Der kleine Jonas ist begeistert. Seine bunte Wasserpistole kann er am Montag mitten auf dem Coburger Marktplatz auffüllen. Es ist zwar nicht ganz leicht, das Wasser aus den Fontänen direkt in die Öffnung seines Plastikspielzeugs laufen zu lassen. Doch Jonas stört sich nicht daran, ein bisschen nass zu werden. Ganz im Gegenteil: Selbst an diesem Montag, wo nicht so hochsommerliche Temperaturen herrschen wie zuletzt, tut ein bisschen Abkühlung gut.
Ursprüngliches Ziel: Geld sparen
Während Jonas also jede Menge Spaß hat, wird sich der eine oder andere Passant gewundert haben: Moment mal, warum sind die Wasserfontänen denn plötzlich in Betrieb? Sollten die in diesem Jahr nicht ausgeschaltet bleiben, weil die Stadt dadurch Kosten von rund 8000 Euro einsparen wollte?
Nun, die Antwort ist kompliziert.
Ja, die Stadt Coburg wollte auf diese Weise etwas Geld sparen, denn die Haushaltslage gilt nun einmal als sehr angespannt. Die Entscheidung, auf die Fontänen am Marktplatz heuer zu verzichten, ist nach Angaben von Stadtsprecher Louay Yassin auch deshalb getroffen worden, weil es am Marktplatz ja noch zwei weitere Brunnen gibt (vor der Sparkasse sowie vor der Eisdiele Panciera), die wie gewohnt laufen und jeweils sogar Trinkwasser spenden.
Tageblatt greift Thema auf
Doch bereits im Frühjahr gab es Kritik an dieser Entscheidung. Die Kritik wurde noch sehr viel lauter, als die Temperaturen stiegen und sich viele – wie am Montag der kleine Jonas – über etwas zusätzliche Abkühlung am Marktplatz gefreut hätten. Als Ende Juli der bislang heißeste Tag des Jahres mit weit mehr als 30 Grad bevorstand, warf das Coburger Tageblatt die Frage auf: „Kann der Brunnen am Marktplatz nicht für einen Tag laufen?“
Doch die Antwort der Stadt lautete: Nein. Unter anderem wurde darauf hingewiesen, dass mit den Fontänen sehr viel Technik verbunden sei und deshalb ein kurzfristiges Anschalten ohnehin nicht möglich sei.
Dieser Hinweis auf die aufwändige Technik ist jetzt auch deshalb wichtig, wenn nach den Gründen gesucht wird, die zu einem Umdenken geführt haben.
Antrag von FDP-Stadtrat
Am Donnerstag vergangener Woche hatte FDP-Stadtrat Michael Zimmermann einen Antrag gestellt. Er forderte, dass – Sparmaßnahme hin, Sparmaßnahme her – die Fontänen während der warmen Jahreszeit auf jeden Fall laufen sollten.
Zum Zeitpunkt, als Zimmermann diesen Antrag stellte, war die Entscheidung zur Wieder-Inbetriebnahme noch in diesem August aber offenbar längst gefallen. Das zumindest beteuert Louay Yassin im Gespräch mit dem Tageblatt. Die Entscheidung, so betont er, sei bereits seit Anfang vergangener Woche „gereift“. Klar: Damit die Fontänen an diesem Montag wieder sprudeln konnten, waren Vorarbeiten erforderlich.
Mitarbeiter des Grünflächenamtes mussten vor Inbetriebnahme alle Leitungen und den Tank spülen, den Tank mit vier Kubikmetern frischem Wasser füllen, das Wasser aufbereiten und die Technik prüfen. Diese Prozedur muss jetzt auch alle zwei bis drei Wochen wiederholt werden.
Coburger OB trifft Entscheidung
Am Montagmittag veröffentlichte die Stadt Coburg eine Pressemitteilung. Darin ist die Rede davon, dass der Brunnen „auf vielfachen Wunsch aus der Bevölkerung“ am Montagmorgen wieder in Betrieb genommen worden sei. Zudem heißt es, dass Oberbürgermeister Dominik Sauerteig (SPD) persönlich diese Entscheidung getroffen habe.
Ein kurzes Video vom Coburger Marktplatz (aufgenommen am Montag, 19. August 2024) sehen Sie hier:
Fontänen am Coburger Marktplatz wieder in Betrieb
In der Pressemitteilung wird außerdem darauf verwiesen, dass für die plätschernden Fontänen bis zum Ende dieses Sommers noch Kosten in Höhe von rund 5000 Euro anfallen werden. Dieses Geld müsse nun an anderer Stelle eingespart werden, so Yassin. Denn das städtische Einkommen sei „endlich“ und könne „nicht überdehnt“ werden.
Zudem sei im vergangenen Jahr wegen des Sparkurses eine Stelle für Wartung der Brunnen eingespart worden. Die Arbeit müsste jetzt von anderen Mitarbeitern wahrgenommen werden, die eigentlich andere Aufgaben haben und deren Aufgaben nun liegen bleiben würden.
Kein Trinkwasser!
Das Wasser der Marktplatz-Fontänen habe – ebenso wie der Fontänenbrunnen am Albertsplatz – keine Trinkwasser-, sondern lediglich Schwimmbadqualität. Ein dringender Appell von Louay Yassin lautet deshalb: „Bitte nicht trinken!“
Dem kleinen Jonas ist das am Montag egal. Hauptsache, seine Pistole ist bald wieder „voll“. Auch viele Erwachsene, die rund ums Albert-Denkmal sitzen, genießen das wohltuende Plätscher-Comeback und halten ab und zu ihre Hände oder Arme ins kühle Nass. „Herrlich“, findet das zum Beispiel Kathrin Hofmann und reibt sich auch gleich noch etwas Wasser auf die Stirn. Selbst wenn Experten Recht haben sollten und die Wasserfontänen kaum Einfluss aufs Klima am Marktplatz nehmen können: Zum Lebensgefühl vieler Menschen in Coburg gehört der Brunnen allemal.
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