Mittwoch, 12.30 Uhr: Der Parkplatz am Wildpark Tambach ist fast voll. Klar, es sind Ferien. Wer nicht zum x-ten Mal in ein Freibad oder an einen Baggersee will, ist hier gut aufgehoben. Und das bereits seit 54 Jahren. Eröffnet wurde der Wildpark an Pfingsten 1970.
12.35 Uhr: Wir sind überrascht: Die vielen Autos auf dem Parkplatz hatten befürchten lassen, dass auch „drinnen“ Hochbetrieb herrscht. Doch das Wildparkgelände ist über 50 Hektar groß. Da verteilen sich die Besucher, und jeder findet – wenn er das will – ein idyllisches Plätzchen.
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Jemand, der das sehr zu schätzen weiß, ist Familie Gärtner aus München. „Wir sind heute zum ersten Mal hier“, erzählt Mutter Denise, „und es gefällt uns richtig gut!“ Vater Werner ist sofort aufgefallen, dass es in Tambach wohltuend ruhig zugeht. „Das ist kein Vergleich zum Wildpark bei uns in Poing.“ Davon abgesehen, dass dort jeden Tag „gefühlt zehntausend Menschen“ seien, würden viele vor allem wegen des riesigen Abenteuerspielplatzes in den Wildpark Poing kommen. „Der Lärmpegel dort ist schlimm!“
Mit ihren Kindern Theo (5) und Oskar (gerade noch 1) schauen sich die Gärtners gerade die Tambacher Wildschweine an. Puh, im Gehege ist es – sehr zur sichtlichen Freude der Tiere – ziemlich matschig. Ganz anders das Bild nebenan, im eigentlichen Parkgelände. „Das ist schön gemacht und alles sehr gepflegt“, stellt Denise Gärtner anerkennend fest.
Schweinshaxe und Känguru
12.45 Uhr: Wir können dieses Lob sofort weitergeben – und zwar an Dean, der zwar nicht „Gärtner“ heißt, aber Gärtner ist. Seit mittlerweile vier Jahren sind er und ein Kollege für die Pflege der Grünanlagen im Wildpark zuständig. „Es macht mir sehr viel Spaß hier zu arbeiten“, sagt der 36-Jährige, der aus Australien kommt. Zu Beginn der Corona-Pandemie ist er der Liebe wegen nach Europa gezogen und fühlt sich jetzt sowohl privat in Franken als auch beruflich im Wildpark pudelwohl. Was ihm an Deutschland besonders gut gefällt? „Das Essen!“ Am liebsten mag er Schweinshaxe. Und was vermisst er in Franken? „Den Strand!“
Als wir wieder über den Wildpark sprechen, geht es um sein Lieblingstier. Die Antwort des jungen Australiers erfüllt alle Klischees: „Kängurus!“ Leider gebe es die aber in Tambach nicht, weil die einfach noch sehr viel mehr Platz zum Auslauf (und zum Aushüpfen) bräuchten. Aber: „Ich mag hier die Lamas sehr gerne!“
Begeistert von den Meerschweinchen
13 Uhr: Einen etwas anderen Geschmack hat die zehnjährige Lina aus Neustadt bei Coburg. Die vielen Meerschweinchen, die es gleich am Eingang des Wildparks zu sehen gibt, hätten ihr bis jetzt am besten gefallen. „Wir kommen eigentlich mindestens einmal im Jahr hierher“, verrät Linas Vater, meistens in den Sommerferien. Im Moment bestaunen die beiden die Vierhornschafe, die schräg gegenüber von den mächtigen Wisenten stehen. „Um 14 Uhr wollen wir uns die Fütterung der Wölfe anschauen!“
13.10 Uhr: Nicht ganz so begeistert wie Lina ist die erst dreijährige Luise. Sie steht am Zaun des Ziegengeheges und zeigt sich relativ unbeeindruckt von den niedlichen Tieren. Ihre Oma klärt auf: „Luise hat eben gesagt, dass sie jetzt endlich zum Spielplatz will.“ Der mag zwar etwas kleiner sein als der in Poing, doch sehr viel Spaß haben kann man dort allemal – nur eben deutlich idyllischer und ruhiger.
Luises Omas beschreibt ansonsten noch ein Phänomen, das wohl auf viele Menschen im Coburger Land zutrifft: „Wir wohnen zwar gar nicht weit entfernt vom Wildpark – aber ich glaube, ich war seit 20 Jahren nicht mehr hier.“
Ein Besuch bei den Greifvögeln
13.15 Uhr: Auch Roland Werner war eine Zeit lang mal „nicht da“. Er ist mit Leib und Seele Falkner. Von 1997 bis 2007 hat er erstmals im Wildpark gearbeitet, dessen Falknerei damals noch offiziell als Bayerischer Jagdfalkenhof firmierte. Anschließend sammelte er Erfahrungen in anderen Tier- und Freizeitparks, ehe es ihn 2022 wieder zurück nach Tambach zog.
Roland Werner schwärmt von der Anlage als solcher: „Ein Wildpark, eingebettet in einen englischen Landschaftspark, und dazu noch das barocke Schloss – das ist schon ein besonderer Dreiklang und ein echtes Alleinstellungsmerkmal!“
Was die Qualität der Falknerei in Tambach betrifft, sagt Roland Werner: „Wir brauchen uns nicht zu verstecken.“ Auch ohne diesen Titel eines Bayerischen Jagdfalkenhofs.
In den vergangenen Jahren sei in Tambach sehr viel umgebaut und modernisiert worden, erzählt der Falkner. Komplett verschwunden sind zum Beispiel die sogenannten Flugdrahtanlagen. Auf diesen konnten die Greifvögel zwar im Freien sitzen, waren aber ständig angebunden. In der neuen, reinen Volierenhaltung entfällt dieses Anbinden – aber dafür sind die Tiere die meiste Zeit eben nur hinter Gitterstäben zu sehen.
Täglich zwei Flugvorführungen
Andererseits: Wer die Greifvögel „richtig“ sehen und erleben will, kommt ohnehin zu einer der täglich zwei Flugvorführungen. Um 11 und um 15 Uhr ist es immer so weit.
Ist das jeweils der Höhepunkt eines Besuchs im Wildpark? Roland Werner blickt kurz zurück: „Vor 30 Jahren waren wir hier einer der wenigen Parks, die so etwas angeboten haben – da war das auf jeden Fall ein absoluter Höhepunkt.“ Doch inzwischen gebe es in zahlreichen Parks irgendwelche Flugvorführungen, weshalb die Bedeutung etwas gesunken sein mag.
Zu Besuch im Wildpark Tambach
Die „Faszination Greifvögel“ ist aber sehr wohl ungebrochen hoch. Das lässt sich spätestens dann feststellen, als Roland Werner – extra für ein Fotoshooting des Tageblatts – einen europäischen Seeadler aus seiner Voliere holt. Sofort bleiben zahlreiche Besucherinnen und Besucher stehen, zücken ihre Handys und zeigen sich sehr beeindruckt von „Störti“. Der Name steht für „Störtebeker“, weil ein Seeadler auf gewisse Weise ja auch ein Seeräuber ist.
„Kommen Sie gerne um 15 Uhr zur Flugvorführung“, sagt Roland Werner zu den Schaulustigen. Die Zeit bis dorthin lässt sich im Wildpark ja leicht vertreiben: entweder in einem der vielen weiteren Gehege oder aber auch im gemütlichen Biergarten – oder auf dem Spielplatz.
13.30 Uhr: Wir verlassen den Wildpark und schmunzeln dabei noch immer über einen kleinen Spaß, den sich Roland Werner bei den Flugvorführungen erlaubt. „Ich präsentiere einen großen Steppenadler und lasse die Besucher schätzen, wie viel der wohl wiegt.“ Die meisten würden auf acht bis zwölf Kilogramm tippen. „Dann gebe ich oft noch den Hinweis, dass es sich übrigens um ein Männchen handelt.“ Viele Besucher würden ihre Tipps daraufhin nach oben korrigieren. Aber letztlich sind sie einem Täuschungsmanöver des Falkners aufgesessen. Denn Steppenadler-Männchen sind deutlich leichter als Steppenadler-Weibchen. Und weil sie viele Federn und darunter hohle Knochen haben, lautet die richtige Antwort: nur zweieinhalb Kilo!
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