad Kissingen mit. Die Stadt äußert sich gar nicht zur aktuellen Situation direkt gegenüber dem Rathaus.

Sanierung und geänderte Planung bereits 2020 genehmigt

Das Landesamt für Denkmalpflege als zuständige Fachbehörde hatte im März darauf verwiesen, dass mit Bescheid vom 23. Juni 2017 und einem Tekturbescheid vom 23. September 2020 eine Sanierung des ensemblegeschützten Gebäudes Marktplatz 9 genehmigt wurde.

Wegen des Antrags auf Abriss und Neubau hatte es am 15. November 2022 eine Besprechung mit der Bauherrenvertretung, der Stadt Hammelburg, dem Landratsamt und dem Landesamt für Denkmalpflege gegeben. „Seitdem liegen uns keine aktualisierten Pläne vor“, hieß es im März zum aktuellen Stand.

Arztpraxis in Fuldaer Straße umgezogen

Was Sebastian Hose noch vor sich hat, hat Dr. Bernhard Hamelbeck bereits hinter sich: Er ist bereits im Juni mit seiner Praxis für Psychiatrie und Psychotherapie vom Gebäude Marktplatz 9 in die Fuldaer Straße umgezogen.

„Wir sind hier gut angekommen, und ich bin sehr erleichtert“, fasst Hamelbeck das Ende der Auseinandersetzungen mit dem Vermieter zusammen. Das Einrüsten des Gebäudes im Dezember 2022 ohne Vorankündigung habe er als sehr belastend empfunden. Mittlerweile sei der Fall für ihn jedoch abgeschlossen.

Rechtsstreit vermieden

Apotheker Sebastian Hose, der bereits seit 2008 zudem den Verein für Wirtschaft und Stadtmarketing leitet, wollte nach eignen Worten vor allem einen langwierigen Rechtsstreit vermeiden. Durch einen Rechtsanwalt und einen Gutachter hatte er die Einsturzgefahr angezweifelt.

Hose hat die Apotheke vor 20 Jahren von seinem Onkel Albrecht Gerhard übernommen. 1904 hatte Hoses Urgroßvater Dr. Gottfried Gerhard die Apotheke mit Haus und Garten gekauft. Bis 2013 wohnte Sebastian Hose mit seiner Familie in dem Gebäude, 2016 wurde es an die damalige Schilling-Bank verkauft, die Rechtsvorgängerin der HWT Invest AG ist.

Vermieter vermittelte Alternative

HWT Invest habe ihm einen abgeschlossenen Bereich in den Gebäuden vermittelt, die die Gesellschaft aktuell der Merkurbank vermietet hat. Auch wenn er und seine elf Mitarbeiter sich statt mit bisher 180 dann mit 120 Quadratmeter Fläche begnügen müssen, stimmte er dem vorübergehenden Umzug in den ehemaligen „Bullenstall“ zu.

Er habe lange mit sich gerungen, schließlich hätte er auch zurück in die Industrie gehen oder bei einer anderen Apotheke einsteigen können. Stattdessen investierte der 61-Jährige jetzt noch einmal: „Ich wollte auf keinen Fall in einem Provisorium arbeiten“, begründet der Apotheker, weshalb er eine neue Einrichtung für die Räume kaufte.

Hose geht davon aus, dass es mindestens zwei Jahre dauert, bis er zurück an den Marktplatz ziehen kann. Trotzdem bleibe das sein Ziel: „Mir wurde angeboten, dass ich hierher zurück kann, unabhängig von Sanierung oder Neubau.“ Zudem beteilige sich der Vermieter an seinem Aufwand.

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