Nachdem das Gotteshaus Ende Juli entweiht wurde, ist es nun nur noch ein ganz „ordinäres“ weltliches Gebäude.
Kleine Spuren verraten, dass es langsam zur Baustelle wird. Abgesehen von dem Loch im Altar, aus dem die Reliquien entnommen worden sind – sie befinden sich jetzt im Bischofshaus in Würzburg – finden sich auch in den Gebäudewänden und im Boden Löcher.
Bausubstanz begutachtet und Proben genommen
Dort wurde die Bausubstanz begutachtet und Proben genommen, „damit während der Bauarbeiten keine unerwünschten Überraschungen auftreten“, erklärt Kirchenpfleger Michael Mahr.
So soll Gewissheit erlangt werden, ob unter den Fliesen Schadstoffe sind, die separat entsorgt werden müssten.
Freigelegte Stellen in der Mauer neben der Kreuzigungsgruppe sorgten für eine erneute Planänderung. Die Mauer soll teilweise zurückgebaut werden und als Stützmauer für den dahinter liegenden Friedhof dienen.
Da sie jedoch nur aus Ziegelsteinen besteht, muss eine weitere sie stützende Mauer davor gebaut werden.
Baugenehmigung musste neu beantragt werden
Weitere Überraschung war, dass die Baugenehmigung diesen Sommer abgelaufen war und neu beantragt werden musste. Ab September gelten zudem neue Bestimmungen zu Brandschutz und Schadstoffentsorgung, was neue Gutachten erfordert.
Michael Mahr – seit Beginn seiner Tätigkeit in der Kirchenverwaltung ist er mit dem Projekt Kirchenrückbau und mit der damit einhergehenden Bürokratie beschäftigt – reagiert schmerzfrei: „Ganz normale Vorgehensweisen.“
Für Wiederwahl nicht mehr zur Verfügung
Für viele Mitglieder der Kirchenverwaltung jedoch waren die Jahre der bürokratischen Hürden, immer wiederkehrenden Diskussionen und Planänderungen zu nervenaufreibend, sie standen einer Wiederwahl nicht zur Verfügung.
Michael Mahr, Claudia Vogel und Arno Schwarz blieben.
Nach Feierabend sorgen sie nun mit Helfern dafür, dass die Einrichtungsgegenstände sicher bis zum Einzug in die neue Kirche verwahrt werden.
Aufheben oder wegschmeißen?
Für den Abbau der Kreuzigungsgruppe und des Altars muss eine Spezialfirma anrücken, ansonsten leisten „Manpower, Womanpower und eine Sackkarre“ ganze Dienste, berichten Michael Mahr und Pfarrer Hans Thurn.
Wie bei jeder Ausräumaktion ist die meist gestellte Frage: aufheben oder wegschmeißen?
Pfarrer Hans Thurn weiß Bescheid: „Wir wollen so viel wie möglich behalten.“ Dies hat nicht nur wertschöpfende und finanzielle Gründe.
Michael Mahr erzählt: „Wir wollen den Leuten, die damals für den Kirchenbau in den 60er Jahren viel gespendet haben, Respekt zeigen und behalten, was nach Möglichkeit geht.“
Orgel wird nach Polen verkauft
Nur von wenigen Gegenständen müssen sich Pfarrer und Kirchenverwaltung trennen. Die Orgel wird nach Polen verkauft, die Kredenz und etwa ein Drittel der Bänke werden nicht mehr benötigt. Die restlichen Bänke müssen aufbereitet werden, verbleiben zunächst im Josefsheim.
Die Räume des ehemaligen Kindergartens bieten weiteren Gegenständen wie der Kreuzigungsgruppe, Ambo, Weihwasserstein, Taufbecken oder den Heiligenfiguren eine vorläufige Bleibe.
Kreuzwegbilder müssen restauriert werden
Das Tabernakel wird in die Würzburger Depositenkammer gebracht, aus Würzburg erhält die neue Kirche ein gebrauchtes Tabernakel. Die Kreuzwegbilder müssen, bevor sie in der neuen Kirche aufgehängt werden, restauriert werden.
Die Marienstatue ist im Josefsheim für die nun dort stattfindenden Gottesdienste untergebracht, eine Joseffigur steht in der Kirche St. Josef in Speicherz. Die Sakristei ist leer, nur einzelne Reste und Kartons müssen noch weggeräumt werden.
Sechsstelliger Betrag für Mauer mit dem Glasbildnis
Bleiben soll die Mauer mit dem Glasbildnis „Blutende Herz Mariens“. Diese während der Abriss- und Bauarbeiten zu sichern, wird schon einen sechsstelligen Betrag verschlingen, berichtet Michael Mahr.
Der neue Altarraum wird sich in der heutigen Taufkapelle befinden. Dort, wo heute der Mittelteil der ehemaligen Kirche ist, wird der neue Kirchplatz angelegt.
Neues kleines Gotteshaus reicht völlig aus
Sowohl Hans Thurn als auch Michael Mahr befürworten die Verkleinerung der Kirche: „Ich finde es gut, die Kirche war zu groß“, sagt der Kirchenpfleger.
„Als Küster sehe ich, wie wenig Leute in die Gottesdienste kommen und wie hoch die Kosten für das Heizöl sind. Ein neues kleines Gotteshaus reicht für uns völlig aus“.
Blick mit Freude in die Zukunft
Die beiden blicken also nicht mit Wehmut auf die Kirche St. Bartholomäus zurück, sondern mit Freude in die Zukunft: „Es ist schön, dass etwas Neues mit gesunder Kontinuität entsteht“, so Pfarrer Hans Thurn.
Michael Mahr pflichtet ihm bei: „Es ist absolut etwas Besonderes, zusehen zu können, wie sich die Kirche verändert und wie die Kirche wächst“.
Baugenehmigung kurz vor dem Baumoratorium
Ein „hohes Lob geht an Pfarrer Krammer“, wirft Hans Thurn ein, „da er bei der Diözese die Gelder für Motten reserviert hatte“. Zu dem vorausschauenden Handeln seines Vorgängers gesellte sich das „Glück“, denn Motten erhielt die Baugenehmigung kurz vor dem Baumoratorium.
Wie viel bleibt vom alten Altar?
Der Altar wird verkleinert. Wie das geschehen wird und was vom alten Altar bleiben wird, entscheidet die Kunstkommission der Diözese.
Ansonsten war der Kirchenverwaltung viel Entscheidungsfreiraum gewährt worden. „Wir als Bauherren können viel entscheiden“, sieht auch Hans Thurn positiv.
So wird die neue Kirche in Motten die erste im Bistum sein, die auf ihrem Dach eine PV-Anlage installiert haben wird.
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