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Streunerstelle Triebsdorf
Wie Coburgs Tierschützer Straßenkatzen retten
Katzen bei der Fütterung
Katja Kratzenberger vomTierschutzverein Coburg Land Foto: // Julia Scholl
Coburg – Im Landkreis Coburg kümmern sich Tierschützer wie Katja Kratzenberger immer wieder um herrenlose Katzen. Bei einem Hotspot ist die Lage inzwischen unter Kontrolle, doch andernorts wachsen die Sorgen.

Katze für Katze kommt aus ihrem Versteck, als Katja Kratzenberger zum Füttern kommt. Glänzendes Fell, keine tränenden Augen – die Tiere sehen fit aus. Als Katja Kratzenberger vor etwa eineinhalb Jahren das erste Mal nach Triebsdorf gerufen wurde, sah die Situation ganz anders aus.

Katzen bei der Fütterung
Der Verein kümmert sich um die Streunerstelle in Triebsdorf (Ahorn), mit heute noch etwa 13 Katzen. Foto: // Julia Scholl

Straßenkatzen: Hotspots im Landkreis Coburg

Es ist ein Problem, dass viele nur aus dem Urlaub in Griechenland oder Spanien kennen: Straßenkatzen, mit verklebten Augen, tropfenden Nasen und entzündeten Wunden – Katzen ohne Heimat. Doch auch im Landkreis Coburg gibt es immer wieder Hotspots, wo Katja Kratzenberger und andere Tierschützer zum Teil ein Dutzend herrenlose Katzen und mehr zählen. Einer dieser Hotspots war Triebsdorf. 

„Es sind keine Schmusekatzen“

Vorsichtig versucht Katja Kratzenberger Kontakt aufzubauen. Katze „Gretl“ zum Beispiel hält nichts von den Annäherungsversuchen und fährt die Krallen aus. Das ein oder andere Tier lässt sich jedoch zumindest einmal über den Kopf streicheln. „Es werden keine Schmusekatzen, aber das ist ein Riesenschritt, wenn sich so eine Katze anfassen lässt“, sagt Katja Kratzenberger.

Ein Blick in die Streunerstelle

Ein Blick in die Streunerstelle

Über 30 Tiere haben hier vor etwa eineinhalb Jahren gelebt. „Uns hat damals im Winter bei Schnee und Eis ein Anruf erreicht, der unzählige hungrige Katzen aus dem Müllcontainer kommen sah“, erinnert sich Kratzenberger. Vor Ort bemerkten sie, dass auf dem Gelände einer ehemaligen Gastwirtschaft noch weitere Katzen waren. Eine Situation, die wohl aus dem Ruder gelaufen sei. 

Katzen bei der Fütterung
Der Verein kümmert sich um die Streunerstelle in Triebsdorf (Ahorn), mit heute noch etwa 13 Katzen. Foto: // Julia Scholl

„Wir haben uns mit den Besitzern des Geländes in Verbindung gesetzt und bekamen das ‚Okay‘, dort eine Streunerstelle aufbauen zu dürfen“, erläutert Katja Kratzenberger. Man war mit der Situation einfach überfordert. Das Problem: Viele der Tiere waren weiblich und unkastriert. „Unkastrierte Katzen vermehren sich exponentiell – man kann davon ausgehen, dass sie im Jahr mindestens drei Würfe haben.“

Katzen bei der Fütterung
Das Schielen – so niedlich es auch aussehen mag – ist laut Katja Kratzenberger ein Zeichen von Inzucht. Keine Seltenheit bei solchen Hotspots. Foto: // Julia Scholl

Der damals gefasste Plan: Erst einmal mit Futter versorgen, dass sie nicht mehr im Müll wühlen müssen. Dann: Vermehrung unterbinden, damit die Population eingedämmt werden kann. Das Ergebnis heute: Noch etwa 13 Tiere. Inzwischen hätten die Tierschützer alle kastriert. Die letzten zwei Tiere erst Anfang der Woche, denn das Fangen ist nicht so einfach. Mehrfach war Katja Kratzenberger schon im Krankenhaus, weil sie gebissen und gekratzt wurde.

„Solche Tiere, wie sie hier sitzen, können niemals domestiziert werden“

Einige Katzen konnten auch vermittelt werden, aber: „Solche Tiere, wie sie hier sitzen, können niemals domestiziert werden“, erläutert Katzenberger. „Was optimal wäre zum Umsiedeln: ein Bauernhof oder Reiterhof, wo sie versorgt werden, unterschlüpfen können und ihr Futter kriegen.“

Katzen bei der Fütterung
Die Katzen dort leben in einem komplexen sozialen Gefüge. Foto: // Julia Scholl

Jedoch müsse man vorsichtig sein, die Tiere in ihren Bedürfnissen nicht zu vermenschlichen. Die Katzen hätten an der Streunerstelle ein soziales Gefüge, es gebe zum Beispiel kein Streit um Futter – „sie fressen sogar aus einem Napf“ – und kuscheln miteinander. Dank der Tierschützer haben sie nun einen geschützten Rückzugsort, isolierte Hütten für den Winter und Ehrenamtliche, die sich um sie kümmern. Eine Umsiedlung in eine Wohnung wäre fern von Artgerecht für diese Katzen. 

Tierschützer kommen an ihre Grenzen

In Triebsdorf ist die Situation unter Kontrolle. Allerdings wird der Verein immer wieder zu anderen Ecken im Landkreis geschickt, wo sie ähnliche Situationen vorfinden. Katja Kratzenberger meint: „Es ist wichtig, hinzusehen, zu handeln und vor allem zu kastrieren.“ Doch das Leid, was ihnen häufig begegnet, sei auch für sie manchmal schwer zu ertragen.

Katja Kratzenberger wir häufig zu Jungtieren wie diesen gerufen.
Katja Kratzenberger wir häufig zu Jungtieren wie diesen gerufen. Foto: // Katja Kratzenberger

Momentan kämpfen sie oft mit dem „Fading Kitten Syndrom“. „Vom ersten Lebenstag bis zum Entwöhnen von der Mutter sterben viele Kitten“, sagt sie. Die Ursachen? Vielfältig. Von angeborenen Anomalien über mangelnde mütterliche Fürsorge – wenn zum Beispiel zu wenig Milch produziert wird, bis hin zu Infektionen und Umweltfaktoren.

Besonders gefährlich für die Tiere: „Die Katzenseuche – Parvovirose. Die Tiere haben Durchfall, Fieber, Erbrechen, sind dehydriert. Selbst mit intensiver Behandlung überleben 90 Prozent der Kitten nicht.“

Katja Kratzenberger wir häufig zu Jungtieren wie diesen gerufen.
Katja Kratzenberger wir häufig zu Jungtieren wie diesen gerufen. Foto: // Katja Kratzenberger

Viel Arbeit für die Vereine im Landkreis. Obwohl sie häufig von Tierärzten bei den Kosten für die Behandlungen unterstützt werden, hat zum Beispiel der Tierschutzverein Coburg Land im vergangenen Jahr an die 17.000 Euro Tierarztkosten gehabt. Denn mit einer Kastration ist es nicht getan, da die Tiere zumeist krank sind und oft teuer behandelt werden müssen. Spenden finanzieren die ehrenamtliche Arbeit. „Da haben wir Glück. Ich mache einen Aufruf auf Facebook und die Leute nehmen Anteil“, sagt sie. Doch Tierschützer wie Katja Kratzenberger kommen immer mehr an ihre Grenzen. Sie sagen: Wir brauchen eine Katzenschutzverordnung mit Kastrationspflicht, Kennzeichnungspflicht und Registrierpflicht, um das Leid, Krankheiten, Elend und Tod herrenloser Katzen zu minimieren und zu verhindern. 


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Tierschutzverein Coburg Land
IBAN: DE32 7709 1800 0102 8231 36
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Verwendungszweck:  „Streunerhilfe“

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