Die Ackerböden brauchen ihn dringend. Den Regen. Davon gab es in den vergangenen Wochen aber viel zu wenig. Seit dem Beginn der Auswertung im Jahr 1931 gab es laut dem Deutschem Wetterdienst (DWD) kein trockeneres Frühjahr als das diesjährige. Die Dürreperiode spiegelt sich in den Ernteerträgen wider, wie der Kreisverband Coburg des Bayerischen Bauernverbandes (BBV) bestätigt. „Bisher war es zu lange trocken“, sagt Kreisobmann Sebastian Porzelt.
Als ob sie ihn für den Termin extra bestellt hätten – vom bewölkten Himmel fallen Regentropfen auf die Getreidefelder der Familie Bauer in Trübenbach. Auf ihrem Bauernhof findet das traditionelle Erntegespräch statt.
Bauernverband in Trübenbach spricht von einer Wunschillusion
Das sei doch ein schöner Start für die nächsten 20 Liter Regen, hofft Tobias Schneider, der stellvertretende Kreisobmann. Porzelt indes teilt den Optimismus seines Verbandsfreundes nicht. Er nennt die Hoffnung auf mehr Niederschlage „eine Wunschillusion“.
Beim Thema Niederschläge, erklären die Verbandskollegen, sei die Menge an sich nicht das Hauptproblem – sondern eher die Verteilung. Porzelt spricht von „Wetterextremen“: Milde Winter, in denen die Pflanzen viel Wasser brauchen, der durch den Klimawandel ausgelöste Temperaturanstieg, wodurch die Vegetationsphasen länger andauern: „Es regnet viele Wochen keinen Tropfen und dann kommt auf einmal ein Starkregen von 70 Litern“, sagt Schneider. Der Geschäftsführer des Kreisverbandes, Gabriel Lieb, fasst es so zusammen: „Das Problem ist, dass die Niederschläge kommen, wenn die Böden es nicht mehr brauchen.“
Ein ungünstiger Zeitpunkt für viel Regen ist laut Porzelt der September. „Da beginnen wir mit der neuen Aussaat und müssen die Böden bearbeiten.“ Stichwort Boden: Nicht jeder Bodentyp könne viel Wasser speichern, erklärt der Kreisobmann. „Leichte Böden mit einem hohen Sandanteil oder schwere, tonhaltige Böden können nur wenig Wasser speichern“, ergänzt sein Stellvertreter Tobias Schneider. Am besten seien mittelschwere Ackerböden mit einer ausgewogenen Mischung aus Sand, Schluff und Ton.
Meeder ist die Getreidekammer im Landkreis Coburg
Im Landkreis Coburg, erklärt Porzelt, gebe es gehäuft leichte und schwere Ackerböden. Hinzu kommen zusätzliche Auflagen bei der Düngung. Die Felder der Familie Bauer zum Beispiel ist in einem sogenannten „roten Gebiet“ ausgewiesen, bestätigt Kreisbäuerin Kathrin Bauer, die zusammen mit ihrem Mann Robert Bauer den Bauernhof in Trübenbach führt. Das Grundwasser in einem roten Gebiet ist nach Angaben der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft stark mit Nitrat belastet. Deswegen, sagt Porzelt, darf man weniger düngen. Und deswegen, sagt Kreisbäuerin Bauer, seien ihre Böden teils unterversorgt mit Nährstoffen. Gute Bodenverhältnisse, so Porzelt, gebe es in der Umgebung von der Gemeinde Meeder, die Schneider als „Kornkammer im Landkreis Coburg“ bezeichnet.
Im Kreis Coburg: Ernten sind „unterdurchschnittlich“ bisher
Zusätzlich zur Trockenheit seien die Frostnächte im Winter ein Problem, sagt Andreas Grambs, ein weiterer Stellvertreter von Kreisobmann Porzelt. „Dadurch kann sich das Getreide nicht richtig entwickeln.“ Das macht sich in Grambs’ Ernteausbeute bemerkbar. Der Ertrag seiner Wintergerste liege zehn bis 20 Prozent unter seinem Durchschnitt. Auch die Wintergerste von Kathrin und ihrem Mann Robert Bauer ist „unterdurchschnittlich“ ausgefallen, berichtet Robert Bauer. Demnächst ernsten sie Raps, Weizen und Roggen, sagen die Landwirte. Danach den Mais. Und, so hoffen sie, hoffentlich kommt der Regen.













