So bitter das Jahr gestartet war, so hoffnungsvoll begann der Frühling für Haba. 450 Stellen hatte der Spielzeughersteller aus Bad Rodach zu Jahresbeginn abbauen müssen, ein Werk geschlossen, den Versandhandel „Jako-o“ eingedampft. Anfang März dann die Nachricht: Haba ist raus aus der Insolvenz, der Neuanfang sollte her.
Spielzeugmarkt angespannt
Aber das scheint alles nicht so einfach zu sein. Am Donnerstag wurde bekannt: Es müssen wieder rund 100 Stellen abgebaut werden. Man agiere in einem „herausfordernden Marktumfeld“, teilte Haba mit. „Die Umsatzentwicklung des Spielwarenherstellers ist deutlich unter den Planungen und das Unternehmen muss daher die Kostenstruktur in allen Bereichen an die zurückhaltende Auftragssituation anpassen.“ Laut Geschäftsführer Mario Wilhelm gibt es keinen anderen Weg. „Die Gespräche verlaufen konstruktiv. Allen Beteiligten ist bewusst, dass wir schnell handeln müssen. Solche Maßnahmen sind immer ein tiefer Einschnitt, aber es gibt leider keine Alternative. Wir müssen die Kosten reduzieren. Es geht darum, unser Unternehmen an die veränderten Rahmenbedingungen anzupassen und wettbewerbsfähig für die Zukunft aufzustellen.“
Zu den Einschnitten Anfang des Jahres hatten einige Entscheidungen und Vorgänge innerhalb des Unternehmens geführt. Die Einführung einer neuen Software war problematisch verlaufen, bestellte Lieferungen blieben lange liegen, man hatte auf neue Märkte gesetzt, was auch nicht funktionierte. Das Sanierungskonzept aber schien gegriffen zu haben, sodass Haba eben aus der Insolvenz herauskam.
Konkurrenz durch Temu
Offenbar sind die aktuellen Probleme solche von außen, ein „„herausforderndes Marktumfeld“eben. Denn der Gesamtmarkt in der Spielzeugbranche war bis Herbst vergangenen Jahres bereits um vier Prozent geschrumpft. Und das Weihnachtsgeschäft, das normalerweise einen Großteil des Umsatzes bringt und auf das alle in der Branche gehofft hatten, lief nicht wie erwartet. Selbst beim Spielzeug geben die Menschen nicht mehr so viel Geld aus, auch hier schlägt die wirtschaftliche Entwicklung durch. Und es gibt, wie in vielen Branchen, die globale Konkurrenz.
Zum Beispiel Temu. Der chinesische Versandhändler ist einfach günstiger. Zwar kritisieren europäische Spielzeughersteller Verbände, dass die Waren der Plattform in 95 Prozent nicht den Sicherheitsvorgaben entsprechen, die in der EU gelten. Allerdings kann die EU Anbieter aus Drittstaaten nicht haftbar machen. Fakt ist: Temu steigerte seinen Umsatz 2023 um 150 Prozent auf 1,2 Milliarden Dollar. Erst seit Frühjahr 2023 ist die App des Anbieters in Deutschland verfügbar. Jeder Vierte in Deutschland zwischen 16 und 65 Jahren soll laut einem Bericht des Manager Magazins aber bereits mindestens einmal bei der Plattform bestellt haben.
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