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Wirtschaft
Offene Stellen: Das sind die Gründe
Auch im Landkreis Bad Kissingen sind Fachkräfte Mangelware.
Auch im Landkreis Bad Kissingen sind Fachkräfte Mangelware. // Heiko Küverling - stock.adobe (Symbolbild)
LKR Bad Kissingen – Auch im Landkreis Bad Kissingen herrscht Fachkräftemangel. Warum das so ist und was regionale Unternehmen dazu sagen.

In der Stammkneipe, beim Handwerkbetrieb, im Pflegeheim der Oma und natürlich in der Kita – wie es scheint, fehlt derzeit überall Personal. Eine Folge der vielen Krisen, oder sind die Arbeitgeber selbst schuld?

„Es gibt mehrere Ursachen für den derzeitigen Personalmangel“, sagt Isabel Schauz, Referentin für Fachkräftesicherung bei der IHK in Würzburg. „Der demografische Wandel schlägt jetzt ein, weil die Babyboomer in Rente gehen und der Nachwuchs das nicht mehr auffangen kann. Bei nahezu Vollbeschäftigung haben wir keine Ressourcen mehr, aus denen wir schöpfen können.“

Demografischer Wandel ist da

Insgesamt sei der Arbeitsmarkt bis auf kleinere Einbrüche robust: „Insofern ist der jetzige Fachkräftemangel unabhängig von den verschiedenen Krisen, bis auf bestimmte Branchen wie die Gastronomie. Er hatte sich aufgrund der Demografie bereits in den letzten Jahren angekündigt und jetzt ist er da.“

Ein weiterer Faktor ist, dass junge Menschen heutzutage länger im schulischen System bleiben und damit dem Arbeitsmarkt fern bleiben, „und es ist auch so, dass mehr junge Leute studieren als früher und somit in den Ausbildungsberufen fehlen“, erklärt Schauz. Dabei unterscheidet sich die Region Mainfranken nicht von anderen Regionen mit niedriger Arbeitslosenquote.

Mario Fürst, Bereichsleiter bei der Arbeitsagentur Schweinfurt bestätigt das: „Es gibt einen veränderten Stellenwert von Arbeit in der Gesellschaft“, führt er als weitere Gründe an, „hinzu kommen die Attraktivität und Reputation einzelner Branchen oder Arbeitgeber und die finanzielle Absicherung der jungen Generation durch Elternhäuser“.

Immenser Mangel an Bäckern

Als immens bezeichnet Hans-Helmut Schulz, Personalleiter bei der Bäckerei Peter Schmitt den aktuellen Personalmangel in seinem Betrieb: „Schauen Sie sich nur unsere Homepage an – wir haben um die sechzig offene Stellen, die wir nicht besetzen können. Das geht durch die ganze Firma.“ Vor allem Bäcker fehlen. „Vor zehn Jahren hatten wir 23.000 Azubis. Jetzt sind es unter 10.000.“

Das Unternehmen versucht einiges, um neue Mitarbeiter zu gewinnen: „Wir suchen bundesweit und haben ein Konzept entwickelt, um den Umzug und den Einstieg zu erleichtern.“ Dazu gehören Schulungen, eine deutlich gestiegene Vergütung, Benefit wie Jobrad und Betriebsrente sowie ein möglichst arbeitnehmerfreundliches Schichtsystem. Auch die Ausbildung soll einen höheren Stellenwert bekommen.

„Aktuell sind wir gut aufgestellt“, sagt Pascal Muller Operations Manager im Hotel Cup Vitalis in Bad Kissingen, „drei bis vier zusätzliche Mitarbeiter könnten wir einstellen, kommen aber bei der derzeitigen Auslastung gut zurecht.“ Trotzdem sei es schwierig, ausreichend qualifizierte Mitarbeiter zu finden.

Um den Bedarf zu decken, bildet der Hotelbetrieb aus: „Dabei lassen wir unsere internationalen Beziehungen spielen und lassen Hotelfachschüler aus dem europäischen Ausland bei uns ihre Praktika machen – teilweise stellen wir sie danach ein.“

 

Wertschätzung wichtig

Bei Gastronom Marcus Beran sind bis auf zwei alle Stellen besetzt: „Es ist aber oftmals nicht gelerntes Personal. Fachkräfte zu finden ist nicht einfach.“ Ihm ist bewusst, dass er damit in der Gastronomie eine Ausnahme ist: „Viele Kollegen begrenzen ihre Öffnungszeiten oder bieten keine Essen mehr an. Wir haben den Betriebsprozess so angepasst, dass die Arbeit nicht zwingend von Fachpersonal gemacht werden muss. Da muss man mit der Zeit gehen und eine gewissen Toleranz haben, wenn mal was schief geht“, findet Beran. Es komme aber auch darauf an, wie man mit den Leuten umgeht.

Marcus Beran, Hotelchef Muller wie auch Personalleiter Schulz fordern von der Politik weniger Hürden und administrativen Aufwand, um ausländische Mitarbeiter einzustellen.

In Erziehung investieren ohne Wenn und Aber

„Die Mitarbeiterinnen in den Kindertageseinrichtungen nähern sich der hoffnungslosen Überlastung“, ist die Wahrnehmung von Michael Deckert, Leiter des Referats Kindertageseinrichtungen des Caritasverband für die Diözese Würzburg. „Es gibt schlicht und ergreifend einfach nicht genügend Personal.“

Die großen Versprechen der Familienpolitik seien qualitativ nicht einzuhalten. Kitas als erste Bildungsorte sind die Motoren für die Wirtschaft, da sie Erwerbstätigkeit überhaupt erst ermöglichen, betont Deckert und fordert: „Dann muss die Last, die die Kindertageseinrichtungen im Moment allein tragen, gesellschaftlich anders verteilt werden. Es muss dringend kontinuierlich, nachhaltig und massiv in den Bereich der Kindertageseinrichtungen investiert werden, und zwar ohne Wenn und Aber.“

Quereinsteiger gesucht

Auch im Verwaltungsbereich und in der Metallindustrie der Region werden Leute gesucht. Laut Pressesprecher Thomas Hack konnten verschiedene Stellen bei der Stadt Bad Kissingen nicht oder nur nach mehrmaliger Ausschreibung besetzt werden: „Die vermeintliche Sicherheit des öffentlichen Dienstes zählt nicht mehr als Attraktivitätskriterium.“ Helfen würden flexiblere Möglichkeiten für Quereinsteiger.


Bei GKN Sinter Metals in Bad Brückenau besteht noch kein akuter Personalmangel, zeichnet sich jedoch ab, so Human Ressource Manager Joachim Scherer: „Wir nehmen einen angespannten Fachkräftemarkt wahr und spüren den demografischen Wandel in der produzierenden Metallindustrie vermehrt.“

 

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