Dienstag, 11.30 Uhr, Freibad in Coburg: Es sind zwar bereits 26 Grad, doch es herrscht noch relativ wenig Betrieb. „Ja, früher war es hier an einem Ferientag und noch dazu bei diesem Wetter schon am Vormittag immer recht voll“, sagt Jörn Kirchner. Seit mittlerweile 13 Jahren ist er Betriebsleiter des Aquaria, und alleine in diesen 13 Jahren habe sich sehr viel verändert, wie er erzählt.
„Die Hochphase des Freibads ist leider vorbei.“ Vor allem während der Corona-Pandemie hätten sich noch mehr Menschen einen privaten Pool in den Garten gestellt.
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Hinzu komme, dass es für Jugendliche heute ein viel größeres Freizeitangebot gebe. Jörn Kirchner denkt an seine eigene Jugend zurück: „Da gab es für uns im Sommer eigentlich nur zwei Möglichkeiten: Freibad oder Freibad.“
Möglich, dass dieser „Wandel in der Gesellschaft“ und das veränderte Nutzungsverhalten eines Tages auch Auswirkungen auf eine Sanierung oder gar einen Neubau des Aquaria haben wird. Doch das ist ein Thema für sich.
Das vor 51 Jahren gebaute Hallen- und Freibad in Coburg hat – theoretisch – eine maximale Kapazität von 6.000 Personen. „Okay, dann ist es aber sehr eng, und es herrscht Mallorca-Feeling“, sagt Jörn Kirchner. Das letzte Mal, dass diese Kapazitätsgrenze erreicht wurde, war im Hitzesommer 2003. Am stärksten Tag im vergangenen Jahr wurden immerhin rund 2.500 Personen gezählt. „Im Vergleich zu früher fehlen uns vor allem große Teenagergruppen“, erklärt der Betriebsleiter, „Jugendliche, die mal zusammen mit 20 bis 30 Kumpels den ganzen Tag im Bad verbringen.“
Sprungturm wurde abgerissen
Apropos Jugendgruppen: Früher war der Sprungturm ja der Treffpunkt schlechthin für Teenager, die cool sein wollten – und die gerne auch mal ein Mädchen beeindrucken wollten und deshalb mutig vom „10er“ gesprungen sind. Doch den alten, hohen Sprungturm gibt es nicht mehr. Weil er nicht mehr standfest war, musste er abgerissen werden.
Im vergangenen Jahr wurde ein neuer, deutlich kleinerer Turm errichtet, der lediglich zwei Sprungmöglichkeiten aus jeweils drei Metern Höhe bietet: einmal mit Sprungbrett und einmal ohne. Auf den ersten Blick mag das eine Verschlechterung sein.
Doch auf den zweiten Blick ist Jörn Kirchner der Meinung, dass dieses Angebot ausreichend sei. Zudem werde es sehr gut angenommen. „Das Springen aus drei Metern Höhe war sowieso schon immer am beliebtesten.“ Nun gebe es dafür das doppelte Angebot, und das noch dazu durchgehend. Früher mussten ja der 3- und der 5-Meter-Absprung immer gesperrt werden, wenn die darüberliegenden 7,5- und 10-Meter-Absprungplattformen geöffnet wurden.
Inzwischen ist es 12 Uhr, und Alexander macht eine Durchsage: „Wellenbetrieb!“
Alexander hat die Aufsicht am Wellenbecken. Er ist kein Bademeister, sondern nennt sich „Badeaufsicht“. Er hat eine Ausbildung zum Rettungsschwimmer absolviert und findet seinen Ferienjob im Aquaria „richtig cool“. Klar, er hat es eigentlich ausnahmslos mit gut gelaunten Menschen zu tun.
Zum Beispiel mit Jasmin aus Coburg. Sie geht regelmäßig ins Freibad, und setzt sich bei schönem Wetter gerne auch einfach mal nur an den Beckenrand.
Bei schönem Wetter wird die Wellenmaschine zehnmal am Tag angeworfen. „Jeder Wellengang kostet 30 Euro“, rechnet Jörn Kirchner vor. Dabei handele es sich um Energiekosten sowie die Kosten für den Wasserverlust. 30 Euro klingt zunächst nicht viel – aber bei zehn Wellengängen sind das schon 300 Euro pro Tag.
„Ein kleiner Urlaub!“
Sarah aus Coburg ist sehr froh und dankbar, dass es im Coburger Freibad regelmäßig auch Wellenbetrieb gibt. Am Dienstag sitzt sie vorne am Wellenbecken und lässt sich ihre Beine vom Wasser umspielen. „Das ist wie ein kleiner Urlaub!“
12.15 Uhr, und plötzlich ist auf der Liegewiese neben dem Schwimmerbecken ganz schön was los: Eine riesige Gruppe ist eingetroffen! Nein, das sind mehr als nur 20 bis 30 Kumpels. Es sind tatsächlich rund einhundert Mädchen und Jungs zwischen 7 und 14 Jahren. „Wir kommen aus Ebern und sind zurzeit auf Ferienfreizeit in Coburg“, erklärt einer der Betreuer. Eine Woche lang werde beim Pfadfinderheim unterhalb von Schloss Callenberg gezeltet. Das Programm ist vielseitig. Am Dienstag war eine Wanderung in die Stadt angesagt – mit Abkühlung im Aquaria.
Vom Coburger Freibad sind alle recht begeistert. „Aber unser Bad in Ebern ist auch schön“, ruft ein blonder Kerl und springt mit einem Köpfer ins Wasser.
Ein kühler Kopf für die Bachelorarbeit
Während die Gruppe aus Ebern so ein bisschen wirkt wie ein großer Ameisenhaufen, lassen es Sophia und Julia eher gemütlich angehen. Die beiden Studentinnen ziehen ihre Bahnen und genießen noch die relative Ruhe vor dem (An-)Sturm im Aquaria.
„Wir studieren an der Hochschule in Coburg“, erzählen die beiden. Eigentlich sind Semesterferien. Doch Sophia, die aus Hassfurt kommt und BWL studiert, will in den nächsten Wochen ihre Bachelorarbeit fertig bekommen. Deshalb bleibt sie in Coburg und wird wohl noch einige Mal zum Ausspannen und Abschalten ins Aquaria gehen. Ihre gute Freundin Julia, die aus der Nähe von Schweinfurt kommt und in Coburg Soziale Arbeit studiert, begleitet sie gerne.
12.25 Uhr, Bambus Lounge: Schwimmen macht hungrig! Und: Hitze macht durstig! Deshalb folgt ein kleiner Einkehrschwung. Das Bistro im Aquaria heißt seit dem vergangenen Jahr „Bambus Lounge“. Was sich allerdings nicht verändert hat, und zwar seit gefühlt 51 Jahren nicht: Pommes sind der Renner!
Belgische Pommes im Coburger Freibad
„Wir haben belgische Pommes“, erklärt Massimo Iannelli-Fard, der zusammen mit Nima Khorsandi die „Bambus Lounge“ betreibt. „Sie werden in Pflanzenöl frittiert und sind deshalb vegan und auch glutenfrei!“ Ja, eine etwas bewusstere Ernährung gehört ebenfalls zum Wandel in der Gesellschaft, von dem Jörn Kirchner gesprochen hat.
Der zweite Bistrobereich, der sich etwas weiter hinten im Aquaria befindet, wird übrigens nur an jenen Tagen geöffnet, an denen besonders viele Besucher im Freibad sind. „In diesem Jahr hatten wir es noch kein Mal geöffnet“, sagt Massimo Iannelli-Fard.
Doch vielleicht werde es jetzt am Mittwoch so weit sein. Schließlich werden noch höhere Temperaturen als am Dienstag erwartet. Auch Jörn Kirchner und sein Team sind bereit für den vielleicht größten Ansturm des Jahres.
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